Mittwoch, 30. April 2008
Heute vor 15 Jahren wurde die libwww, d.h. die erste Web-API, die auch Basis eines Webservers war, freigegeben. Tim Berners-Lee hatte sie zusammen mit Robert Cailliau am CERN entwickelt. Zuvor hatte Berners-Lee das Grundkonzept für das WWW entwickelt, aber es gab noch keine frei erhältlichen Server. Ein erster Client stand damals gerade zwei Monate in Form von NCSA Mosaic zur Verfügung.
Diese ganze Entwicklung kenne ich aus eigener Erfahrung. 8 Monate zuvor, im August 1992, hatten wir den Internet Privat e.V. in Saarbrücken gegründet. Dieser Regionalverein war zusammen mit anderen in einem Dachverband, dem Individual Network e. V., zusammengeschlossen. Dieser Dachverband trat als Einkaufsgenossenschaft an die großen Service-Provider heran und ermöglichte so Privatpersonen einen Internetzugang, den es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Deutschland gab.
Parallel dazu betrieben die Regionalvereine die jeweiligen Zugangspunkte. Inzwischen gibt es das Individual Network schon lange nicht mehr, aber die Regionalvereine existieren immer noch. So bin auch ich heute noch Mitglied im Münchener muc.de e.V.
Bei der Vereinsgründung war das WWW noch gar nicht abzusehen. Im Kommen war gopher, eine Art Vorläufer von HTTP, aber rein textbasiert. Der wichtigste Dienst war E-Mail, vom Volumen her aber stark übertroffen von den Usenet-Newsgroups. Beide Dienste hatten wir zwar zuvor schon mehrere Jahre asynchron per UUCP übertragen (mein ältestes Posting, das ich nach einiger Suche finden konnte, stammt vom 14. November 1990), mit steigender Bandbreite und stark verbesserter Modemtechnik gewannen die synchronen Methoden stark an Reiz.
Via golem.de.
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Freitag, 25. April 2008
Laut Bitkom fehlen aktuell 43.000 IT-Fachkräfte. Dieser Mangel an hochqualifizierten Experten bremse insbesondere das Wachstum der kleinen und mittelständischen Firmen – und zwar sowohl bei den Softwarehäusern als auch bei deren Kunden. Gesucht würden insbesondere Softwareentwickler, IT-Berater und IT-Projektmanager.
Und der Markt wachse noch, daher verschärfe sich die Personalkrise dramatisch. Der Softwaremarkt werde 2008 voraussichtlich um gut 5 Prozent auf rund 15 Milliarden Euro wachsen; ebenso 2009. Die die IT-Dienstleistungen wüchsen sogar schneller, sie hätten 2007 um annähernd 8 Prozent auf über 30 Milliarden Euro zugelegt.
Der Markt für Serviceorientierte Architekturen (SOA) steige von 250 Millionen Euro im Jahr 2006 auf fast 2 Milliarden Euro im Jahr 2010. Im gleichen Zeitraum lege der Weltmarkt von 9 auf 38 Milliarden Euro zu.
Via golem.de.
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Donnerstag, 24. April 2008
Sony will Gracenote für 260 Millionen US-Dollar kaufen.
Gracenote ist meines Wissens der erste wirklich erfolgreiche Unternehmen, dem es gelang, das AAL-Prinzip in bare Münze zu verwandeln. Man könnte auch sagen, das erste richtige Web-2.0-Unternehmen.
Gracenote hatte vor Jahren die ursprünglich Open-Source CDDB übernommen. Das Einzigartige an der Datenbank war, daß eine in einen passenden Player eingelegte CD automatisch in der Datenbank nachgeschlagen wurde. War sie bereits enthalten, wurden Titel und Track angezeigt. Wenn nicht, so konnte man die Platteninformationen eingeben.
Auch ich habe meine ganze recht umfangreiche CD-Sammlung von mehreren Hundert CDs schon vor über zehn Jahren Stück für Stück in diese Datenbank eingegeben. Weil ich überwiegend Jazz und Klassik höre, war nämlich das Gros meiner Platten gerade nicht in der Datenbank enthalten. Motivation war damals für mich, daß eben gerade auch Andere etwas von meiner Anstrengung haben.
Schon 2001 hatte Gracenote die von Dritten eingegebenen Daten zu Geld gemacht — jedes kommerzielle Produkt, das deren Datenbank nutzt, muß Lizenzgebühren zahlen. Als Abspaltung entstand damals die freedb, bei der sowohl Daten als auch Zugriff frei sind.
Tips, wie ich die von mir eingegebenen Daten aus der CDDB in die freedb retten kann, sind sehr willkommen!
Quelle: golem.de und heise.de.
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Montag, 21. April 2008
Nach einer Umfrage des BITKOM-Verbandes (Forsa befragte dazu 1000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten) hängt die private E-Mail-Nutzung stark vom Bildungsgrad ab.

„Die digitale Kluft ist in Deutschland weiterhin erschreckend groß“, kommentierte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer die Zahlen. Bildungsferne Schichten verfügten seltener über einen Internet-Anschluß. Laut BITKOM wollen die Gerätehersteller entsprechend reagieren und auch in Deutschland vermehrt einfach ausgestattete und sehr preiswerte Geräte anbieten.
Scheer kritisierte die IT-Ausstattung deutscher Schulen, sie sei „so schlecht wie in kaum einem anderen europäischen Land“. Er fordert, Informatik als Pflichtfach an den Schulen einzuführen, schließlich handle es sich um eine Kulturtechnik „wie Lesen und Schreiben“.
Via golem.de.
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Sonntag, 20. April 2008
Das Internet ist in Europa angekommen, lautet die Zwischenbilanz der “i2010“-Initiative der Europäischen Kommission: 51% der insgesamt 500 Millionen EU-Bürger nutzen regelmäßig das Internet. Im vergangenen Jahr sind 40 Millionen Nutzer dazugekommen.
Über die einzelnen Länder verteilt sich der Nutzungsgrad wie folgt:

Das Internet ist heute Teil des Alltags geworden. Fast 80% Haushalte mit Internet-Anschluß haben bereits von einem Einwahlanschluß auf Breitbandanschluß umgestellt:

Während 2001 nur wenige Schulen einen Internetanschluß hatten, sind es nun über 96%, davon 2/3 sogar mit Breitband-Anbindung.
Auch insgesamt setzen sich Breitbandverbindungen immer mehr durch:

Auch Unternehmen nutzen das Internet intensiver:

Die online-Verfügbarkeit von E-Government-Dienstleistungen hat stark zugenommen. In Österreich wurde sogar die 100%-Marke erreicht:

Quelle: “The User Challenge: Benchmarking the supply of online public services“, European Commission 2007
Generell wird die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnik betont. Darauf “entfallen in der EU 26 % der Forschungsaufwendungen, 20 % der privaten Investitionen und fast 50 % des gesamten Produktivitätszuwachses.”
Den eigentlichen gibt es Zwischenbericht gibt es hier zum Download (deutsch, PDF, 0,2 MB), und dort gibt es noch weiterführende Berichte und Teilergebnisse (englisch).
Via golem.de.
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Donnerstag, 17. April 2008
In seiner Dissertation untersucht Reto Mantz die rechtlichen Rahmenbedingungen für offene Funknetze, in denen der Einzelne nicht nur als Nutzer, sondern auch als Diensteanbieter auftritt — mit entsprechenden Verpflichtungen und Haftungsansprüchen, deren sich die Teilnehmer solcher Netze nur sehr selten bewußt sind.
In letzter Zeit sind z.B. einige Gerichtsurteile ergangen, die sich mit dem Begriff der “Störerhaftung” befassen. Auch dieses Thema taucht in Mantz’ Arbeit auf.
Die Doktorarbeit wurde bei Prof. Dr. Dreier vom Institut für Informationsrecht am Zentrum für angewandte Rechtswissenschaften der Universität Karlsruhe erstellt. Sie trägt den Titel “Rechtsfragen offener Netze: Rechtliche Gestaltung und Haftung des Access Providers in zugangsoffenen (Funk-)Netzen” und kann entweder als Buch (€ 39,90) gekauft oder kostenlos heruntergeladen (14 MB PDF, 420 Seiten) werden.
Die Arbeit steht unter einer CC-BY-NC-ND Creative-Commons-Lizenz.
Via golem.de.
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Sonntag, 13. April 2008
2005 startete das Portal iRights.info zum Thema “Urheberrecht in der digitalen Welt”. 2006 wurde es mit dem Grimme Online Award im Bereich Information ausgezeichnet.
Die wichtigsten Texte dieser Website sind nun in aktualisierter überarbeiteter Form als 385 Seiten umfassendes Buch erschienen:
Urheberrecht im Alltag. Kopieren, bearbeiten, selber machen
herausgegeben von Valie Djodjevic, Robert A. Gehring, Volker Grassmuck, Till Kreutzer und Matthias Spielkamp, Bonn 2008, 385 Seiten, Bereitstellungspauschale: 2 Euro
Das Buch kann über die Website der Bundeszentrale für Politische Bildung bestellt werden.
Alle Texte seien auf den neuesten Stand gebracht worden, so dass auch die Gesetzesänderungen durch die Urheberrechtsnovelle vom 1. Januar 2008 berücksichtigt sind. Es sei gelungen, die nichtlineare Struktur der Website in eine Form zu bringen, die die Nutzung des Buchs so einfach und übersichtlich wie möglich mache. Auch die Links, die in der Website auf andere Text verweisen, seien so umgesetzt worden, dass sie jetzt entweder auf bestimmte Buchtexte hinwiesen, oder auf Quellen in Webangeboten, Zeitschriften und Büchern. Die Literaturliste und das ausführliche Register machten das Buch zu einem einfach und zugleich zuverlässig nutzbaren Nachschlagewerk.
Der Preis von 2 Euro wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, die das Buch in Auftrag gegeben hat, subventioniert.
Die Inhalte der Website iRights.info wurden übrigens unter einer Creative-Commons-Lizenz (“by-nd” = Namensnennung, keine Bearbeitung) veröffentlicht, vermutlich gilt das auch für das daraus entstandene Buch.
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Donnerstag, 10. April 2008
Ein neuer alter Buchstabe ist nun auch seit 04.04.2008 genormt. Das Versal-Eszett, das seit einigen Jahren wieder in der Diskussion von Schriftgestaltern ist, spätestens seit dem Erscheinen der Zeitschrift SIGNA Nr. 9, 2006. Diese Zeitschrift belegt, daß es sich dabei nicht um eine neumodische Spinnerei geht, sondern das sich das Antiqua-ß bis auf 1667 zurückführen läßt und die früheste Versal-Eszett-Type auf 1879. Nun wurde das Unicode-Zeichen U+1E9E als “latin capital letter sharp s” im zweiten Anlauf mit Unterstützung des DIN genormt; der erste Anlauf des SIGNA-Herausgebers war fehlgeschlagen.
Der Wikipedia-Eintrag dazu führt auch Quellen für Tastaturtreiber und Schriften auf. Interessant finde ich auch den dort verlinkten Beitrag im Type-Forum, der einen Versuch des DDR-Duden-Verlags schildert, im Jahr 1965 ein solches Versal-Eszett einzuführen.
Update 25.06.2008:
Am 23.06.2008 wurde das Versal-Eszett auch in der Norm ISO/IEC 10646 genormt.
Via golem.de.
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Donnerstag, 10. April 2008
Als Projektmanger habe ich immer mit Veränderungsprozessen zu tun. Zu diesem Thema gibt es eine wirklich gute Website. Der Autor, Wilfried Berner von “Die Umsetzungsberatung“, schreibt darüber:
Die Idee dieser Website ist, Ihnen die umfassendsten, verständlichsten und nützlichsten Informationen zu den Themen Change Management, Post-Merger-Integration und Kulturveränderung anzubieten, die Sie im deutschsprachigen Teil des weltweiten Netzes finden können.
Das klingt nun geradezu verdächtig marktschreierisch. Es ist ihm aber wirklich gelungen. Er liefert sehr fundierte Informationen und präsentiert sie anschaulich. Besonders gefällt mir die rechte Randspalte, in der die wichtigsten Begriffe nochmals hervorgehoben werden.
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Samstag, 5. April 2008
Der Bürgerrechtler Hu Jia, aus dessen offenen Brief “The Real China and the Olympics” ich neulich Auszüge veröffentlicht habe, weil er seit Ende Dezember 2007 in Haft ist, wurde am Donnerstag zu 3½ Jahren Haft verurteilt.
Diesen Brief und ähnliche Aktivitäten wertet das Erste Mittlere Volksgericht in Peking als des “Aufruf zur Untergrabung der Staatsgewalt”.
Jia war Ende Dezember festgenommen worden und hatte zuvor zwei Jahre unter Hausarrest gestanden, weil er sich für Menschenrechte, Umweltschutz und HIV-Infizierte engagiert hatte. Seine Verhaftung war weltweit von Politikern und Menschenrechtsgruppen kritisiert worden.
Zuvor hatte sich sich Hu Jia bei einer Anhörung des Europaparlaments über die Menschenrechtslage in China, über das Internet auch kritisch über die Olympischen Spiele in Peking geäußert.
Daher forderte dann auch bei seiner Verhaftung der deutsche Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), seine sofortige Freilassung.
Der Verdacht liegt nahe, daß außer Hu Jia auch andere Dissidenten vor den Olympischen Spielen eingeschüchtert werden sollen. Gerade hatte Amnesty International die Menschenrechtssituation in China als “beschämend” kritisiert. Ihr vor den Olympischen Spielen gegebenes Versprechen, die Menschenrechte zu verbessern, habe die Regierung in Peking nicht eingehalten.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will sich aus der Diskussion heraushalten, mahnt aber eine Aufhebung aller Blockaden im Internet in China an. Die rund 30.000 Journalisten sollen so frei wie gewohnt arbeiten könnten. Schließlich geht es um ein Milliardengeschäft.
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