Ebay/​Skype hilft China bei Zensur und Überwachung (Update)

Bild­quelle: Golem.de

Ebay bzw. seine Toch­ter Skype reiht sich in die Liste inter­na­tio­na­ler Unter­neh­men ein, die sich zum Hand­lan­ger der chi­ne­si­schen Staats­zen­sur machen.

Ein For­schungs­be­richt der Uni­ver­sity of Toronto von Nart Vil­le­neuve hat das aufgedeckt.

TOM-​​Skype, ein Gemein­schafts­un­ter­neh­men der Hong­kon­ger Inter­net­firma TOM Group und des US-​​Konzerns Ebay, bie­tet eine chi­ne­si­sche Ver­sion von Ebays VoIP– und Instant-​​Messaging-​​Software Skype an.

Diese Ver­sion ist offen­bar so ver­än­dert, daß sowohl Text­nach­rich­ten als auch Ver­bin­dungs­da­ten der Nut­zer mit­ge­schnit­ten, zen­siert und auf dedi­zier­ten Ser­vern zwi­schen­ge­spei­chert wer­den. Dort kön­nen sie dann von der chi­ne­si­schen Regie­rung abge­ru­fen wer­den.
Eine Fil­te­rung fin­det nach fest­ge­leg­ten Schlüs­sel­be­grif­fen zu demo­kra­ti­schen Rech­ten und den chi­ne­si­schen Macht­ha­bern statt. Auch aktu­elle Skan­dale, wie der Ver­gif­tung von rund 13.000 Kin­dern durch ver­seuch­tes Milch­pul­ver und man­gelnde staat­li­che Hilfe für Erd­be­ben­op­fer wer­den zen­siert. Die ent­spre­chen­den Text­stel­len wer­den aus den Nach­rich­ten gelöscht und Kopien der Ori­gi­nale gespei­chert. Es gibt auch Indi­zien für die gezielte Über­wa­chung ein­zel­ner Nut­zer.
Die Tele­fon­ge­sprä­che, die man über Skype füh­ren kann, sind — bis auf ihre Ver­bin­dungs­da­ten — offen­bar nicht betrof­fen.
Auch die Daten von Skype-​​Nutzern aus ande­ren Län­dern wer­den auf­ge­zeich­net, wenn diese mit einem der rund 70 Mil­lio­nen Nut­zer der TOM-​​Skype-​​Variante in China kommunizieren.

Vil­le­neuve war sogar in der Lage, Mil­lio­nen von Daten und die Infor­ma­tio­nen zu ihrer Ent­schlüs­se­lung von die­sen Ser­vern her­un­ter­zu­la­den, da diese nach außen nicht gesi­chert waren.

Aus der Stu­die (Über­set­zung von mir):

Obwohl schon län­ger dis­ku­tiert wird, daß Skype eine Hin­ter­tür für Geheim­dienste besitzt und ins­be­son­dere TOM-​​Skype mit einem Tro­ja­ner für die chi­ne­si­sche Regie­rung ver­se­hen ist, hat Skype diese Ver­däch­ti­gun­gen öffent­lich immer geleug­net. Vil­le­neu­ves Unter­su­chun­gen zei­gen, daß dies unwahr ist. Zwar führ­ten seine Ermitt­lun­gen nicht wei­ter als zu den TOM-​​Skype-​​Servern in China, aber der Zweck einer sol­chen umfas­sen­den und sys­te­ma­ti­schen Über­wa­chung scheint offen­sicht­lich. Dis­si­den­ten und gewöhn­li­che Bür­ger wer­den sys­te­ma­tisch über­wacht und bespitzelt.

Wie in der Stu­die zitiert, hat Skype immer behaup­tet, eine Spei­che­rung von Inhal­ten finde nicht statt. Die Pri­vat­sphäre sei garan­tiert und die Anrufe und Chats wür­den ver­schlüs­selt und seien sicher.

Die­sen Aus­sa­gen hat­ten offen­bar viele in China ver­traut. Die Pro­to­kolle von Skype gel­ten  als beson­ders abhör­si­cher und wer­den des­we­gen welt­weit von Bür­ger­recht­lern und Gewerk­schaft­lern genutzt.

Vil­le­neuve meint dazu:

Ver­trauen in eine bekannte Marke wie Skype ist eine unzu­rei­chende Garan­tie, wenn es um Zen­sur und Über­wa­chung geht.

Zwar reihe sich Ebay/​Skype unter andere Unter­neh­men ein, die sich zum Kom­pli­zen des chi­ne­si­schen Über­wa­chungs– und Zensur-​​Regimes mach­ten, aber die­ser Fall sei so mas­siv, daß die ande­ren dage­gen erblaßten.

Die Rede ist von Google, Yahoo und Cisco: Google zen­siert seine Such­er­geb­nisse nach den Vor­ga­ben der chi­ne­si­schen Behör­den. Yahoo soll in meh­re­ren Fäl­len der chi­ne­si­schen Regie­rung Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung gestellt haben, anhand derer Dis­si­den­ten iden­ti­fi­ziert und inhaf­tiert wur­den. Cisco hat offen­bar die chi­ne­si­schen Behör­den bera­ten, wie sie Cisco-​​Technik für die Great Fire­wall ein­set­zen kön­nen. In den USA ste­hen diese Unter­neh­men unter mas­si­ver Kri­tik: Eine Gruppe von Exil-​​Chinesen ver­klagte im Februar 2008 Yahoo wegen der Koope­ra­tion mit den Behör­den in China. Im Mai 2008 wur­den Cisco, Google und Yahoo vom Unter­aus­schuß für Men­schen­rechte und Gesetz des Jus­tiz­aus­schus­ses des US-​​Senats zu ihren Akti­vi­tä­ten in China befragt. Der Aus­schuß­vor­sit­zende Dick Durbin drohte den US-​​Unternehmen sei­ner­zeit sogar mit poli­ti­schen Maß­nah­men, wenn sie ihre mora­li­schen Ver­pflich­tun­gen im Aus­land nicht erfüllen.

Skype-​​Sprecherin Jen­ni­fer Cau­kin sagte dem Wall Street Jour­nal in einer Reak­tion auf Vil­len­neu­ves Ver­öf­fent­li­chung, es sollte “nie­man­den über­ra­schen”, wenn die chi­ne­si­sche Regie­rung die Kom­mu­ni­ka­tion in oder aus ihrem Land über­wa­che.
Skype-​​Präsident Josh Sil­ver­man behaup­tete, von der Zen­sur im gemein­sa­men Toch­ter­un­ter­neh­men nichts gewußt zu haben und schob alles auf den Part­ner TOM.
Die TOM Group erklärte ihrer­seits, daß die Firma als “chi­ne­si­sches Unter­neh­men dazu ver­pflich­tet ist, die Regeln und Vor­schrif­ten in China einzuhalten”.

Der For­schungs­be­richt “BREACHING TRUST — An ana­ly­sis of sur­veil­lance and secu­rity prac­tices on China’s TOM-​​Skype plat­form” steht zum Down­load zur bereit (PDF, 1,5 MB, 16 Seiten).

Via golem.de, auch bei netzpolitik.org

Update 07.10.:
Der Prä­si­dent von Skype win­det sich in sei­nen Erklä­run­gen. Es sei all­ge­mein bekannt, dass die chi­ne­si­sche Regie­rung seit vie­len Jah­ren die ein– und aus­ge­hende Kom­mu­ni­ka­tion des Lan­des über­wa­che — so nach dem Motto, man habe damit rech­nen müs­sen. Im April 2006 habe Skype bekannt gege­ben, daß dass Tom einen Text­fil­ter betreibe, der bestimmte Wör­ter in Chat-​​Nachrichten ver­werfe.
Der Part­ner Tom sei für die wei­ter­ge­hen­den Ver­än­de­run­gen an der “Tom-​​Software” (er nennt sie nicht mehr “Tom-​​Skype”!) aus­schließ­lich selbst ver­ant­wort­lich und diese seien nicht mit Skype abge­spro­chen. Skype-​​zu-​​Skype-​​Kommunikation sei nach wie vor “abso­lut sicher und vertraulich”.

Via golem.de.

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