Das Phänomen der Oper: Kultur macht Geld

Sparen am Kulturetat kann kontraproduktiv sein. Eine Forschergruppe am Max-Planck-Institut für Ökonomik hat herausgefunden daß kulturelle Angebote Städte und Regionen interessanter für hochqualifizierte Arbeitskräfte machen und damit ein auch ein höheres Wirtschaftswachstum in der Region fördern.

Häufig ist die Rede von „teurer Elitekunst für Eingeweihte“, wenn Theaterkarten für relativ kleine Nutzergruppen aufwendig subventioniert werden. Billiger Populismus mit teuren Karten, wie eine neue Studie nahelegt: Auch wenn nur wenige das Angebot nutzen, hat es doch weitreichende Auswirkungen.

Stephan Heblich vom Max-Planck-Institut für Ökonomik, Michael Fritsch von der Universität Jena sowie Oliver Falck vom ifo Institut in München stellten fest, daß die Zahl hochqualifizierter Beschäftigter — also solcher mit Universitätsabschluß — anstieg, je näher die jeweilige Region an einem barocken Opernhaus lag. Berücksichtigt wurden dabei 29 Opernhäuser, die in den Jahren zwischen 1648 bis 1800, also vor der industriellen Revolution, erbaut wurden. Sie entstanden ganz unabhängig vom Wohlstand des jeweiligen Herzogtums sondern hingen hauptsächlich vom Prestigestreben der jeweiligen Herzöge oder Prinzen ab.

Um alternative Erklärungen für den beobachteten Zusammenhang zwischen einem vitalen kulturellen Umfeld und einer Konzentration hochqualifizierter Arbeitnehmerschaft auszuschließen, prüften die Forscher eine Vielzahl aktueller und historischer Faktoren — etwa religiöse Einflüsse oder die Präsenz von Universitäten.

Damit konnten die Forscher nun auch methodisch nachweisen, dass das höhere Wirtschaftswachstum (gemessen am Pro-Kopf-Einkommen) in diesen Regionen nicht auf endogene Effekte zurückzuführen ist, also darauf, daß es sich hier um immer schon reichere oder gebildetere Regionen handelt, sondern daß es sich tatsächlich um einen unabhängigen exogenen Effekt handelt, der durch das kulturelle Angebot ausgelöst wird.

Die dadurch angelockten Hochqualifizierten wiederum haben einen starken Anteil daran, daß diese Regionen auch ein stärkeres Wirtschaftswachstum erfahren, wie Heblich erläutert:

„Schätzungen zeigen, daß ein Anstieg der Beschäftigten mit einem höheren Bildungsabschluss tatsächlich das Bruttoinlandprodukt erhöhen kann. Für uns ist das ein klares Indiz für regionale Wissensflüsse, die durch Hochqualifizierte ausgelöst werden.“

Damit trägt die Forschungsarbeit zur Lösung eines Henne-Ei-Problems bei, ob nämlich eine hochqualifizierte Arbeitnehmerschaft ein kulturelles Umfeld anzieht oder umgekehrt. Die Autoren konnten zeigen: Kulturförderung kann nachweislich Wirtschaftwachstum steigern.

„Das Ergebnis bleibt bestehen: Ein lebendiges kulturelles Umfeld wirkt sich positiv auf das regionale Wirtschaftswachstum aus,“ sagt Heblich.

Update: Die Studie kann von der Website des Instituts zur Zukunft der Arbeit IZA hier als PDF (346 KB, englisch) heruntergeladen werden.

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