Thomas Knüwer kommentiert in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache” einen Essay von Springer-Chef Matthias Döpfner über die Zukunft der Zeitung:
Döpfner hält die Macht der Sprache für den großen Unterschied zwischen Print und Online. Warum? Werden bei den Online-Angeboten Springers lange Texte deutlich seltener gelesen als kurze? Damit stünden Welt.de & Co allein da – die meisten Internet-Plattformen klassischer Medien stellen fest, daß auch lange Texte gelesen werden. Weblogs beweisen, daß selbst einfach schön geschriebene Artikel ohne Nachrichtenwert ihre Leser finden.
Da muß ich Herrn Knüwer beipflichten. Ein ein weiteres für Döpfner wichtiges Argument für die Existenzberechtigung von Zeitungen entgeht ihm allerdings:
Wenn jede Information für jedermann jederzeit überall verfügbar ist, dann wächst das Bedürfnis nach Orientierung, Auswahl oder dem, was den guten Zeitungsjournalisten ausmacht: Führung. [...] Auf Dauer will nicht jeder sein eigener Programmdirektor sein. [...] Leser wollen nicht ständig selbst entscheiden. Man will ja auch nicht immer selbst kochen, wenn man Hunger hat.
Dabei übersieht Döpfner drei Punkte:
- Gerade das jüngere, weniger zeitungsaffine Publikum ist es gewohnt, diejenigen Informationsschnipsel, die es interessieren, aus einem größeren Portfolio zusammenzustellen.
- Programmdirektor möchte zwar nicht jeder sein, aber die Fernbedienung für’s Zappen will jeder haben.
- Das was er Führung, Orientierung, Vorauswahl nennt, leisten viele Medien. Das ist keine spezifische Eigenschaft von Zeitungen.
Ebensowenig ist die erste These von Döpfner
Ich glaube, daß junge Menschen auch in Zukunft morgens eine Zeitung lesen, [...] wenn sie sich mit ihrer Lebenswirklichkeit, mit ihren Themen, mit ihren Problemen und Träumen beschäftigt; kurz: wenn die Neuigkeiten, Gedanken und die Sprache dieser Zeitung sie begeistern.
spezifisch an Zeitungen gebunden. Auch das gilt für viele Medien. Auch darauf geht Knüwer nicht ein.
Trotzdem stimme ich Knüwers Fazit zu:
Man möge mich nicht falsch verstehen: Auch ich glaube, dass Zeitungen eine Zukunft haben können. Eben wenn sie gospelig werden, um im Döpfner-Jargon zu bleiben. Nur sind es oft gerade die Verlagsmanager, die sie daran hindern, weil sie Angst haben vor schrägen Ideen, unkonventioneller Optik und journalistischer Unabhängigkeit.