Donnerstag, 24. Januar 2008
Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen IDC erwartet in der deutschen IT-Branche für die nächsten drei Jahre ein kräftiges Wachstum. Der Umsatz soll von 52 Milliarden Euro vergangenes Jahr auf voraussichtlich 65 Milliarden Euro 2011 steigen, das sind 25%. Die Zahl der Stellen soll von 554.000 auf über 600.000 wachsen, ein Zuwachs von 9%.
Die Studie wurde von der Business Software Alliance (BSA) in Auftrag gegeben, einem internationalen Interessenverband von Software-Anbietern, der Lobbyarbeit gegen Raubkopien betreibt.
IDC schätzt, dass 28% der in Deutschland verwendeten Software unlizenziert ist. Dafür wird der durchschnittliche Software-Bedarf für verkaufte Computer geschätzt und mit der Anzahl der verkauften Computer und Software abgeglichen.
Dieser hohe Prozentsatz schade den Dienstleistern vor Ort, da für jeden investierten Euro zusätzliche Ausgaben von 1,25 Euro anfielen – etwa durch Dienstleistungen wie Installation, Schulung oder Wartung. Wenn der Anteil unlizenzierten Software um 10% sinken würde, entstünden mehr als 12.000 neue Stellen, der Umsatz stiege um 4,4 Milliarden Euro und die Steuereinnahmen um 1,3 Milliarden Euro, heißt es in der Studie.
Via heise.de.
Meine Meinung dazu:
Zur Argumentation der BSA, Raubkopien würden auch außerhalb der BSA Arbeitsplätze kosten:
- Die genannten Zusatzaufwände rund um die Software entstehen ja auch bei Raubkopien.
- Inwieweit die Schätzungen der IDC Eigenarten des deutschen Marktes berücksichtigen, bleibt offen. In Deutschland wird überdurchschnittlich viel Open Source eingesetzt. Beispielsweise wird bei weitem nicht jeder Computer, der mit Windows vorinstalliert ausgeliefert wird, auch wirklich unter Windows betrieben.
Ob also die 28% Raubkopien wirklich zuverlässig sind, darf bezweifelt werden.
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Donnerstag, 24. Januar 2008
In Ergänzung zu meinem Artikel China beinahe größte Internet-Nation und “größtes Gefängnis für Journalisten”:
Die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Barbara Lochbihler, fordert von der Bundesregierung und vom Deutschen Olympischen Sportbund mehr Druck auf die Volksrepublik China. “Der Dialog muss weitergeführt werden. Nur so werden wir Erfolge bei der Einhaltung der Menschenrechte in China erzielen können”, sagte sie der in Hannover erscheinenden “Neuen Presse”. China müsse Veränderungen einleiten. Bisher gebe es nur geringe Anzeichen für eine positive Entwicklung. So sei angekündigt worden, dass alle Todesurteile noch einmal vom obersten Gerichtshof überprüft werden.
“Nun müssen den Ankündigungen auch in anderen Bereichen Taten folgen”, sagte Lochbihler. Bis zum Beginn der Olympischen Spiele im Sommer erwartet die Menschenrechtsorganisation nach Lochbihlers Worten Änderungen vor allem in vier Bereichen: “Die Zahl der Straftaten, die mit Todesstrafe geahndet werden, muss deutlich reduziert werden – bisher zählen dazu auch Diebstahl oder Steuerhinterziehung. Staatliche Umerziehungslager, in die man ohne rechtskräftige Verurteilung eingewiesen werden kann, müssen abgeschafft werden. Außerdem wollen wir die Abschaffung der Internetzensur und mehr Schutz für Menschenrechtsaktivisten”. Die chinesische Regierung habe selbst Verbesserungen in diesen Bereichen angekündigt und sollte beim Wort genommen werden.
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Sonntag, 20. Januar 2008
Lawrence Lessig, Jura-Professor an der Stanford Law School, gilt als renommierter Verfassungsrechtler und Spezialist für Urheberrecht. Er ist einer der pronociertesten Gegner eines restriktiven Copyrights. Als Gegenkonzept hat er die Creative-Commons-Initiative entwickelt, in der es darum geht, Autoren einen ganzen feinabgestuften Satz von Lizenzen für die Veröffentlichung ihrer Werke zur Verfügung zu stellen (dieses Weblog erscheint auch unter einer solchen Lizenz, der CC-BY-NC-SA).
Sein neuestes Buch, “The Future of Ideas” (auf Deutsch erschienen als “Die Zukunft der Ideen – Das Schicksal der Allmende in einer vernetzten Welt”) hat er gerade unter einer CC-BY-NC-Lizenz zum Download (PDF, 1,25 MB) veröffentlicht. Siehe dazu auch die Ankündigung in seinem Blog.
Sein Vorgängerwerk “Code and other Laws of Cyberspace” steht im Internet als Version 2.0 in Form eines Wiki zur Verfügung, an dem alle Leser weiter daran schreiben können.
Von golem.de.
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Freitag, 18. Januar 2008
Bald hat China mit seinen 210 Millionen Internetnutzern die USA eingeholt, die nur mit etwa 5 Millionen Internetnutzern mehr die Statistik anführen. In Kürze werden die USA überholt sein, denn in China wächst die Nutzung rapide: Im letzen halben Jahr sind etwa 48 Millionen Internetnutzer dazugekommen, das entspricht einem Wachstum von 30%. Betrachtet man das ganze vergangene Jahr, so waren es 73 Millionen neue Internetnutzer.
Die Nutzungsquote ist aber noch gering — das Potenzial also erheblich. Erst 16% der Chinesen nutzen das Internet (zum Vergleich: 63% der Deutschen). Dabei führen die Städte, dort leben 47% aller Internetnutzer. Umkehrt ist vor Allem in den Großstädten fast jeder zweite Städter auch im Internet, in Peking 47% und Shanghai 46%. In ländlichen Provinzen wie Guizhou oder Gansu sind es nicht mal 10% der Bevölkerung. Allerdings ist dort auch die Zuwachsrate mit 128% sehr viel höher als in den Städten mit 38%.
Die Mehrheit der chinesischen Internetnutzer ist männlich (57% gegenüber 43% Frauen).
78% der Internetnutzer haben einen Breitbandanschluß, 24% sind auch mobil im Netz.
Zugleich ist China eines der Länder mit der der strengsten Zensur von Medien und Internet. China betreibt die “Great Firewall” (in Anlehnung an die Chinesische Mauer, die “Great Wall”, so genannt). Übergriffe gegen Journalisten sind an der Tagesordnung, drakonische Strafen die Regel. Reporter ohne Grenzen nennt China zusammen mit Kuba” weiterhin eines der größten Gefängnisse für Journalisten”. Vor wenigen Tagen wurde von der lokalen Polizei der Blogger und Bürgerjournalist Wei Wenhua beim Filmen eines Polizeieinsatzes zu Tode geprügelt.
Auch wenn das mit dem jüngsten Fall nicht in Zusammenhang steht:
Die großen westlichen Internetkonzerne, allen voran Yahoo und Google, haben sich in der Vergangenheit als willige Erfüllungsgehilfen präsentiert. Unter dem Vorwand, man müsse ja schließlich mit der lokalen Regierung zu deren Bedingungen zusammenarbeiten, wurden Dossiers von Dissidenten zusammengestellt und den Regierungsbehörden übergeben. In Folge wurden die Betreffenden verhaftet und verurteilt.
Ihre Motivation ist eindeutig, sie möchten an dem riesigen Geschäft, das das Internet in China bietet, teilhaben. Im Moment kann Google erst in größeren Städten der größten chinesischen Suchmaschine Baidu signifikant Nutzerschaft abjagen: Googles Anteil an Suchanfragen beträgt in großen Städten 22%, in mittleren 15%, in kleinen 5%, weit entfernt von Baidu mit seinen 67%, 73% und 84%.
Moralische Aspekte — gerne tönt Google ja “Don’t Be Evil!” — bleiben offenbar auf der Strecke.
Geht man von einem ähnlichen Sättigungsgrad wie bei uns aus, so gibt es in China noch rund 825 Millionen potenzielle Internetnutzer. Um diesen gigantischen Markt geht es.
Trotz der massiven Restriktionen sind die Chinesen nämlich sehr aktiv im Internet. Nach Hochrechnung einer Umfrage haben dort 47 Millionen Internetnutzer schon einmal ein Blog ausprobiert (22%). Auch hier ist das Wachstum enorm, vor einem Jahr waren es erst 17,5 Millionen Blogger. Offenbar sind 30 Millionen nicht dabei geblieben, denn die aktiven Blogger sind etwa 17 Millionen mit etwa 29 Millionen aktiven Blogs (von insgesamt etwa 73 Millionen Blogs). Darüberhinaus wollen 11% der befragten Internetnutzer demnächst mit dem Bloggen beginnen.
Interessant Randnotiz: Obwohl bei den Internetnutzern 57% Männer sind, gegenüber 43% Frauen, verhält es sich bei den Bloggern genau umgekehrt: 57% Frauen und 43% Männer.
Bürgerjournalisten wie der totgeprügelte Wei Wenhua sind offenbar eher die Ausnahme, primär steht die Bloggerin bzw. der Blogger im Mittelpunkt des Blogs (bei fast der Hälfte der Blogs). Gelesen werden die Blogs vor Allem der Unterhaltung wegen.
Allerdings versucht die chinesische Regierung gerade verstärkt, die Blogger unter Kontrolle zu bekommen. Vergangenes Jahr kündigte sie an, Blogs stärker zu kontrollieren. Vor zwei Wochen wurde Privatpersonen verboten, ihre Videos über das Internet zu verbreiten. Bislang stellten sie bei weitem die Mehrheit der Beiträge.
Gut möglich, daß auch Wei Wenhuas Tod in diesem Zusammenhang gesehen werden muß.
Dieser Artikel basiert auf offiziellen Statistiken des China Network Information Center (CNNIC), veröffentlicht u.A. bei Golem hier und da.
Siehe zu chinesischen Bloggern auch meinen Artikel vor eineinviertel Jahren und zur Kritik an Unternehmen wie Google und Yahoo meinen Artikel dort.
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Mittwoch, 9. Januar 2008
Joseph Weizenbaum zum 85. Geburtstag
Gestern wurde er 85, ich wünsche ihm alles Gute!
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich wie elektrisiert das erste Mal “Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft” las, auch wenn das schon das eine oder andere Jahrzehnt her ist.
Geburtstagsinterview im Deutschlandradio.
Ein Artikel von ihm, erschienen zum Geburtstag in der Süddeutschen.
Ein Film über ihn, Rebel at work.
Seine Biographie in der Wikipedia. Weiterführende Links dort.
Via heise.de und golem.de.
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