bcmuc08 Session: Das Web 2.0 in China

Nachdem mich das Thema „Das Web in China“ interessiert — es gibt ja auch von mir mehrere Berichte dazu — habe ich auch an der entsprechenden Session auf dem BarCamp München 2008 von Oliver Ueberholz teilgenommen.

Seine Folien gibt es hier, er ist der Webworkblogger.

Interessant fand ich seine Zahlen zum Internet in China: 253 Mio Nutzer bei 19% Internetnutzung in der Bevölkerung sprechen eine deutliche Sprache. In Deutschland sind es etwa 65%, in der EU 51%, wie berichtet.
In meinem Bericht vom Januar dieses Jahres „China beinahe größte Internet-Nation und ‚größtes Gefängnis für Journalisten‘” war China noch auf Platz 2 (mehr Statistik zu China dort) — mittlerweile ist China die größte Internet-Nation.
Besonders interessant fand ich, daß es in China zwar fünfmal mehr Internetnutzer als in Deutschland gibt, aber 215 mal mehr Blogger – d.h. die Blog-Intensität liegt um Faktor 41 höher, relativ gesehen. Dabei sind nur etwa 1/5 der Blogger in China Fachblogger, die überwältigende Mehrheit bloggt für sich, für Freunde und Familie.

Olivers Empfehlungen, alibaba.com und tudou.com (Videoportal) werde ich mir auf jeden Fall mal genauer ansehen.

Hochinteressant war, wie sich kulturelle Unterschiede auf die Websites auswirken. Also z.B. daß es in China eine jahrtausende alte Kultur des Lernens durch perfekte Nachahmung gibt, was die Freude der Chinesen an Kopien vielleicht erklärt.
Daher konnte uns Oliver eine Reihe eindeutiger Kopien von erfolgreichen Web-2.0-Sites zeigen. Interessant fand ich aber auch die Unterschiede: Praktisch alle Sites haben eine Gruppen-Funktion.
Offenbar leben Chinesen sehr stark in geschlossenen Zirkeln bzw. Kreisen (Familienkreis, Freundeskreis, Kollegenkreis), die auch relativ stark abgeschottet werden und in die man als Außenstehender nur schwer vordringen kann.

Bescheidenheit und Zurückhaltung seien die Maxime, nicht herauszustechen, so würden in Social Networks in der Regel Avatare verwendet, anstelle „echter“ Bilder.

Ziemlich schlapp fand ich seine Äußerungen zum Thema Zensur. Er hat zwar auf picidae.net hingewiesen, womit man die Zensur umgehen kann. Sein Argument, man könne die Lockerung der Zensur an der lockereren Einstellung der Zensurbehörden zum Thema Sex erkennen, finde ich ziemlich zynisch, solange in China immer noch Menschen in Straflager oder in Gefängnisse wandern, weil sie offensichtliche Mißstände anprangern.
Offenbar ist es der chinesischen Regierung gelungen, Unternehmen und Einzelpersonen von den „Vorteilen“ der Selbstzensur zu überzeugen. Einer dieser Auswüchse kam ja gerade in der Affäre „TOM-Skype“ ans Licht.

Alles in Allem ein sehr interessanter Vortrag, wenn ich auch Olivers Wertung nicht teilen kann.

Kategorisiert in Medien, Weblogs und getaggt als , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , .
Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

Ein Kommentar

  1. Am 2008-10-12 um 10:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ein vollständigerer Bericht zur Session findet sich im Xonio-Blog.

Ein Trackback

  • Von webtagebu.ch am 2008-10-12 um 08:25 Uhr veröffentlicht

    Berichte vom Barcamp München #bcmuc08…

    Habe bisher noch keine Übersicht über alle Berichte des Barcamps in München gefunden. Um diesen Bereich einmal abzudecken hier mal eine Auflistung. Ich finde es wichtig, dass auch Interessierte die nicht kommen konnten, etwas aus den S…

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*