Privatsphäre in Zeiten von Google

Auch wenn ich in der Schluß­fol­ge­rung, Google sei gut, nicht sei­ner Mei­nung bin, so gefällt mit ein Absatz aus Ana­tol Ste­fa­no­witschs Arti­kel “Pro Google Street View” so gut, daß ich ihn hier ganz zitiere (Her­vor­he­bung von mir):

Es wird in den let­zen Jah­ren ja sehr viel über die Pri­vat­sphäre gere­det. An die­ser Debatte sind zunächst Poli­ti­ker betei­ligt, die nichts dabei fin­den, detail­lierte Flug­pas­sa­gier­da­ten oder Infor­ma­tio­nen über den inner­eu­ro­päi­schen Zah­lungs­ver­kehr an die US-​​Geheimdienste zu schi­cken, die nichts dabei fin­den, zen­tra­li­siert erfasste lebens­lang gül­tige Steu­er­num­mern ein­zu­füh­ren, die ernst­haft vor­ha­ben, Schad­soft­ware auf die Rech­ner „ver­däch­ti­ger“ Per­so­nen zu schmug­geln um deren Fest­plat­ten aus­zu­le­sen, die uns bio­me­tri­sche Pässe auf­zwin­gen, weil die Regie­rung eines ande­ren Lan­des das for­dert und die in Zukunft per „De-​​Mail“ mit uns kom­mu­ni­zie­ren wol­len und uns dafür zwin­gen, pri­va­ten Fir­men wie United Inter­net oder der Tele­kom unsere Per­so­nal­aus­weis­da­ten zu über­ge­ben. Für die dürfte die Dis­kus­sion um die Ver­let­zung der Pri­vat­sphäre durch Google, Face­book und das böse Inter­net dazu die­nen, von ihrem eige­nen schwach ent­wi­ckel­ten Respekt vor allem Pri­va­ten abzulenken.

Sein Argu­ment aber, Google Mail sei ver­gleich­bar mit GMX, Free­net, Strato und den Uni­ver­si­tä­ten Ham­burg und Bre­men ist natür­lich purer Unsinn. Letz­tere sind als deut­sche Unter­neh­men an das Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz gebun­den und dür­fen eben nicht “jede Mail, die ich jemals gesen­det habe” spei­chern. Google Mail, Face­book und die Uni­ver­si­tät Rice dür­fen das, weil die USA sich zur För­de­rung der Wirt­schaft eine der rück­stän­digs­ten Daten­schutz­ge­setz­ge­bun­gen ver­gleich­ba­rer Indus­trie­na­tio­nen leis­tet. Inso­fern ist es ein ganz erheb­li­cher qua­li­ta­ti­ver Unter­schied, wo E-​​Mails und andere per­so­nen­be­zo­gene Infor­ma­tio­nen gela­gert wer­den.
Außer­dem brin­gen viele kleine Trop­fen durch­aus das Faß zum Über­lau­fen, es kön­nen also viele kleine Ver­let­zun­gen der Pri­vat­sphäre durch­aus zu einer gro­ßen aggre­giert wer­den. Und da sind Google, