Sonntag, 29. Juni 2008

Wie bewerbe ich mich richtig? – Teil2: Woraus besteht meine Bewerbung?

Bewerbung
©berwis / Pixelio

Im vorausgegangenen ersten Teil der Serie “Wie bewerbe ich mich richtig?” ging es um die Adressaten einer Bewerbung. Dieser zweite Teil befaßt sich im Detail mit den einzelnen Dokumenten, aus denen sich die Bewerbung zusammensetzt.

Weil in der IT überwiegend in Form von Projekten gearbeitet wird, spielt dort die Projektliste eine große Rolle. In abgewandelter Form sind die hier getroffenen Aussagen aber auch für alle Bewerbungen gültig.

Die meisten Unternehmen fordern eine elektronische Bewerbung. Senden Sie immer die komplette Bewerbung in elektronischer Form in einem einzigen Dokument. Bewährt hat sich hier das PDF-Format. Schließen Sie auch immer das Anschreiben in die PDF-Bewerbung mit ein. Wenn Sie das Anschreiben nur in der Begleit-E-Mail formulieren, besteht die Gefahr, daß dieses nicht weitergeleitet wird und das Anschreiben verloren geht. Daher immer ein komplettes Dokument verschicken, in dem alle notwendigen Informationen enthalten sind.

Halten Sie sich beim Verfassen dieses Dokumentes immer vor Augen, wer Ihre Bewerbung liest – denken Sie an die Adressaten!

Eine Bewerbung besteht in der IT typischerweise aus fünf Teilen:

  1. Anschreiben
  2. Lebenslauf
  3. Qualifikationsprofil
  4. Projektliste
  5. Zeugnisse

Die Zeugnisse können Sie eigentlich immer weglassen, wenn nicht eine vollständige Bewerbung gefordert wird.

Eine andere Betrachtungsweise richtet sich nach der Zeit, die von dem jeweiligen Dokument abgedeckt wird:

  • Vergangenheit:
    • Lebenslauf
    • Projektliste
    • Zeugnisse
  • Gegenwart:
    • Lebenslauf (aktuelle Position)
    • Qualifikationsprofil
  • Zukunft:
    • Anschreiben

Das Anschreiben nimmt insofern eine Sonderstellung ein, als es die einzige Stelle ist, wo Sie über Ihre Zukunft schreiben können. Außerdem ist es das einzige Dokument, das alle drei Zeitperioden überbrückt.

Anschreiben

Das Anschreiben ist der Teil der Bewerbung, der am Schwierigsten und am Aufwendigsten zu verfassen ist. Ein gutes Anschreiben ist nämlich immer auf Position und potenziellen Arbeitgeber zugeschnitten!
Benutzen Sie kein Standard-Anschreiben! Ein geübter Leser – und mit solchen haben Sie es bei den zweiten oder dritten Adressaten immer zu tun – erkennt diese schnell, fühlt sich nicht ernst genommen und verwirft oft die Bewerbung.
Daher müssen Sie die Bewerbung auf die konkrete Position zuschneiden, auf die Sie sich bewerben! Idealerweise haben Sie im Vorfeld Informationen zum Unternehmen recherchiert, die Ihnen einen Anknüpfungspunkt liefern. Oft finden Sie in den Stellenanzeigen einen Ansprechpartner, den Sie mit guten Fragen auf sich aufmerksam machen können. Somit können Sie einen direkten Bezug zu einem Ihrer Leser herstellen. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Es gibt eine einzige Ausnahme: Wenn Sie sich initiativ an Recruiter oder Jobvermittler wenden, damit diese Sie in Ihre Bewerberdatenbanken aufnehmen. Dann können Sie mit einem vorformulierten Schreiben arbeiten, das in identischer Form an mehrere Recruiter geht. Auch dieses Schreiben sollte aber auf seine Empfänger zugeschnitten sein. Heben Sie hervor, an welchen Positionen Sie interessiert sind, und warum Sie sich dafür für geeignet halten.

Eine Initiativbewerbung bei einem Unternehmen sollte auch solche Stellenbeschreibungen enthalten. Um das Zuschneiden auf das jeweilige Unternehmen kommen Sie aber in diesem Fall nicht herum! Auch da sollten Sie „Ihren” Ansprechpartner herausfinden und diesen im Vorfeld schon einmal telefonisch kontakten.

