Mit Sätzen wie
“Die Intensität des Genusswertes, den ein Getränk für die Konsumenten besitzt, steigt proportional mit der Anzahl der Dimensionen des Getränke-Erlebnisraums”
gelingt es offenbar der Stuttgarter “G.R.P. Gesellschaft für Rationelle Psychologie OHG”, ihren Kunden derart den Verstand zu vernebeln, daß sie ohne großes Nachfragen die Produkte der Gesellschaft kaufen: Studien und Umfragen zu allen möglichen Themen, quer durch den Boulevard.
In seinem Artikel “Für dumm verkauft” (die URL des Artikels lautet “Institut für Volksverdummung”) nimmt “ZEIT-WISSEN”-Autor Jochen Paulus mehrere “Studien” der GRP gekonnt auseinander und weist nach, daß sie an den Haaren herbeigezogen sind. Deren Käufer sind primär Boulevard-Presseerzeugnisse wie Kölner Express, Elle und allen voran Men’s Health.
Wenn es darum geht, ein wenig im Boulevard zu wildern, greifen sogennante “seriöse” Presseerzeugnisse wie Emma, FAZ, Süddeutsche, stern, Spiegel oder ZEIT, aber auch Agenturdienste wie dpa, die Ergebnisse der GRP auf und verbreiten diese weiter. Eine – wie Paulus nachweist – offenbar recht dubiose und vom Beate-Uhse-Konzern subventionierte Porno-”Studie” hat es gar bis in den Brockhaus geschafft.
Insgesamt war GRP laut eigenen Angaben bereits für gut 500 Unternehmen und Organisationen tätig – darunter auch recht bekannte von adidas bis ZDF. Auskunftsgesuche über seine statistischen Indizes bügelt der Leiter des Instituts, Henner Ertel, als “Geschäftsgeheimnisse” nieder. Seine Grundmethodik, die er verrät, wird von renommierten Wissenschaftlern stark in Frage gestellt. Von den Kunden werden jedenfalls
die hemdsärmeligen Methoden des Instituts für Rationelle Psychologie [...] nicht hinterfragt. »Die Ergebnisse sind in der Regel schlüssig« [...]. »Es wird jetzt nicht im Detail hinterfragt: Woher kommt diese Zahl?«
Somit gelingt die Vernebelungsstrategie: Die Nachprüfbarkeit der Ergebnisse wird verschleiert. Einer der Hauptabnehmer der GRP-”Studien”, der Chefredakteur Wolfgang Melcher von Men’s Health verteidigt die unkritische Haltung seines Magazins: Die Redakteure seien nun mal keine Wissenschaftler. »Man braucht ein gewisses Grundvertrauen, das ist klar.«
Also doch eher unendliche Abgründe. Kein Wunder, daß der Ruf der meisten Journalisten mies ist!
Stefan Niggemeier hat noch einige Hintergrundinformationen zur Ertelschen Reaktion auf Jochen Paulus’ Artikel.
Zu dem Versuch der GRP, die kritische Berichterstattung zu unterdrücken, gibt es bei der ZEIT unter dem Titel “Skeptisch sein und weiter denken” einen weiteren Artikel.
Demnach bedroht die GRP durch ihre Anwälte alle, die kritische Aussagen über die GRP gemacht haben.
Auch in den Kommentaren zu dem Blog-Beitrag bei Stefan Niggemeier, auf den im vorangegangenen Kommentar verlinkt wird, versucht die GRP, Kritik abzubügeln.