Internetzensur in der Türkei ausgeweitet

Bild­quelle: Indy­me­dia Istanbul

Seit Mai 2007, als die tür­ki­sche Natio­nal­ver­samm­lung im ver­gan­ge­nen Mai ein restrik­ti­ves Inter­net­ge­setz erlas­sen hat, neh­men die Fälle von Inter­net­zen­sur in der Tür­kei dras­tisch zu. Auf Anord­nung eines tür­ki­schen Mili­tär­ge­richts ist seit dem 21.03. nun auch das alter­na­tive Medi­en­netz­werk Indymedia-​​Istanbul für Inter­net­nut­zer in der Tür­kei nicht mehr zu errei­chen — bis­lang ohne Begrün­dung. Es wird aber ein Zusam­men­hang der Sper­rung mit kri­ti­schen Bei­trä­gen zur Eska­la­ti­ons­po­li­tik in der Kur­den­frage und der über­aus gro­ßen poli­ti­schen Macht des Mili­tärs vermutet.

Die­ser Vor­fall steht in einer län­ge­re­ren Reihe ver­gleich­ba­rer Ereig­nisse. In den letz­ten Mona­ten geht der tür­ki­sche Gene­ral­stab wie­der mas­siv gegen Kri­ti­ker vor. Erst kürz­lich wurde auf des­sen Betrei­ben die popu­läre Men­schen­recht­le­rin Eren Kes­kin zu einer Frei­heits­strafe ver­ur­teilt, weil sie sich im Tages­spie­gel kri­tisch zur die Ein­mi­schung der Mili­tärs in die Poli­tik geäu­ßert hatte.

Jen­seits der schon gän­gi­gen Zen­sur von Web­sites kur­di­scher oder lin­ker Orga­ni­sa­tio­nen, sind auch immer mehr popu­läre Inter­net­fo­ren und Kul­tur­por­tale betrof­fen, wie etwa Antoloji.com und Eksi Söz­lük.

Weil in einem Blog die The­sen des tür­ki­schen Krea­tio­nis­ten Harun Yahya (Weil nicht sein kann, was nicht sein darf) kri­ti­siert wur­den und sich der Betrei­ber WordPress.com gewei­gert hat, die bean­stan­de­ten Bei­träge zu ent­fer­nen, ist der Zugriff auf die gesamte Blog­farm seit August 2007 gesperrt. Bereits mehr­fach war auch das Video­por­tal YouTube.com von Zen­sur­maß­nah­men betrof­fen, weil dort Inhalte ein­ge­stellt waren, die angeb­lich die “Ehre” von Staats­grün­der Mus­tafa Kemal Ata­türk oder des “Tür­ken­tums” ver­letz­ten (Das “Tür­ken­tum” wird auch im Inter­net geschützt), zuletzt am 13. März, bis sich das Video­por­tal nach zwei Wochen schließ­lich der tür­ki­schen Zen­sur beugte und ein uner­wünsch­tes Pos­ting löschte.

Die mit dem neuen Inter­net­ge­setz ein­ge­führte Pra­xis, für ein­zelne Inhalte, die von mehr oder weni­ger anony­men Nut­zern ein­ge­stellt wer­den, ganze Por­tale pau­schal “in Sip­pen­haft” zu neh­men, wird von ver­schie­de­nen tür­ki­schen und inter­na­tio­na­len Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen scharf kri­ti­siert, so etwa von Repor­ter ohne Grenzen.

Tech­nisch ist die Sper­rung über gefälschte DNS-​​Records umge­setzt, die ein­fach zu umge­hen ist:

Indy­me­dia is being tried to be silenced by cen­sor­ship, but it’s just a try. The pro­se­cu­ters of Tur­kish Repu­blic has not yet learn that the cen­sor­ship in inter­net is tech­ni­cally impos­si­ble. Indy­me­dia con­ti­nues its broad­cas­ting. You may access to Indy­me­dia by various ways. Some of them are:

  1. http://istanbul.bbm.indymedia.org address
  2. Access through http://anonymouse.org/anonwww.html
  3. By chan­ging the DNS keys of your net­work connection.

You may apply 2nd and 3rd methods for all inaccessable/​banned sites.

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