Geben Sie sich mit dem Anschreiben Mühe, die Gegenseite erwartet das. Fehlerfrei, gut formuliert und passend zu Unternehmen und Position muß es schon sein. Auch wenn Sie das einen halben Tag Recherche kostet – Sie verschaffen sich so den entscheidenden Vorteil gegenüber Ihren Wettbewerbern. Recherchieren Sie erst, rufen Sie dann den Ansprechpartner an und verfassen Sie dann ein Anschreiben, in dem Sie sich auf das Telefonat beziehen. Zwischen Telefonat und Zustellung Ihrer Bewerbung sollte nicht zuviel Zeit vergehen, bemühen Sie sich, die Bewerbung noch am selben Tag zu verfassen! Machen Sie Notizen von Recherche und Telefonat! So gewinnen Sie Zeit, wenn Sie eingeladen werden.

Ein gutes Anschreiben beantwortet kurz die Frage, wer Sie sind, warum Sie sich gerade auf diese Position bewerben und wie Sie sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen können – da sind sie wieder, die drei Zeitabschnitte.

Die wichtigsten organisatorischen Fragen muß das Anschreiben auch beantworten: Ab wann sind Sie verfügbar (z.B. Kündigungsfristen, oft sind auch frühere Kündigungstermine möglich) und was ist Ihre Gehaltsvorstellung. Zur letzten Frage habe ich bereits einige Artikel veröffentlicht.

Packen Sie das Anschreiben mit in die elektronische Bewerbung, es ist ein wichtiger Teil. In der Begleit-E-Mail können Sie die wichtigsten Punkte aus dem Anschreiben nochmals aufgreifen.

Lebenslauf

Zum Lebenslauf gehört als Blickfang ein Bild. Aufgrund des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes AGG darf ein Unternehmen zwar kein Bild mehr fordern. Sie sind aber trotzdem immer gut beraten, ein gutes Bild zu verwenden. Aber auch nur ein solches, von einem Profi-Fotograf sollte es schon sein. Nehmen Sie ruhig mehrere Business-Outfits mit zum Fototermin und spielen Sie verschiedene Szenen durch!

Der Lebenslauf sollte rückwärts chronologisch angelegt sein. Beginnen Sie mit der aktuellen Position und arbeiten Sie sich rückwärts vor.

Zu jeder Position können Sie kurz das Unternehmen und die Abteilung beschreiben, in der Sie tätig waren – jeweils mit ein paar Stichworten. Gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen können Sie nicht davon ausgehen, daß Ihre Leser diese kennen.
Wichtigster Punkt ist die Beschreibung Ihrer jeweiligen Aufgaben und Verantwortungsbereiche, also Ihrer Arbeitsgebiete und Zuständigkeiten. Idealerweise deckt sich das mit Ihren Zeugnissen. Widersprüche und Differenzen werden geübten Lesern auffallen, darauf können und sollten Sie sich gefaßt machen. Bereiten Sie also gute Antworten vor, es ist möglich, daß Sie sie bereits beim Telefoninterview brauchen.
Sie können auch kurz namentlich ihre Projekte bei der jeweiligen Position auflisten, dann kann der Leser diese leichter in der Projektliste der Stelle und damit Ihrem damaligen Arbeitsumfeld zuordnen.
Der Lebenslauf kann mehrere Seiten einnehmen, insbesondere, wenn Sie schon länger im Berufsleben stehen.

Erklären Sie Lücken in Ihrer Berufstätigkeit, warten Sie nicht darauf, daß Sie danach gefragt werden!

Qualifikationsprofil

Das Qualifikationsprofil soll eine Seite nicht überschreiten. Verfassen Sie es aus heutiger Sicht und straffen es entsprechend. Womit Sie vor 20 Jahren zum ersten und letzten Mal zu tun hatten, ist hier nicht von Belang!

Stellen Sie neben den üblichen Teilen „fachliche Qualifikation” und „IT-Kenntnisse” ruhig auch ihre „persönlichen Stärken” heraus! Manche Personaler fragen gerne auch nach Schwächen, auf diese Frage müssen Sie im Interview gefaßt sein. Hier aber sind Sie auf Ihrem Terrain, da müssen Sie die Schwächen weglassen. Ihre Stärken müssen Sie aber darstellen!

Sehr gerne gesehen wird eine Einstufung nach Erfahrung. Dies ist besonders bei Berufsanfängern wichtig, denen man ansonsten ja eher unterstellt, auf allen Gebieten noch „grün” zu sein. Werden Sie konkret, nennen Sie die Jahre, die Sie sich mit einzelnen Themen beschäftigen!

