Rogier van der Weyden (1399 - 1464) Columba-Altar, etwa 1455
Mittelteil des Triptychons, Holz, 139,5 x 152,9 cm
Erworben 1827 aus der Sammlung Boisserée
Zu sehen in der Alten Pinakothek, München (Klick auf Bild nach dem Link öffnet eine Großansicht), von dort stammt auch das gezeigte Bild. Gesamtansicht und Geschichte des Altars in der Wikipedia.
Ergebnisse der Studie „The Dark Side of Cyberspace – Inside the Sweatshops of China’s Computer Hardware Production“ vorgestellt
Die beiden Nichtregierungsorganisationen WEED (Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung – Berlin) und SACOM (Students and Scholars against Corporate Misbehaviour – Hongkong) haben diese Studie Mitte diesen Monats in Berlin vorgestellt. Sie zeichnet ein düsteres Bild der Arbeitsbedingungen in der chinesischen Elektronikindustrie. Dabei ist diese die größte der Welt. Im Jahr 2007 wurden 150 Millionen Quadratmeter Leiterplatten in China hergestellt, dreißig Prozent der gesamten Weltproduktion.
Beide untersuchten Firmen, Excelsior Electronics und Compeq Technology, beliefern internationale Markenunternehmen. So stellt Excelsior beispielsweise Mainboards, Grafikkarten und Chipsets für Intel, AMD, Fujitsu Siemens, Apple und Sony her. Compeq Technology ist ein Hersteller von Leiterplatten für Dell, Lenovo, Motorola, Nokia, Apple und Fujitsu Siemens.
Diese Unternehmen sind mitverantwortlich für die Arbeitsbedingungen, unter denen ihre Komponenten produziert werden. Und diese sind wirklich extrem:
Arbeiter erhalten bei Excelsior keine Kopie des Arbeitsvertrages ausgehändigt, wie gesetzlich vorgeschrieben.
Die gesetzliche Krankenversicherung wird bei Excelsior nicht gezahlt.
Die Löhne liegen z.T. erheblich unter den gesetzlichen Mindestlöhnen, insbesondere bei den Überstundenzuschlägen.
Überstunden werden in extremem Ausmaß erzwungen (z.T. über 360 Arbeitsstunden im Monat, anstelle der erlaubten 210).
Bei Compeq gibt es ein ausgetüfteltes System von 109 Regeln und Vorschriften, deren Verletzung mit Kündigung oder Geldstrafen geahndet wird, letztere um die Arbeiter so um ihren Lohn zu bringen. Die Strafen reichen von zwei Tageslöhnen bis über einen Wochenlohn.
Ohne vernünftige Schutzmaßnahmen sind Arbeiter bei Compeq in der Produktion giftigen Chemikalien wie Kupfersulfat, Schwefel- und Salpetersäure sowie Lösungsmitteln ausgesetzt.
Die Arbeiter werden in Schlafsälen mit bis zu vierzehn Personen eingepfercht. Die hygienischen Bedingungen lassen dort zu wünschen übrig, insbesondere auch in den Kantinen.
In den Pausen müssen die Arbeiter in Zweierreihen auf dem Fabrikgelände marschieren.
Generell ist die Ventilation unzureichend.
Die Arbeiter sitzen bis zu 12 Stunden tief über die Tische gebeugt auf Hockern ohne Rückenstütze. Ensprechend klagen viele der Arbeiter über Rückenschmerzen, Augenprobleme und Streßsymptome, die Arbeiterinnen auch zusätzlich über Menstruationsbeschwerden.
Ein Sprecher von Weed, Florian Butollo, berichtet, daß der deutsche Hersteller Fujitsu Siemens, der einen „Green PC“ im Programm hat und offiziell auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit großen Wert legt, behauptet, regelmäßige Kontrollen durchzuführen, aber von Arbeitsrechtsverletzungen nichts gehört zu haben.
Alle betroffenen Auftraggeber erhielten im Vorfeld der Veröffentlichung die Möglichkeit, sich zu den in der Studie erhobenen Vorwürfen zu positionieren. „Das Verhalten der Markenunternehmen ist beschämend. In der Regel wurde versucht, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den untersuchten Unternehmen zu verschleiern und die Probleme kleinzureden. Keines hat bislang konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen angekündigt.“, so Sarah Bormann von Weed.
Weed geht davon aus, daß die geschilderten Arbeitsbedingungen keine Einzelfälle sind und daher auch nicht auf die genannten Unternehmen beschränkt sind.
Dies bedeutet wiederum, daß ein Großteil der oben genannten 30% aller Leiterplatten unter vergleichbaren Bedingungen hergestellt wird. Somit sind auch gerade wir als Konsumenten und Käufer von Computern gefragt. Nur wenn wir massiv Druck auf die Markenhersteller ausüben, die sich ihrer sozialen Verantwortung überwiegend nicht stellen, ändern sich die Bedingungen vor Ort.
Weed versucht, gezielt die öffentlichen Auftraggeber (öffentliche Einrichtungen, Behörden, Schulen und Universitäten) in die Pflicht zu nehmen, die etwa ein Fünftel aller PCs in Deutschland beschaffen.
Bei den restlichen vier Fünfteln sind wir alle gefragt.
Die Studie gibt es hier zum Download (PDF, 942 KB).
Nach einem Bericht der BBC wird in China wieder schärfer zensiert. Die chinesische Website der BBC, BBCChinese.com, die während der Olympiade zugänglich war, ist nun wieder gesperrt.
Außer der Seite der BBC sind auch Asiaweek, Reporter ohne Grenzen und einige Sites aus Hongkong und Taiwan gesperrt.
In einer Pressekonferenz weigerte sich der Sprecher des Außenministeriums, zu bestätigen, daß die chinesische Regierung hinter der Zensur steckt.
Quentin Sommerville von der BBC in Peking kommentiert:
China steht ein schwieriges Jahr 2009 bevor — es wird erwartet, daß die dramatische Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und zunehmende Arbeitslosigkeit sozialen Unruhen bringen werden.
Außerdem stehen der zwanzigste Jahrestag der brutalen Niederschlagung der Proteste auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” bevor, sowie das fünfzigste Jubiläum der Machtübernahme Chinas in Tibet.
Zensur und interne Sicherheitsmaßnahmen werden im nächsten Jahr also wohl noch zunehmen.
Auf Telepolis gibt es ein lesenswertes Interview mit dem syrischen Menschenrechts-Blogger Muhammad Ali Abdallah über das Bloggen in Syrien, Libanon, Ägypten, Tunesien und anderen (überwiegend) arabischen Ländern.
Blogger sind in allen arabischen Diktaturen von Repressionen bedroht. Aber in diesen beiden Ländern [Syrien und Tunesien] erwarten sie neben der Schließung ihrer Seiten Haftstrafen von bis zu sieben Jahren.
Als Kollaborateure mit den dortigen Regimes prangert er Yahoo, Google und Microsoft an. Daher auch seine Schlußfolgerung:
“Die Regierungen stellen also nicht die einzige Gefahr für Cyber-Dissidenten dar”.
Fakten und Statistiken mal ganz anders, ganz anschaulich präsentiert. Wer könnte das besser, als die BBC? Luftbilder, Satellitenaufnahmen und CGI kombiniert zu atemberaubenden Bildern über Großbritannien.
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Laut Wikipedia gibt es insgesamt sechs Teile, aber ich habe auch nur die ersten drei gefunden. Update: Im dritten Teil sagt der Moderator “das ist der dritte und letzte Teil der Serie.”
Absagen gehören zur Bewerberei, klar. Und zwar auf beiden Seiten. Manche davon sind besonders ärgerlich, insbesondere wenn es nach längeren Verhandlungen eben beinahe doch zu einer Einigung gekommen wäre.
Manche sind aus einem anderen Grund ärgerlich: Eine Absage einer Firma, in der ich die Geschäftsführer und eine Reihe anderer Führungskräfte persönlich kenne und die mir nach 21,5 Monaten eine Absage schickt, finde ich nur noch peinlich. Manchmal ist es klüger, nichts zu tun.
Die Max-Planck-Gesellschaft bringt mit der Zeitschrift “Max-Planck-Forschung” ein gutes Wissenschaftsmagazin heraus, zu dessen Lesern ich auch gehöre, und für das ich auch schon mehrfach geworben habe, so auch hier. Unabhängig davon, daß ich die Website der MPG auch ein bißchen als “mein Kind” betrachte, weil ich an ihrer Entstehung signifikant beteiligt war (s. meine Projekte), finde ich die Zeitschrift immer interessant.
Bei der neuesten Ausgabe zum Thema China ist der MPG allerdings ein übler Schnitzer widerfahren.
Wie die ZEIT berichtet, ziert das Titelblatt Werbung für ein Freudenhaus in Shanghai. Auf Altchinesisch werden dort »kokette, charmante, elegante und hinreißende Frauen« angeboten. Außer »Junge, heiße Hausfrauen« werden auch »nette Showgirls« und »Mädchen für den Vormittag« offeriert.
Nachdem also nun die Kätzchen aus dem Sack sind, wäre Krisenmanagement angesagt. Doch die Max-Planck-Gesellschaft windet sich. Man habe die Bedeutung der Schriftzeichen prüfen lassen, aber der beauftragten Sinologin habe sich die subtile Sprachebene des altchinesischen Textes allerdings nicht erschlossen. Da frage ich mich, was schlimmer ist: Wenn die Behauptung wahr ist, oder wenn nicht.
Die ZEIT schreibt:
Spottmails machen die Runde, und das Originalcover bringt auch in China Wissenschaftler zum Lachen und Weinen über eine deutsche Forschungsinstitution, die von sich selbst gern behauptet, im In- und Ausland ein enormes Ansehen zu genießen.
Bulshytt: (1) In Fluccish of the late Praxic Age and early Reconstitution, a derogatory term for false speech in general, esp. knowing and deliberate falsehood or obfuscation. (2) In Orth, a more technical and clinical term denoting speech (typically but not necessarily commercial or political) that employs euphemism, convenient vagueness, numbing repetition, and other such rhetorical subterfuges to create the impression that something has been said. (3) According to the Knights of Saunt Halikaarn, a radical order of the 2nd Millennium A.R., all speech and writings of the ancient Sphenics; the Mystagogues of the Old Mathic Age; Praxic Age commercial and political institutions; and, since the Reconstitution, anyone they deemed to have been infected by Procian thinking. Their frequent and loud use of this word to interrupt lectures, dialogs, private conversations, etc., exacerbated the divide between Procian and Halikaarnian orders that characterized the mathic world in the years leading up to the Third Sack. Shortly before the Third Sack, all of the Knights of Saunt Halikaarn were Thrown Back, so little more is known about them (their frequent appearance in Sæcular entertainments results from confusion between them and the Incanters).
Usage note: In the mathic world, if the word is suddenly shouted out in a chalk hall or refectory it brings to mind the events associated with sense (3) and is therefore to be avoided. Spoken in a moderate tone of voice, it takes on sense (2), which long ago lost any vulgar connotations it may once have had. In the Sæculum it is easily confused with sense (1) and deemed a vulgarity or even an obscenity. It is inherent in the mentality of extramuros bulshytt-talkers that they are more prone than anyone else to taking offense (or pretending to) when their bulshytt is pointed out to them. This places the mathic observer in a nearly impossible position. One is forced either to use this “offensive” word and be deemed a disagreeable person and as such excluded from polite discourse, or to say the same thing in a different way, which means becoming a purveyor of bulshytt oneself and thereby lending strength to what one is trying to attack. The latter quality probably explains the uncanny stability and resiliency of bulshytt. Resolving this dilemma is beyond the scope of this Dictionary and is probably best left to hierarchs who make it their business to interact with the Sæculum.
— THE DICTIONARY, 4th edition, A.R. 3000
Neal Stephenson, Anathem, 1st Edition, Page 134ff HarperCollins Publishers, New York, 2008 ISBN 978-0-06-147409-5