Mittwoch, 31. Januar 2007

Konkrete Gehaltsangaben für die Bewerbung — Woher nehmen?

Als Bewerber sieht man sich oft vor dem Problem, schon im Anschreiben konkrete Gehaltsangaben machen zu müssen: “Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung, bitte unter Angabe Ihres frühestmöglichen Eintrittstermins und Ihrer Gehaltsvorstellungen.” enden viele Anzeigen.

Woher soll man also diese Information nehmen?

Ich kenne eine einzige Stelle im Internet, die ganz konkret für eine Vielzahl von IT-Positionen aktuelle Gehälter nennt:

Die Seite Gehaltsliste IT und Medizin — Gehaltscheck und umfassende Gehaltsübersicht für Professionals der Personalberatung HiTec Consult[Änderung am 13.12.2007: Links aktualisiert].

Die Liste ist ziemlich umfangreich und unterscheidet Anfänger, Professionals und Topverdiener. Man beruft sich auf “auf mehrere Tausend Kandidatengespräche und auf unsere langjährige Expertise als Personalberater”. Die Datenbank werde ständig erweitert und aktualisiert. Mehr als diese relativ diffusen Angaben zur Methodik werden leider nicht gemacht.
Seriös auch die einleitenden Warnungen zur Interpretation der Tabelle: Befinde man sich mit seinem Gehalt zwischen zweier ihrer Angaben, so sei dies eine Bestätigung, daß man “auf dem richtigen Weg” sei. Persönliche Entwicklung, Alter und “die Komplexität des gesamten Leistungsvermögens” ließen “sich durch diese Angaben natürlich nur marginal erfassen”. Die Tabelle könne “letztlich nur eine kleine Unterstützung sein im Rahmen einer neutralen Evaluierung” des Gehalts.
Dies gilt natürlich für jede derartige Tabelle, ich finde es aber sehr gut, daß sie es so hinschreiben.

Alle weiteren mir bekannten Quellen sind Umfragen, die sich auf die Vergangenheit beziehen:

  • Jährliche Arbeitsmarktübersicht (“Gehaltsumfrage”) der Zeitschrift c’t. Sie wird Anfang jeden Jahres durchgeführt und erscheint dann Ende März, Anfang April. Die aktuelle Version ist die c’t-Gehaltsumfrage 2005 mit knapp 3400 Teilnehmern aus Deutschland, Schweiz und Österreich (letztere allerdings mit nur je etwa 100 Teilnehmern).Es handelt sich um das meiner Meinung nach genaueste Instrument, auch mit der größten Erhebungsbasis und den differenziertesten Auswertungen. Zudem ist es unter o.g. URL frei zugänglich. Ich empfehle trotzdem dringend den Kauf des entsprechenden Heftes, weil sich damit besser arbeiten läßt.
  • Die Studie “Entgelt in der ITK-Branche” der IG-Metall.
    Sie erscheint jährich im März. Die Studie ist im moment vergriffen, die Neuauflage ist in Arbeit.
    Sobald die Neuauflage verfügbar ist, kann sie entweder in jeder Buchhandlung oder im Shop “Buch & Mehr direkt” bestellt werden: Einfach nach “Entgelt ITK-Branche” suchen.Die Studie ist statistisch sehr gut aufbereitet, insbesondere auch in der interaktiven CD-ROM-Version (Flash) die man sich unbedingt ansehen sollte, da sie wesentlich mehr Aufbereitungen enthält.
    Die Erhebungsbasis ist kleiner als bei der c´t, und man hat sich vor allem auf größere Unternehmen konzentriert.
    Die 13 Euro ist sie allemal wert!
  • Im Karrierebereich der Computerwoche, in dem öfters Artikel zum Thema Gehalt erscheinen, wurde auch im März 2006 die Studie “IT-Vergütung 2006: Keiner kommt zu kurz veröffentlicht.
    Sie ist offenbar ähnlich differenziert und breit angelegt, wie die der c’t, aber das publizierte Material finde ich nicht so aussagekräftig.
    Die folgenden Artikel werten diese Studie weiter aus

    Weitere Computerwoche-Artikel zum Thema Gehalt:

  • IT-Einkommen 2006 von Monster, separat für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
    Insgesamt sind die Auswertungen knapp und es gibt keine Angaben zur Methodik und Probengröße. Die weiterführenden Artikel zum Thema

    sind auch eher spärlich.