Generell gilt: Je mehr Fragen Sie über sich fundiert beantworten, desto besser!

Projektliste

Die Projektliste führt rückwärts chronologisch Ihre Projekte auf. Stellen Sie dabei auch kurz dar, worum es in dem jeweiligen Projekt geht, damit sich der Leser eine Vorstellung vom Projekt bilden kann. Die technische Basis des Projektes darf ebenfalls nicht fehlen.
Hilfreich sind Kennzahlen über die Größe des Projektes wie Dauer und Anzahl der Projektteilnehmer oder Kosten des Projektes.
Der wichtigste Teil der Projektliste ist die Beschreibung Ihrer Tätigkeiten im Rahmen des Projektes. Was waren Ihre Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche? Waren Sie im Pre-Sales, der Planung und Konzeption involviert, oder der Ausführung usw.
Seien Sie knapp, aber auch so ausführlich, daß sich der Leser ein gutes Bild vom Projekt und Ihrer Funktion darin machen kann! Er will Ihre Projekte mit seinen vergleichen können und Sie müssen ihn in die Lage dazu versetzen! Schreiben Sie für einen potenziellen fachlichen Vorgesetzten, der die Details versteht. Natürlich sollen Sie trotzdem verständlich bleiben, auch Laien werden Ihre Projektliste zumindest überfliegen.

Zeugnisse

Die Zeugnisse sollten Sie nur mitsenden, wenn sie ausdrücklich gefordert sind; Die typische Formulierung dafür lautet „vollständige Bewerbung“.
Ordnen Sie auch die Zeugnisse rückwärts chronologisch, das aktuelle zuerst. Legen Sie Kurszeugnisse und Zertifikate bei, aber beschränken Sie sich auf die relevanten!
Wenn Sie sich aus einer Anstellung heraus bewerben, sollten Sie ein halbwegs aktuelles Zwischenzeugnis vorlegen. Für die Ausstellung solcher Zwischenzeugnisse gibt es gute Gelegenheiten, z.B. wenn Ihr Vorgesetzter wechselt, oder Sie gerade ein großes Projekt abgeschlossen wurde.
Als Selbständiger haben Sie das Problem, keine Zeugnisse beibringen zu können. Kümmern Sie sich rechtzeitig (nach erfolgreichem Projektabschluß) um Kundenreferenzen! In kundenorientierten Positionen, also etwa in Vertrieb oder Projektmanagement sind solche Referenzen ebenfalls eine gute Idee. Lassen Sie sich solche Referenzen wie ein Zeugnis auf Firmenpapier mit Firmenstempel ausstellen.
Generell müssen Sie sich um das Thema Zeugnisse und Referenzen kümmern. Sie sollten möglichst rasch nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen ein gutes Zeugnis vorliegen haben. Abgesehen von dem entsprechenden Rechtsanspruch ist das Zeugnis ein wichtiges Bewerbungsinstrument. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, wenn man Ihnen ein Zeugnis erst später ausstellen will. Am Besten machen Sie einen konstruktiven Vorschlag. Der Vorteil eines Zwischenzeugnisses liegt auch darin, daß es eine gute Vorlage für ein Endzeugnis bildet. Bleiben Sie am Ball!

Teilen/Speichern:
  • Twitter
  • MisterWong.DE
  • Wikio DE
  • Technorati
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Facebook
  • LinkedIn
  • MySpace
  • email

Verwandte Artikel:

Donnerstag, 26. Juni 2008

Wie bewerbe ich mich richtig? – Teil1: Wer liest meine Bewerbung

Bewerbung
©berwis / Pixelio

Ein Freund hat mir diese Frage gestellt, weil ich auch eine Zeitlang als Recruiter gearbeitet habe.
Aus diesem Anlaß veröffentliche ich hier eine kleine Serie von Artikeln zu diesem Thema.

Dies ist der erste Artikel dieser Serie.

Fangen wir mit der wichtigsten Frage an:

Wer liest meine Bewerbung?

Was passiert mit meiner Bewerbung? „Da stellen wir uns ‘mal ganz dumm!” (Zitat aus der Feuerzangenbowle).

Stellen Sie sich vor, Ihre Bewerbung trifft bei dem Unternehmen ein, bei dem Sie sich beworben haben.

Wenn es sich um eine schriftliche Bewerbung bei einem Großunternehmen handelt, wird sie in der Poststelle eintreffen. Anhand der Empfängerinformation wird Ihre Bewerbung firmenintern zugestellt. Diese Informationen müssen also schon als Erstes stimmen!

