Donnerstag, 26. Juni 2008

Wie bewerbe ich mich richtig? – Teil1: Wer liest meine Bewerbung

Bewerbung
©berwis / Pixelio

Ein Freund hat mir diese Frage gestellt, weil ich auch eine Zeitlang als Recruiter gearbeitet habe.
Aus diesem Anlaß veröffentliche ich hier eine kleine Serie von Artikeln zu diesem Thema.

Dies ist der erste Artikel dieser Serie.

Fangen wir mit der wichtigsten Frage an:

Wer liest meine Bewerbung?

Was passiert mit meiner Bewerbung? „Da stellen wir uns ‘mal ganz dumm!” (Zitat aus der Feuerzangenbowle).

Stellen Sie sich vor, Ihre Bewerbung trifft bei dem Unternehmen ein, bei dem Sie sich beworben haben.

Wenn es sich um eine schriftliche Bewerbung bei einem Großunternehmen handelt, wird sie in der Poststelle eintreffen. Anhand der Empfängerinformation wird Ihre Bewerbung firmenintern zugestellt. Diese Informationen müssen also schon als Erstes stimmen!

Erster Leser: Der fachliche Laie

Empfänger ist dabei – wie bei elektronischen Bewerbungen – die Personalabteilung. Ein Sachbearbeiter liest sich dort Ihre Bewerbung durch und versucht, sie vorzuklassifizieren und zu filtern. Dies ist also Ihr erster Adressat. Normalerweise hat dieser wenig bis gar keine Ahnung von der Fachseite. In kleineren Unternehmen ist das oft der Sekretär.
In wenigen Sekunden überfliegt er Ihre Bewerbung – in dieser Zeit muß er alle notwendigen Informationen finden. Er wird also kurz das Anschreiben lesen und sich dann mit dem Qualifkationsprofil befassen. Anhand gewisser Vorgaben, die man ihm gemacht hat, filtert er die Bewerbungen (Beispiel: Mindestens zwei von drei in der Anzeige genannten Qualifikationen müssen Sie erfüllen).
Das impliziert, daß diese in in Ihrer Bewerbung vorkommen müssen, am Besten sowohl im Anschreiben als auch im Qualifikationsprofil. Und zwar so, daß sie Ihrem ersten Adressaten gleich ins Auge springen – Synonyme kann er mangels Fachwissens nicht übersetzen.
Dies bedeutet auch, daß Sie Ihre Bewerbung auf die Wunschposition zuschneiden müssen. Verabschieden Sie sich von Standardbewerbungen! Geübte Leser erkennen diese schnell!
Der zweiten Adressat Ihrer Bewerbung ist sehr geübt.

Zweiter Leser: Der Personaler

Dieser sitzt typischerweise in der Personalabteilung und beschäftigt sich mehr oder minder hauptberuflich mit Bewerbungen.
Er erhält die vorgefilterten Bewerbungen und nimmt sich einige Minuten Zeit für jede. Er ist der Erste, der Ihre Bewerbung als Ganzes zumindest überfliegt und den Sie überzeugen müssen.
Konzentrieren Sie sich dabei auf die Teile Ihrer Bewerbung, auf die er sich konzentriert: Anschreiben und Lebenslauf. Da er nämlich den fachlichen Hintergrund nur begrenzt versteht, überfliegt er die Projektliste nur kurz.
Die einschlägigen Buzzwords kennt er allerdings und prüft, ob sie in der Bewerbung vorkommen, insbesondere auch im Qualifikationsprofil. Aufgrund seiner Erfahrung wird ihm ein Standard-Anschreiben auffallen, umgekehrt aber auch ein gut formuliertes (auf die einzelnen Teildokumente gehe ich im nächsten Teil detailliert ein).
An Ihrem Lebenslauf interessieren ihn Ihre vorherigen Arbeitgeber, die dort ausgefüllten Positionen, Ihre Kunden und Ihre Aufgabengebiete bzw. Verantwortungsbereiche. Idealerweise gehen alle diese Punkte aus Ihrem Lebenslauf hervor und sind mit der neuen Aufgabenstellung vergleichbar. Wenn die neue Position nicht nahtlos aus der alten ableitbar ist, müssen Sie den Sprung im Anschreiben plausibel begründen.
Ist es Ihnen gelungen, den Personaler zu überzeugen, so gehört Ihre Bewerbung zu den wenigen, die an den dritten Adressaten weitergeleitet werden.

Dritter Leser: Der Fachmann

Typischerweise ist das Ihr zukünftiger fachlicher Vorgesetzter. Als solcher setzt er ganz andere Akzente. Das Anschreiben liest er nur kurz, ebenso das Qualifikationsprofil.
Die Qualifikationen kann er nämlich aus Ihrer Projektliste herauslesen, die ihn am Meisten interessiert. Dort sucht er Projekte, die mit Ihren Aufgaben vergleichbar sind. Als Nächstes liest er Ihren Lebenslauf. Auch dort sucht er vergleichbare Positionen, Aufgabengebiete und Verantwortungsbereiche. Sein Augenmerk liegt auf der fachlichen Qualifikation.
Er ist der Zweite, den Sie überzeugen müssen und der, der Ihre Bewerbung am intensivsten prüft, zu dem Sie aber erst vordringen können, wenn die Bewerbung auch die beiden vorgeschalteten Prüfinstanzen zufriedengestellt hat.

Allen Lesern gerecht werden

Da alle drei Adressatengruppen unterschiedliche Bedürfnisse und Schwerpunkte haben, muß die Bewerbung so abgefaßt sein, daß sie allen dreien gerecht wird.
Wie beschrieben werden gewisse Dokumente von einem Adressaten bevorzugt gelesen und andere nur überflogen (wenn überhaupt). Das wiederum bedeutet, daß die relevanten Informationen in allen Dokumenten enthalten sein müssen. Scheuen Sie sich nicht vor Mehrfachnennungen! Im Gegenteil: Sie können nicht erwarten, daß jeder Leser alles liest, das wird eher die Ausnahme bleiben – zum Beispiel wenn es Ihnen gelungen ist, mit Ihrer Bewerbung zu überzeugen.
Der Regelfall sind Leser, die relativ wenig Zeit für die Lektüre haben und in dieser kurzen Zeit die Informationen finden müssen, die sie brauchen. Auf dieser Basis wird die Entscheidung „Hopp oder Top” gefällt!
Dies müssen Sie berücksichtigen und Ihre Dokumente entsprechend aufbauen.

Auf die einzelnen Dokumente gehe ich im Detail im zweiten Teil der Serie ein.

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