Studie: Journalisten schreiben voneinander ab

“Ernüch­ternd — Das miese Image von Jour­na­lis­ten” [Link depu­bli­ziert], so faßt der NDR in einem Video (via Ron­nie Grobs “Medi­en­lese”) das man­gelnde Pres­tige von Jour­na­lis­ten zusammen:

“Jour­na­lis­ten haben einen schlech­ten Ruf: Zu dreist, zu unmo­ra­lisch, zu wenig Dis­tanz und zuviel PR in der Bericht­er­stat­tung.
In Mei­nungs­um­fra­gen ist das Pres­tige von Pres­se­leu­ten ver­gleich­bar mit dem von Poli­ti­kern und Gewerk­schaf­tern: Am unte­ren Ende der Skala.”

Aus­ge­rech­net Tho­mas Leif vom “netz­werk Recher­che” tritt darin als Wah­rer heh­rer jour­na­lis­ti­scher Ansprü­che auf, der­selbe, der von Tho­mas Knüwer in sei­nem Bei­trag “Tho­mas Leif, Duck and Cir­cum­stance” als Mus­ter­bei­spiel für die Ver­mi­schung pri­va­ter und beruf­li­cher Inter­es­sen vor­ge­führt wird. Im Sinne obi­gen Zitats scheint Leif sei­nem Ruf gerecht zu werden.

Pas­send dazu ist eine Stu­die der Lan­des­an­stalt für Medien in Nordrhein-​​Westfalen (LfM) erschie­nen.
Dem­nach grei­fen Jour­na­lis­ten bei ihrer Recher­che im Inter­net vor Allem auf andere jour­na­lis­ti­sche Erzeug­nisse zurück, anstatt die Pri­mär­quel­len zu recher­chie­ren. So lau­tet das Fazit der Stu­die (Aus­schnitte aus der Zusam­men­fas­sung, s.u.):

  • “Eine Über­prü­fungs­re­cher­che fin­det kaum noch statt.
  • Jour­na­lis­ten beob­ach­ten die Nach­rich­ten– und The­men­lage vor allem mit der Hilfe von Agen­tu­ren und ande­ren Medien. Web­sites von Regie­run­gen oder Insti­tu­tio­nen sind nicht von Bedeutung.
  • Fast die Hälfte aller Zusatz­quel­len wird mit Hilfe von Such­ma­schi­nen recher­chiert. Wer dort nicht oben erscheint, hat kaum Chan­cen, von Jour­na­lis­ten in ihrem Recher­che­pro­zess wahr­ge­nom­men zu werden.
  • Der Com­pu­ter ver­stärkt den Hang zur Selbstreferentialität.
  • Web­an­ge­bote redak­tio­nel­ler Medien haben neben den Such­ma­schi­nen Google und Yahoo sowie der Online-​​Enzyklopädie Wiki­pe­dia die größte Bedeu­tung für Jour­na­lis­ten bei der Online-​​Nutzung.
  • Die meis­ten Jour­na­lis­ten recher­chier­ten befrie­di­gend, aber nicht gut.
  • Nach­rich­ten­such­ma­schi­nen wer­den von vie­len Jour­na­lis­ten genutzt.
  • Nach­rich­ten­such­ma­schi­nen grei­fen auf wenige Quel­len zurück – und diese sind auch noch die bekann­ten und reich­wei­ten­star­ken Angebote
  • Auch inter­es­sen­ge­lei­tete Kom­mu­ni­ka­to­ren mischen sich unter die Quel­len von Nachrichtensuchmaschinen

Die Stu­die (ISBN 978−3−89158−480−4) ist in der Schrif­ten­reihe Medi­en­for­schung der Lan­des­an­stalt für Medien Nordrhein-​​Westfalen erschie­nen und kann für 23 Euro bestellt wer­den. Abstract, Zusam­men­fas­sung und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen der Stu­die kön­nen als PDF (119 KB) her­un­ter­ge­la­den wer­den (via golem.de).

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