Erster Leser: Der fachliche Laie

Empfänger ist dabei – wie bei elektronischen Bewerbungen – die Personalabteilung. Ein Sachbearbeiter liest sich dort Ihre Bewerbung durch und versucht, sie vorzuklassifizieren und zu filtern. Dies ist also Ihr erster Adressat. Normalerweise hat dieser wenig bis gar keine Ahnung von der Fachseite. In kleineren Unternehmen ist das oft der Sekretär.
In wenigen Sekunden überfliegt er Ihre Bewerbung – in dieser Zeit muß er alle notwendigen Informationen finden. Er wird also kurz das Anschreiben lesen und sich dann mit dem Qualifkationsprofil befassen. Anhand gewisser Vorgaben, die man ihm gemacht hat, filtert er die Bewerbungen (Beispiel: Mindestens zwei von drei in der Anzeige genannten Qualifikationen müssen Sie erfüllen).
Das impliziert, daß diese in in Ihrer Bewerbung vorkommen müssen, am Besten sowohl im Anschreiben als auch im Qualifikationsprofil. Und zwar so, daß sie Ihrem ersten Adressaten gleich ins Auge springen – Synonyme kann er mangels Fachwissens nicht übersetzen.
Dies bedeutet auch, daß Sie Ihre Bewerbung auf die Wunschposition zuschneiden müssen. Verabschieden Sie sich von Standardbewerbungen! Geübte Leser erkennen diese schnell!
Der zweiten Adressat Ihrer Bewerbung ist sehr geübt.

Zweiter Leser: Der Personaler

Dieser sitzt typischerweise in der Personalabteilung und beschäftigt sich mehr oder minder hauptberuflich mit Bewerbungen.
Er erhält die vorgefilterten Bewerbungen und nimmt sich einige Minuten Zeit für jede. Er ist der Erste, der Ihre Bewerbung als Ganzes zumindest überfliegt und den Sie überzeugen müssen.
Konzentrieren Sie sich dabei auf die Teile Ihrer Bewerbung, auf die er sich konzentriert: Anschreiben und Lebenslauf. Da er nämlich den fachlichen Hintergrund nur begrenzt versteht, überfliegt er die Projektliste nur kurz.
Die einschlägigen Buzzwords kennt er allerdings und prüft, ob sie in der Bewerbung vorkommen, insbesondere auch im Qualifikationsprofil. Aufgrund seiner Erfahrung wird ihm ein Standard-Anschreiben auffallen, umgekehrt aber auch ein gut formuliertes (auf die einzelnen Teildokumente gehe ich im nächsten Teil detailliert ein).
An Ihrem Lebenslauf interessieren ihn Ihre vorherigen Arbeitgeber, die dort ausgefüllten Positionen, Ihre Kunden und Ihre Aufgabengebiete bzw. Verantwortungsbereiche. Idealerweise gehen alle diese Punkte aus Ihrem Lebenslauf hervor und sind mit der neuen Aufgabenstellung vergleichbar. Wenn die neue Position nicht nahtlos aus der alten ableitbar ist, müssen Sie den Sprung im Anschreiben plausibel begründen.
Ist es Ihnen gelungen, den Personaler zu überzeugen, so gehört Ihre Bewerbung zu den wenigen, die an den dritten Adressaten weitergeleitet werden.

Dritter Leser: Der Fachmann

Typischerweise ist das Ihr zukünftiger fachlicher Vorgesetzter. Als solcher setzt er ganz andere Akzente. Das Anschreiben liest er nur kurz, ebenso das Qualifikationsprofil.
Die Qualifikationen kann er nämlich aus Ihrer Projektliste herauslesen, die ihn am Meisten interessiert. Dort sucht er Projekte, die mit Ihren Aufgaben vergleichbar sind. Als Nächstes liest er Ihren Lebenslauf. Auch dort sucht er vergleichbare Positionen, Aufgabengebiete und Verantwortungsbereiche. Sein Augenmerk liegt auf der fachlichen Qualifikation.
Er ist der Zweite, den Sie überzeugen müssen und der, der Ihre Bewerbung am intensivsten prüft, zu dem Sie aber erst vordringen können, wenn die Bewerbung auch die beiden vorgeschalteten Prüfinstanzen zufriedengestellt hat.

