Golem Newsticker schreibt:
Menschen vertrauen Medien, nicht der Politik oder Blogs
Die Medien genießen größeres Vertrauen als Regierungen, vor allem in Entwicklungsländern. Dabei liegen landesweite TV-Programme vor anderen Nachrichtenquellen. Weblogs belegen den letzten Platz in der Rangliste, die von der BBC, Reuters und dem Media Center in Auftrag gegeben und beim WeMedia Global Forum in London vorgestellt wurde. Die Mediennutzung in Deutschland fiel dabei im internationalen Vergleich aus dem Rahmen.
[...] Nutzer wurden auch danach gefragt, was ihre wichtigste Nachrichtenquelle ist. Deutschland ist das einzige Land, in dem mehr Befragte die Zeitung als wichtigste Quelle nannten als das Fernsehen (45 zu 30 Prozent).
[...] Was das Vertrauen in die verschiedenen Medienformen angeht, liegen die Angaben für die öffentlich-rechtlichen Radiosender, landesweite Fernsehprogramme und Zeitungen (landesweit und überregional) in Deutschland sehr dicht beieinander (83/81/80 Prozent). Blogs folgten abgeschlagen mit 38 Prozent, aber noch weit vor “Freunden und Familie”, die nur 25 Prozent der Befragten als vertrauenswürdige Nachrichtenquelle nannten.
[...] Allerdings ist Deutschland das einzige Land, in dem eine Mehrheit der Befragten (51 Prozent) nicht der Ansicht war, dass die Medien ausreichend über Themen berichten, die die Leser, Zuhörer und Zuschauer interessieren. Außerdem gaben 54 Prozent an, die Medien ließen nicht alle Seiten, die für eine Darstellung eine Rolle spielen, zu Wort kommen. Allerdings waren gleichzeitig 58 Prozent der Befragten der Meinung, daß die Medien korrekt berichten.
Wie Golem aber zu der Aussage “Blogs haben die Medienlandschaft vollständig verändert” (Untertitel des Artikels) kommt, gibt der Artikel nicht wirklich her. Ich vermute, sie beziehen sich auf die schiere Existenz der Blogs und die unerwartet hohe Nutzungs- und Vertrauensquote der Blogs.
Zwar bleiben kritische Aussagen nicht aus: “Es ist noch zu früh, um überhaupt etwas über Blogs zu sagen, denn viele Menschen haben bisher noch nicht einmal das Wort gehört” wird ein Podiumsteilnehmer zitiert. Wie hoch aber der Anteil der Konsumenten, die mit Weblogs etwas anfangen können, ist, bleibt offen, auch wie hoch dabei der Anteil der Blogschreiber unter den Bloglesern ist, und in welcher der beiden Gruppen das Vertrauen höher ist (ich vermute in letzterer).
Ein weiterer Podiumsteilnehmer
fügte an, daß es ohnehin wenig Sinn habe, von Weblogs in einem generellen Sinn zu sprechen, da es viele Millionen gebe. Er erwarte, dass es einen “Shakeout”, eine radikale Verringerung gibt. Die, denen Nutzer nicht trauen, würden nicht überleben.
Diese Aussage halte ich für zu extrem, insbesondere den letzten Satz. Die Überlebensfrage kann man meiner Meinung nach nicht so eng an das Vertrauen knüpfen. Unterhaltungswert und Charakter bestimmen auch entscheidend die Wertschätzung eines Blogs. Insbesondere spielt die Motivation des Bloggers eine Rolle und ist bei “Selbstverwirklichungsblogs” relativ unabhängig vom Vertrauen.
Wenn die Studie im Netz verfügbar ist, werde ich sie nachreichen.
Mobil gebloggt im Tambosi-Biergarten. So macht die Blognutzung Spaß!
Nachtrag: Noch ein Artikel und Quelle der Studie
Die Studie gibt es hier als Download-PDF. Der Telepolis-Artikel, aus dem ich diesen Link habe, wartet mit weiteren interessanten Details auf:
Während international 72 Prozent täglich die Nachrichten verfolgen würden, werden die Deutschen mit 80 Prozent, die sich täglich informieren, und 91 Prozent, die es bevorzugen, mehrere Quellen aufzusuchen, vom Bericht als “außergewöhnlich enthusiastische Nachrichtenkonsumenten” ausgezeichnet. Nur in Deutschland sprach sich eine leichte Mehrheit (51 %) dagegen aus, dass die Medienberichterstattung die Nachrichten abdeckt, die ihr wichtig ist.
[... International gilt: ...] Das Internet wurde von 9% als wichtigste News-Quelle angegeben. Nachrichten-Websites und Blogs liegen in der Vertrauensfrage auf den hintersten Plätzen. Während Online-Nachrichten für einen beträchtlichen Teil der Jungen zwischen 18 bis 24 Jahren erste Wahl sind, trifft dies nur für drei Prozent der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren zu.
Das Vertrauen kann jedoch verloren gehen: Mehr als ein Viertel der Befragten haben aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit auf die weitere Nutzung einer News-Quelle verzichtet.
Nachtrag 2: Weiterführende Gedanken
Patrick Breitenbach entwickelt in “Blogdiplomatie” einige interessante Gedanken zu Blogs, u.a. daß die Spannbreite an Glaubwürdigkeit bei Weblogs sehr viel größer ist, als bei klassischen Medien.
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Ein Kommentar
Ein Blog spiegelt ja meistens auch nur die Meinung eines Einzelnen wieder oder einer Gruppe und kann somit nicht unbedingt eine Relevanz für die breite Masse darstellen. Jedoch ist es in einigen Bereichen sicherlich sinnvoller Fachleuten zuzuhören als sich duch die Medien beeinflussen zu lassen.
Ein Trackback
[...] Dabei ging es um die Kernfrage, welchen Medienquellen man besonders vertraut, wenn es um Nachrichten geht. Länderübergreifendes Ergebnis: Wie man sehen kann, vertraut man dem TV und großen Zeitungen am meisten. Blogs und News-Webseiten am wenigsten. Nur am Rande: Manch ein Blogger hat das zur Kenntnis genommen (Blogdiplomatie, Allerlei, Cyberbloc, aber auch die internationale Blogosphere beginnt, sich deswegen damit zu beschäftigen. Da werden natürlich noch einige diskutieren. Und die Reaktionen werden so wie bei Golem.de sein. Irgendwelche “smarten” Kommentare der Blogszene: David Brain, Chef der PR-Agentur Edelman Europe, hielt sich zurück mit einer Bewertung, was die Vertrauenswürdigkeit von Blogs angeht, die in der Umfrage in allen Ländern das Schlusslicht belegt hatten: “Es ist noch zu früh, um überhaupt etwas über Blogs zu sagen, denn viele Menschen haben bisher noch nicht einmal das Wort gehört”. Der Reuters-Journalist Schlesinger fügte an, dass es ohnehin wenig Sinn habe, von Weblogs in einem generellen Sinn zu sprechen, da es viele Millionen gebe. Er erwarte, dass es einen “Shakeout”, eine radikale Verringerung gibt. Die, denen Nutzer nicht trauen, würden nicht überleben. Jo, passt schon, me sein will BILD und Spon und Heute und CNN in einem, schon klar die Herren, shake yourself
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