    Offensichtlich sollen Bewerber für die kostenpflichtige Gehaltsanalyse geworben werden, die von Tochter jobpilot.de durchgeführt wird.

  • Beim Konkurrenten Stepstone sieht es ähnlich aus. Der Überblick “Gehalt im Bereich IT ist sehr knapp gehalten, verfügt aber über einen Link zur kostenpflichtigen Gehaltsanalyse. Immerhin ist ein grober Gehaltscheck auch kostenlos möglich — irgendwoher müssen die Zahlen für eine breite Vergleichsbasis ja kommen.

Der Karriere-Bereich der Systems-Website sammelt noch ein paar Artikel und Presseerklärungen zum Thema. Unter Anderem eine Presserklärung zur Kienbaum-Vergütungsstudie “Führungs- und Fachkräfte in der DV-Branche” aus dem November 2006.

Die neuen Trends in Sachen Gehalt faßt Svenja Hofert in Ihrem Karriereblog im Artikel “Wie Aktien an der Börse” zusammen.

Andere Quellen sind mir nicht bekannt. Gerne können Sie in den Kommentaren Ihre Quellen dazu nennen. Ich nehme sie dann in den Artikel als Update auf.

Spätestens im März, wenn die diversen Studien/Umfragen/Statistiken neu aufgelegt wurden, werde ich den Artikel auf den neuesten Stand bringen.

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Sonntag, 21. Januar 2007

Lebensmittelverkauf im Internet gleichauf mit Musik-Downloads

Daß zunehmend Musik per Download aus dem Internet gekauft wird, ist bekannt. Nahezu unbeobachtet bleibt ein ganz anderer Trend: Immer mehr Lebensmittel werden in Deutschland online bestellt.

Quelle: BITKOM/GfK 2004 waren es noch 103 Millionen Euro Umsatz, 2005 bereits 110 Millionen und 2006 etwa 122 Millionen (Extrapolation, die Zahlen von November und Dezember liegen noch nicht vor). Davon sind etwa 3/4 Nahrungsmittel und 1/4 Getränke. Besonders häufig werden offenbar Delikatessen, die im stationären Handel nur schwer zu bekommen sind, bestellt, außerdem Tiefkühlkost und Weine. Die Lieferung frischer Produkte wie Gemüse oder Eiern ist allerdings meist nur in Ballungsräumen möglich.

Grundlage für die Angaben ist eine Pressemitteilung des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM), die ihrerseits auf einer Erhebung des Marktforschungsinstituts GfK basiert.

Leider versäumt es der Bitkom mitzuteilen, inwieweit diese Zunahme der Bestellung via Internet auf Kosten der “klassischen” Bestellung per Post, Telefon oder Fax geht. Nachdem es sich eher um höherwertige Lebensmittel zu handeln scheint und bei der entsprechenden Klientel der Internet-Nutzungsgrad sogar deutlich höher als die durchschnittlichen 2/3 ist, halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß ein beträchtlicher Teil der Bestellungen einfach nur ins Internet verlagert wurde. Schließlich gibt es viele Lebensmittel-Versandhändler, die schon mehrere Jahrzehnte im Geschäft sind.

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Samstag, 20. Januar 2007

Studie: Über 2/3 aller Erwachsenen in Deutschland online

Die Forschungsgruppe Wahlen hat in ihrer Studie Internet-Strukturdaten IV. Quartal 2006 (für 40€ bestellbar, Zusammenfassung downloadbar 51 KB) folgende Zahlen über den Zugang der Erwachsenen in Deutschland zum Internet ermittelt:

  • 68% der Erwachsenen haben einen Internetanschluß, das ist ein Zuwachs von 3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (“Δ +3″).
  • Es gibt einen Unterschied nach Geschlecht: Männer 74% (Δ +1), Frauen 62% (Δ +5), d.h. die Frauen holen auf.
  • Es gibt ein West-Ost-Gefälle: Westen 69%, Osten 62%. Dort beträgt der Zuwachs jeweils Δ +3 Prozentpunkte, d.h. die Differenz manifestiert sich.
  • Auch die Altersgruppen unterscheiden sich: Mehr als 4/5 der Befragten unter 50 hat Internet-Zugang. Auch bei den 50- bis 59-Jährigen waren es bereits 76%. In dieser Gruppe fallen die Zuwachsraten mit Δ +8 besonders hoch aus.
    Immer noch stark unterrepräsentiert ist die sehr große Gruppe der Menschen ab 60 Jahren, von denen erst 36% über einen Zugang verfügten. Die Zuwächse sind mit Δ +4 durchschnittlich.
  • Auch der Bildungsgrad bleibt ein entscheidendes Merkmal für die Internet-Affinität der Deutschen:
    Gerade bei Befragten mit geringerem Bildungsniveau sind die Zuwachsraten überdurchschnittlich, doch nach wie vor sind die absoluten Werte insbesondere derer mit Hauptschulabschluss ohne Lehre (26%), aber auch derer mit Lehre (48%) weit unterdurchschnittlich.
    Durchschnittlich ist der Wert jener mit Mittlerer Reife (70%), aber deutlich überproportional jener mit Hochschulreife (85%).
  • Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist die Berufsgruppenzugehörigkeit, auch wenn hier die Unterschiede nicht so stark wie bei der Bildung ausfallen: Mit Δ +8 ist der Zuwachs bei den Arbeitern besonders hoch, allerdings hat dort erst jeder Zweite einen Zugang.
    Bei einfachen und mittleren Angestellten und Beamten sind es durchschnittliche 69%, bei leitenden Angestellten und höheren Beamten leicht überdurchschnittliche 74% sowie bei Selbstständigen deutlich überdurchschnittliche 83%.

Insgesamt wurden 3.780 Erwachsene “repräsentativ telefonisch durch die Forschungsgruppe Wahlen befragt”.

Via heise.de und golem.de.

[Update: Dieser Artikel ist auch in der Readers Edition erschienen.]

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Donnerstag, 18. Januar 2007

Aktuelle Studien zur Blogs in den USA: Zeitungs-Weblogs legen stark zu, Blogs auch im Wahlkampf genutzt

Nielsen//NetRatings, das führenden Internet-Markt- und Medienforschungs-Unternehmen, hat die Leserschaft der Top-10 US-Online-Zeitungen untersucht und dabei besonders auf die Weblogs dieser Zeitungen geachtet.

Die Gesamt-Leserschaft der Online-Journale ist im vergangenen Jahr um 9% gestiegen, die ihrer Weblogs aber um 210%!

Interessant ist dabei auch, daß der Männeranteil bei den Zeitungsblogs etwas höher ist (66%), als bei den Zeitungen selbst (60%). Nielsen//NetRatings erklärt das aus der stärkeren Technikaffinität (“early adopters”) und dem größeren Nachrichteninteresse von Männern.

Noch ist die jährliche Wachstumsrate bei den weiblichen Zeitungsblog-Lesern geringer (183%), als bei den Männern (226%), aber die Medienforscher erwarten, daß sich das ändert.

Daraufhin aber wie n-tv heute gleich zu jubeln, “Amerikaner glauben Blogs“, halte ich doch für übertrieben.

n-tv versucht zwar diese These mit einer Studie des Pew Internet & American Life Project zu stützen, nach der die Zahl der Amerikaner zunahm (auf 15%), die sich bei “mid-term elections campaigns” im August im Internet informiert haben.
Laut der Pew-Studie (nichts davon bei n-tv) haben davon 20% Weblogs genutzt, insbesondere Nutzer mit höherem Bildungsgrad, höherem Einkommen, oder Teilnehmer an den Internetkampagnen. Leider sagt die Studie nicht, wie hoch dieser Wert vorher war.

Keine der beiden Studien vergleicht die Glaubwürdigkeit der oder das Vertrauen in die unterschiedlichen Medien.
Schlimmer noch: Dies spielt darin überhaupt keine Rolle, beide Studien untersuchen nur das Nutzungsverhalten, letztere auch die Motive.

Ich hätte erwartet, daß n-tv das unterscheiden kann.

Das Einzige, was in puncto Glaubwürdigkeit übrig bleibt: Die Glaubwürdigkeit von n-tv hat gelitten.

[Update: Dieser Artikel ist auch am 19.01. in der Readers Edition erschienen.]

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Mittwoch, 17. Januar 2007

Online-Ruf wichtig bei Bewerbungen

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. warnt in einer Pressemeldung vom 20.11.2006 vor allzu lockerer Selbstdarstellung im Internet. Bewerber müssten davon ausgehen, dass man sich über sie im Internet informiert.

Bewerbungsabsage
©Claudia Hautumm / Pixelio

Zwar empfiehlt der BDU-Vizepräsident und Personalberater Dr. Joachim Staude davor, sich im Auswahlprozess nicht zu stark auf die Ergebnisse der Internetrecherche zu stützen, dennoch findet diese Recherche offensichtlich statt.

Eine Umfrage von BDU und Wirtschaftswoche unter über 300 Entscheidungsträgern aus Personalberatungsgesellschaften ergab:

[…] 28% der Personalexperten nutzen bereits heute das Internet, um an Informationen zur fachlichen und persönlichen Eignung oder zu Referenzen und Freizeitaktivitäten von Kandidaten zu gelangen. Im schlimmsten Fall mit negativen Auswirkungen auf die Jobsuche: 26 Prozent der Personalberater äußerten, daß sie Kandidaten bislang schon – wenn auch selten – nach den Internet-Suchergebnissen im weiteren Auswahlprozeß nicht mehr berücksichtigt hätten. Knapp jeder Zehnte gab an, daß die Häufigkeit zunehme.

[…] Knapp 70% der befragten Personalprofis hatten in der Befragung angegeben, daß sie das weltweite Datennetz in den vergangenen Jahren häufiger zur Überprüfung eingesetzt haben.

Staude rät daher den Kandidaten zum gut überlegten Umgang mit ihren persönlichen Daten: “Jeder sollte sich insbesondere gut überlegen, ob persönliche Ansichten oder alle Informationen zur Person immer ins Netz gehören.”

Über die aktuelle iX 2/2007, S. 23 gefunden.

Im Blog F!XMBR wird anschaulich vorgeführt, was manche Profile verraten: Der Autor greift willkürlich acht Profile aus der Internet-Community StudiVZ heraus, über die zur Zeit sehr viel berichtet wird. StudiVZ gilt als Studenten-Party- und -Feier-Community, wurde gerade für sehr viel Geld verkauft und ist wegen des laschen Datenschutzes, Stalking-Vorwürfen und des Gebarens eines ihrer Gründer arg ins Gerede gekommenen.

Ergebnis: zwei der acht herausgegriffenen Profile sind einwandfrei, sechs könnten bei konservativen Personalern Anstoß erregen, denn zum Teil sind sie sehr entlarvend.

Über die Blogbar gefunden.

[Update: Anläßlich der Veröffentlichung in der Readers Edition am 19.01.2007 wurde dieser Artikel überarbeitet.]

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Montag, 15. Januar 2007

EU-Studie empfiehlt Förderung Freier Software

Die Studie “Economic impact of open source software on innovation and the competitiveness of the Information and Communication Technologies (ICT) sector in the EU” (PDF / 287 Seiten) wurde federführend von der Uni Maastricht unter der Leitung von Rishab Aiyer Ghosh für die EU-Kommission erstellt. Die Studie betrachtet Freie Software unter Markt-Aspekten im globalen Wettbewerb und formuliert konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung von Freier Software. Dabei handelt es sich vermutlich um die Studie, vor deren Veröffentlichtung die Microsoft-Lobby schon Ende Oktober die EU-Kommission wegen der positiven Ergebnisse für Freie Software gewarnt hat.

Via netzpolitik.org.

Die Europäische Kommission hat eine Studie zur Wirtschaftlichkeit von freier Software veröffentlicht, in der auch die weitere Förderung von Open Source empfohlen wird. So habe freie Software direkt Einfluss auf die Wirtschaft, da Firmen so Entwicklungskosten einsparen könnten. Als Open Source freigegebene Software solle außerdem mit Spenden für wohltätige Zwecke gleichgesetzt werden, so die Autoren.

Via golem.de.

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Freitag, 12. Januar 2007

Open Source als soziale Bewegung der Wissensgesellschaft

Open Source zieht immer weitere Kreise. Jetzt hat die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ein Dossier zusammengestellt, das sich mit Open Source vor allem als sozialer Bewegung der Wissensgesellschaft beschäftigt.

Via heise online.

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Freitag, 5. Januar 2007

Fachgespräch zum Umgang mit Computerspielen

In den Rahmen der aktuellen Diskussion um die sogenannten “Killerspiele” paßt folgender Bericht auf netzpolitik.org sehr gut, der ein sehr differenziertes Fachgespräch der grünen Fraktion zum Thema “Computerspiele: Was wird hier gespielt?” vom 27. November wiedergibt.

Fazit: Anders als in der Vorstellung mancher Politiker gibt es keine einfachen Lösungen.

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