Wie bewerbe ich mich richtig? – Teil2: Woraus besteht meine Bewerbung?

©ber­wis /​ Pixelio

Im vor­aus­ge­gan­ge­nen ers­ten Teil der Serie “Wie bewerbe ich mich rich­tig?” ging es um die Adres­sa­ten einer Bewer­bung. Die­ser zweite Teil befaßt sich im Detail mit den ein­zel­nen Doku­men­ten, aus denen sich die Bewer­bung zusammensetzt.

Weil in der IT über­wie­gend in Form von Pro­jek­ten gear­bei­tet wird, spielt dort die Pro­jekt­liste eine große Rolle. In abge­wan­del­ter Form sind die hier getrof­fe­nen Aus­sa­gen aber auch für alle Bewer­bun­gen gültig.

Die meis­ten Unter­neh­men for­dern eine elek­tro­ni­sche Bewer­bung. Sen­den Sie immer die kom­plette Bewer­bung in elek­tro­ni­scher Form in einem ein­zi­gen Doku­ment. Bewährt hat sich hier das PDF-​​Format. Schlie­ßen Sie auch immer das Anschrei­ben in die PDF-​​Bewerbung mit ein. Wenn Sie das Anschrei­ben nur in der Begleit-​​E-​​Mail for­mu­lie­ren, besteht die Gefahr, daß die­ses nicht wei­ter­ge­lei­tet wird und das Anschrei­ben ver­lo­ren geht. Daher immer ein kom­plet­tes Doku­ment ver­schi­cken, in dem alle not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen ent­hal­ten sind.

Hal­ten Sie sich beim Ver­fas­sen die­ses Doku­men­tes immer vor Augen, wer Ihre Bewer­bung liest — den­ken Sie an die Adres­sa­ten!

Eine Bewer­bung besteht in der IT typi­scher­weise aus fünf Teilen:

  1. Anschrei­ben
  2. Lebens­lauf
  3. Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil
  4. Pro­jekt­liste
  5. Zeug­nisse

Die Zeug­nisse kön­nen Sie eigent­lich immer weg­las­sen, wenn nicht eine voll­stän­dige Bewer­bung gefor­dert wird.

Eine andere Betrach­tungs­weise rich­tet sich nach der Zeit, die von dem jewei­li­gen Doku­ment abge­deckt wird:

  • Vergangenheit:
    • Lebenslauf
    • Projektliste
    • Zeugnisse
  • Gegenwart:
    • Lebens­lauf (aktu­elle Position)
    • Qualifikationsprofil
  • Zukunft:
    • Anschreiben

Das Anschrei­ben nimmt inso­fern eine Son­der­stel­lung ein, als es die ein­zige Stelle ist, wo Sie über Ihre Zukunft schrei­ben kön­nen. Außer­dem ist es das ein­zige Doku­ment, das alle drei Zeit­pe­rio­den überbrückt.

Anschrei­ben

Das Anschrei­ben ist der Teil der Bewer­bung, der am Schwie­rigs­ten und am Auf­wen­digs­ten zu ver­fas­sen ist. Ein gutes Anschrei­ben ist näm­lich immer auf Posi­tion und poten­zi­el­len Arbeit­ge­ber zuge­schnit­ten!
Benut­zen Sie kein Standard-​​Anschreiben! Ein geüb­ter Leser — und mit sol­chen haben Sie es bei den zwei­ten oder drit­ten Adres­sa­ten immer zu tun – erkennt diese schnell, fühlt sich nicht ernst genom­men und ver­wirft oft die Bewer­bung.
Daher müs­sen Sie die Bewer­bung auf die kon­krete Posi­tion zuschnei­den, auf die Sie sich bewer­ben! Idea­ler­weise haben Sie im Vor­feld Infor­ma­tio­nen zum Unter­neh­men recher­chiert, die Ihnen einen Anknüp­fungs­punkt lie­fern. Oft fin­den Sie in den Stel­len­an­zei­gen einen Ansprech­part­ner, den Sie mit guten Fra­gen auf sich auf­merk­sam machen kön­nen. Somit kön­nen Sie einen direk­ten Bezug zu einem Ihrer Leser her­stel­len. Nut­zen Sie diese Gelegenheit!

Es gibt eine ein­zige Aus­nahme: Wenn Sie sich initia­tiv an Recrui­ter oder Job­ver­mitt­ler wen­den, damit diese Sie in Ihre Bewer­ber­da­ten­ban­ken auf­neh­men. Dann kön­nen Sie mit einem vor­for­mu­lier­ten Schrei­ben arbei­ten, das in iden­ti­scher Form an meh­rere Recrui­ter geht. Auch die­ses Schrei­ben sollte aber auf seine Emp­fän­ger zuge­schnit­ten sein. Heben Sie her­vor, an wel­chen Posi­tio­nen Sie inter­es­siert sind, und warum Sie sich dafür für geeig­net halten.

Eine Initia­tiv­be­wer­bung bei einem Unter­neh­men sollte auch sol­che Stel­len­be­schrei­bun­gen ent­hal­ten. Um das Zuschnei­den auf das jewei­lige Unter­neh­men kom­men Sie aber in die­sem Fall nicht herum! Auch da soll­ten Sie „Ihren” Ansprech­part­ner her­aus­fin­den und die­sen im Vor­feld schon ein­mal tele­fo­nisch kontakten.

Geben Sie sich mit dem Anschrei­ben Mühe, die Gegen­seite erwar­tet das. Feh­ler­frei, gut for­mu­liert und pas­send zu Unter­neh­men und Posi­tion muß es schon sein. Auch wenn Sie das einen hal­ben Tag Recher­che kos­tet — Sie ver­schaf­fen sich so den ent­schei­den­den Vor­teil gegen­über Ihren Wett­be­wer­bern. Recher­chie­ren Sie erst, rufen Sie dann den Ansprech­part­ner an und ver­fas­sen Sie dann ein Anschrei­ben, in dem Sie sich auf das Tele­fo­nat bezie­hen. Zwi­schen Tele­fo­nat und Zustel­lung Ihrer Bewer­bung sollte nicht zuviel Zeit ver­ge­hen, bemü­hen Sie sich, die Bewer­bung noch am sel­ben Tag zu ver­fas­sen! Machen Sie Noti­zen von Recher­che und Tele­fo­nat! So gewin­nen Sie Zeit, wenn Sie ein­ge­la­den werden.

Ein gutes Anschrei­ben beant­wor­tet kurz die Frage, wer Sie sind, warum Sie sich gerade auf diese Posi­tion bewer­ben und wie Sie sich eine gemein­same Zukunft vor­stel­len kön­nen — da sind sie wie­der, die drei Zeitabschnitte.

Die wich­tigs­ten orga­ni­sa­to­ri­schen Fra­gen muß das Anschrei­ben auch beant­wor­ten: Ab wann sind Sie ver­füg­bar (z.B. Kün­di­gungs­fris­ten, oft sind auch frü­here Kün­di­gungs­ter­mine mög­lich) und was ist Ihre Gehalts­vor­stel­lung. Zur letz­ten Frage habe ich bereits einige Arti­kel veröffentlicht.

Packen Sie das Anschrei­ben mit in die elek­tro­ni­sche Bewer­bung, es ist ein wich­ti­ger Teil. In der Begleit-​​E-​​Mail kön­nen Sie die wich­tigs­ten Punkte aus dem Anschrei­ben noch­mals aufgreifen.

Lebens­lauf

Zum Lebens­lauf gehört als Blick­fang ein Bild. Auf­grund des All­ge­mei­nen Gleich­stel­lungs­ge­set­zes AGG darf ein Unter­neh­men zwar kein Bild mehr for­dern. Sie sind aber trotz­dem immer gut bera­ten, ein gutes Bild zu ver­wen­den. Aber auch nur ein sol­ches, von einem Profi–Foto­graf sollte es schon sein. Neh­men Sie ruhig meh­rere Business-​​Outfits mit zum Foto­ter­min und spie­len Sie ver­schie­dene Sze­nen durch!

Der Lebens­lauf sollte rück­wärts chro­no­lo­gisch ange­legt sein. Begin­nen Sie mit der aktu­el­len Posi­tion und arbei­ten Sie sich rück­wärts vor.

Zu jeder Posi­tion kön­nen Sie kurz das Unter­neh­men und die Abtei­lung beschrei­ben, in der Sie tätig waren — jeweils mit ein paar Stich­wor­ten. Gerade bei klei­ne­ren und mitt­le­ren Unter­neh­men kön­nen Sie nicht davon aus­ge­hen, daß Ihre Leser diese ken­nen.
Wich­tigs­ter Punkt ist die Beschrei­bung Ihrer jewei­li­gen Auf­ga­ben und Ver­ant­wor­tungs­be­rei­che, also Ihrer Arbeits­ge­biete und Zustän­dig­kei­ten. Idea­ler­weise deckt sich das mit Ihren Zeug­nis­sen. Wider­sprü­che und Dif­fe­ren­zen wer­den geüb­ten Lesern auf­fal­len, dar­auf kön­nen und soll­ten Sie sich gefaßt machen. Berei­ten Sie also gute Ant­wor­ten vor, es ist mög­lich, daß Sie sie bereits beim Tele­fon­in­ter­view brau­chen.
Sie kön­nen auch kurz nament­lich ihre Pro­jekte bei der jewei­li­gen Posi­tion auf­lis­ten, dann kann der Leser diese leich­ter in der Pro­jekt­liste der Stelle und damit Ihrem dama­li­gen Arbeits­um­feld zuord­nen.
Der Lebens­lauf kann meh­rere Sei­ten ein­neh­men, ins­be­son­dere, wenn Sie schon län­ger im Berufs­le­ben stehen.

Erklä­ren Sie Lücken in Ihrer Berufs­tä­tig­keit, war­ten Sie nicht dar­auf, daß Sie danach gefragt werden!

Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil

Das Qua­li­fi­ka­ti­ons­pro­fil soll eine Seite nicht über­schrei­ten. Ver­fas­sen Sie es aus heu­ti­ger Sicht und straf­fen es ent­spre­chend. Womit Sie vor 20 Jah­ren zum ers­ten und letz­ten Mal zu tun hat­ten, ist hier nicht von Belang!

Stel­len Sie neben den übli­chen Tei­len „fach­li­che Qua­li­fi­ka­tion” und „IT-​​Kenntnisse” ruhig auch ihre „per­sön­li­chen Stär­ken” her­aus! Man­che Per­so­na­ler fra­gen gerne auch nach Schwä­chen, auf diese Frage müs­sen Sie im Inter­view gefaßt sein. Hier aber sind Sie auf Ihrem Ter­rain, da müs­sen Sie die Schwä­chen weg­las­sen. Ihre Stär­ken müs­sen Sie aber darstellen!

Sehr gerne gese­hen wird eine Ein­stu­fung nach Erfah­rung. Dies ist beson­ders bei Berufs­an­fän­gern wich­tig, denen man ansons­ten ja eher unter­stellt, auf allen Gebie­ten noch „grün” zu sein. Wer­den Sie kon­kret, nen­nen Sie die Jahre, die Sie sich mit ein­zel­nen The­men beschäftigen!

Gene­rell gilt: Je mehr Fra­gen Sie über sich fun­diert beant­wor­ten, desto besser!

Pro­jekt­liste

Die Pro­jekt­liste führt rück­wärts chro­no­lo­gisch Ihre Pro­jekte auf. Stel­len Sie dabei auch kurz dar, worum es in dem jewei­li­gen Pro­jekt geht, damit sich der Leser eine Vor­stel­lung vom Pro­jekt bil­den kann. Die tech­ni­sche Basis des Pro­jek­tes darf eben­falls nicht feh­len.
Hilf­reich sind Kenn­zah­len über die Größe des Pro­jek­tes wie Dauer und Anzahl der Pro­jekt­teil­neh­mer oder Kos­ten des Pro­jek­tes.
Der wich­tigste Teil der Pro­jekt­liste ist die Beschrei­bung Ihrer Tätig­kei­ten im Rah­men des Pro­jek­tes. Was waren Ihre Auf­ga­ben und Zustän­dig­keits­be­rei­che? Waren Sie im Pre-​​Sales, der Pla­nung und Kon­zep­tion invol­viert, oder der Aus­füh­rung usw.
Seien Sie knapp, aber auch so aus­führ­lich, daß sich der Leser ein gutes Bild vom Pro­jekt und Ihrer Funk­tion darin machen kann! Er will Ihre Pro­jekte mit sei­nen ver­glei­chen kön­nen und Sie müs­sen ihn in die Lage dazu ver­set­zen! Schrei­ben Sie für einen poten­zi­el­len fach­li­chen Vor­ge­setz­ten, der die Details ver­steht. Natür­lich sol­len Sie trotz­dem ver­ständ­lich blei­ben, auch Laien wer­den Ihre Pro­jekt­liste zumin­dest überfliegen.

Zeug­nisse

Die Zeug­nisse soll­ten Sie nur mit­sen­den, wenn sie aus­drück­lich gefor­dert sind; Die typi­sche For­mu­lie­rung dafür lau­tet „voll­stän­dige Bewer­bung”.
Ord­nen Sie auch die Zeug­nisse rück­wärts chro­no­lo­gisch, das aktu­elle zuerst. Legen Sie Kurs­zeug­nisse und Zer­ti­fi­kate bei, aber beschrän­ken Sie sich auf die rele­van­ten!
Wenn Sie sich aus einer Anstel­lung her­aus bewer­ben, soll­ten Sie ein halb­wegs aktu­el­les Zwi­schen­zeug­nis vor­le­gen. Für die Aus­stel­lung sol­cher Zwi­schen­zeug­nisse gibt es gute Gele­gen­hei­ten, z.B. wenn Ihr Vor­ge­setz­ter wech­selt, oder Sie gerade ein gro­ßes Pro­jekt abge­schlos­sen wurde.
Als Selb­stän­di­ger haben Sie das Pro­blem, keine Zeug­nisse bei­brin­gen zu kön­nen. Küm­mern Sie sich recht­zei­tig (nach erfolg­rei­chem Pro­jekt­ab­schluß) um Kun­den­re­fe­ren­zen! In kun­den­ori­en­tier­ten Posi­tio­nen, also etwa in Ver­trieb oder Pro­jekt­ma­nage­ment sind sol­che Refe­ren­zen eben­falls eine gute Idee. Las­sen Sie sich sol­che Refe­ren­zen wie ein Zeug­nis auf Fir­men­pa­pier mit Fir­mens­tem­pel aus­stel­len.
Gene­rell müs­sen Sie sich um das Thema Zeug­nisse und Refe­ren­zen küm­mern. Sie soll­ten mög­lichst rasch nach dem Aus­schei­den aus einem Unter­neh­men ein gutes Zeug­nis vor­lie­gen haben. Abge­se­hen von dem ent­spre­chen­den Rechts­an­spruch ist das Zeug­nis ein wich­ti­ges Bewer­bungs­in­stru­ment. Las­sen Sie sich nicht abwim­meln, wenn man Ihnen ein Zeug­nis erst spä­ter aus­stel­len will. Am Bes­ten machen Sie einen kon­struk­ti­ven Vor­schlag. Der Vor­teil eines Zwi­schen­zeug­nis­ses liegt auch darin, daß es eine gute Vor­lage für ein End­zeug­nis bil­det. Blei­ben Sie am Ball!

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4 Kommentare

  1. Am 2008-07-01 um 19:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    End­lich mal ein super­gu­ter Bei­trag zum Thema, der nicht nur Alt­be­kann­tes wie­der­käut. Und end­lich mal einer, der die Pro­jekt­liste the­ma­ti­siert. Lei­der sehe ich als Kar­rie­re­be­ra­tin immer wie­der, dass Itler gar nicht auf Ihre Pro­jekte ein­ge­hen. Argu­ment dann: meine Bewer­bung “darf” doch nur 2 Sei­ten sein. Blöd­sinn — mit Pro­jekt­liste und lan­ger Pro­jekt­er­fah­rung sind auch schon mal acht Sei­ten okay.

  2. wolfgang
    Am 2009-06-23 um 21:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    … aber vor der Bewer­bung unbe­dingt noch den eige­nen Namen goo­geln und auch die Bil­der und Video­suche kon­trol­lie­ren. Sonst fin­den die Per­son­l­chefs viel­leicht pein­li­che Bil­der, die noch nicht ein­mal die Bewer­ber selbst son­dern viel­leicht gute Freunde vor Jah­ren ins Netz gestellt haben.

  3. Am 2011-06-21 um 17:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe bereits Ihren ers­ten Arti­kel gele­sen und muss Ihnen nun schon wie­der ein Kom­pli­ment machen. Auch hier haben Sie sehr gut geschil­dert was eine gute Bewer­bung aus­macht. Auch diese Erfah­run­gen decken sich mit mei­ner Praxisarbeit…

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