Allen Lesern gerecht werden

Da alle drei Adressatengruppen unterschiedliche Bedürfnisse und Schwerpunkte haben, muß die Bewerbung so abgefaßt sein, daß sie allen dreien gerecht wird.
Wie beschrieben werden gewisse Dokumente von einem Adressaten bevorzugt gelesen und andere nur überflogen (wenn überhaupt). Das wiederum bedeutet, daß die relevanten Informationen in allen Dokumenten enthalten sein müssen. Scheuen Sie sich nicht vor Mehrfachnennungen! Im Gegenteil: Sie können nicht erwarten, daß jeder Leser alles liest, das wird eher die Ausnahme bleiben – zum Beispiel wenn es Ihnen gelungen ist, mit Ihrer Bewerbung zu überzeugen.
Der Regelfall sind Leser, die relativ wenig Zeit für die Lektüre haben und in dieser kurzen Zeit die Informationen finden müssen, die sie brauchen. Auf dieser Basis wird die Entscheidung „Hopp oder Top” gefällt!
Dies müssen Sie berücksichtigen und Ihre Dokumente entsprechend aufbauen.

Auf die einzelnen Dokumente gehe ich im Detail im zweiten Teil der Serie ein.

Teilen/Speichern:
  • Twitter
  • MisterWong.DE
  • Wikio DE
  • Technorati
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Facebook
  • LinkedIn
  • MySpace
  • email

Verwandte Artikel:

Mittwoch, 25. Juni 2008

Studie: Journalisten schreiben voneinander ab

Ernüchternd – Das miese Image von Journalisten“, so faßt der NDR in einem Video (via Ronnie Grobs “Medienlese“) das mangelnde Prestige von Journalisten zusammen:

“Journalisten haben einen schlechten Ruf: Zu dreist, zu unmoralisch, zu wenig Distanz und zuviel PR in der Berichterstattung.
In Meinungsumfragen ist das Prestige von Presseleuten vergleichbar mit dem von Politikern und Gewerkschaftern: Am unteren Ende der Skala.”

Ausgerechnet Thomas Leif vom “netzwerk Recherche” tritt darin als Wahrer hehrer journalistischer Ansprüche auf, derselbe, der von Thomas Knüwer in seinem Beitrag “Thomas Leif, Duck and Circumstance” als Musterbeispiel für die Vermischung privater und beruflicher Interessen vorgeführt wird. Im Sinne obigen Zitats scheint Leif seinem Ruf gerecht zu werden.

Passend dazu ist eine Studie der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM) erschienen.
Demnach greifen Journalisten bei ihrer Recherche im Internet vor Allem auf andere journalistische Erzeugnisse zurück, anstatt die Primärquellen zu recherchieren. So lautet das Fazit der Studie (Ausschnitte aus der Zusammenfassung, s.u.):

  • “Eine Überprüfungsrecherche findet kaum noch statt.
  • Journalisten beobachten die Nachrichten- und Themenlage vor allem mit der Hilfe von Agenturen und anderen Medien. Websites von Regierungen oder Institutionen sind nicht von Bedeutung.
  • Fast die Hälfte aller Zusatzquellen wird mit Hilfe von Suchmaschinen recherchiert. Wer dort nicht oben erscheint, hat kaum Chancen, von Journalisten in ihrem Rechercheprozess wahrgenommen zu werden.
  • Der Computer verstärkt den Hang zur Selbstreferentialität.
  • Webangebote redaktioneller Medien haben neben den Suchmaschinen Google und Yahoo sowie der Online-Enzyklopädie Wikipedia die größte Bedeutung für Journalisten bei der Online-Nutzung.
  • Die meisten Journalisten recherchierten befriedigend, aber nicht gut.
  • Nachrichtensuchmaschinen werden von vielen Journalisten genutzt.
  • Nachrichtensuchmaschinen greifen auf wenige Quellen zurück – und diese sind auch noch die bekannten und reichweitenstarken Angebote
  • Auch interessengeleitete Kommunikatoren mischen sich unter die Quellen von Nachrichtensuchmaschinen

Die Studie (ISBN 978-3-89158-480-4) ist in der Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erschienen und kann für 23 Euro bestellt werden. Abstract, Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen der Studie können als PDF (119 KB) heruntergeladen werden (via golem.de).

Teilen/Speichern:
  • Twitter
  • MisterWong.DE
  • Wikio DE
  • Technorati
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Digg
  • StumbleUpon
  • Facebook
  • LinkedIn
  • MySpace
  • email

Verwandte Artikel: