Ergebnisse der Studie „The Dark Side of Cyberspace – Inside the Sweatshops of China’s Computer Hardware Production“ vorgestellt
Die beiden Nichtregierungsorganisationen WEED (Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung – Berlin) und SACOM (Students and Scholars against Corporate Misbehaviour – Hongkong) haben diese Studie Mitte diesen Monats in Berlin vorgestellt. Sie zeichnet ein düsteres Bild der Arbeitsbedingungen in der chinesischen Elektronikindustrie.
Dabei ist diese die größte der Welt. Im Jahr 2007 wurden 150 Millionen Quadratmeter Leiterplatten in China hergestellt, dreißig Prozent der gesamten Weltproduktion.
Beide untersuchten Firmen, Excelsior Electronics und Compeq Technology, beliefern internationale Markenunternehmen. So stellt Excelsior beispielsweise Mainboards, Grafikkarten und Chipsets für Intel, AMD, Fujitsu Siemens, Apple und Sony her. Compeq Technology ist ein Hersteller von Leiterplatten für Dell, Lenovo, Motorola, Nokia, Apple und Fujitsu Siemens.
Diese Unternehmen sind mitverantwortlich für die Arbeitsbedingungen, unter denen ihre Komponenten produziert werden. Und diese sind wirklich extrem:
- Arbeiter erhalten bei Excelsior keine Kopie des Arbeitsvertrages ausgehändigt, wie gesetzlich vorgeschrieben.
- Die gesetzliche Krankenversicherung wird bei Excelsior nicht gezahlt.
- Die Löhne liegen z.T. erheblich unter den gesetzlichen Mindestlöhnen, insbesondere bei den Überstundenzuschlägen.
- Überstunden werden in extremem Ausmaß erzwungen (z.T. über 360 Arbeitsstunden im Monat, anstelle der erlaubten 210).
- Bei Compeq gibt es ein ausgetüfteltes System von 109 Regeln und Vorschriften, deren Verletzung mit Kündigung oder Geldstrafen geahndet wird, letztere um die Arbeiter so um ihren Lohn zu bringen. Die Strafen reichen von zwei Tageslöhnen bis über einen Wochenlohn.
- Ohne vernünftige Schutzmaßnahmen sind Arbeiter bei Compeq in der Produktion giftigen Chemikalien wie Kupfersulfat, Schwefel- und Salpetersäure sowie Lösungsmitteln ausgesetzt.
- Die Arbeiter werden in Schlafsälen mit bis zu vierzehn Personen eingepfercht. Die hygienischen Bedingungen lassen dort zu wünschen übrig, insbesondere auch in den Kantinen.
- In den Pausen müssen die Arbeiter in Zweierreihen auf dem Fabrikgelände marschieren.
- Generell ist die Ventilation unzureichend.
- Die Arbeiter sitzen bis zu 12 Stunden tief über die Tische gebeugt auf Hockern ohne Rückenstütze. Ensprechend klagen viele der Arbeiter über Rückenschmerzen, Augenprobleme und Streßsymptome, die Arbeiterinnen auch zusätzlich über Menstruationsbeschwerden.
Ein Sprecher von Weed, Florian Butollo, berichtet, daß der deutsche Hersteller Fujitsu Siemens, der einen „Green PC“ im Programm hat und offiziell auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit großen Wert legt, behauptet, regelmäßige Kontrollen durchzuführen, aber von Arbeitsrechtsverletzungen nichts gehört zu haben.
Alle betroffenen Auftraggeber erhielten im Vorfeld der Veröffentlichung die Möglichkeit, sich zu den in der Studie erhobenen Vorwürfen zu positionieren. „Das Verhalten der Markenunternehmen ist beschämend. In der Regel wurde versucht, die wirtschaftlichen Beziehungen zu den untersuchten Unternehmen zu verschleiern und die Probleme kleinzureden. Keines hat bislang konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen angekündigt.“, so Sarah Bormann von Weed.
Weed geht davon aus, daß die geschilderten Arbeitsbedingungen keine Einzelfälle sind und daher auch nicht auf die genannten Unternehmen beschränkt sind.
Dies bedeutet wiederum, daß ein Großteil der oben genannten 30% aller Leiterplatten unter vergleichbaren Bedingungen hergestellt wird. Somit sind auch gerade wir als Konsumenten und Käufer von Computern gefragt. Nur wenn wir massiv Druck auf die Markenhersteller ausüben, die sich ihrer sozialen Verantwortung überwiegend nicht stellen, ändern sich die Bedingungen vor Ort.
Weed versucht, gezielt die öffentlichen Auftraggeber (öffentliche Einrichtungen, Behörden, Schulen und Universitäten) in die Pflicht zu nehmen, die etwa ein Fünftel aller PCs in Deutschland beschaffen.
Bei den restlichen vier Fünfteln sind wir alle gefragt.
Die Studie gibt es hier zum Download (PDF, 942 KB).
Via Telepolis und netzpolitik.org.







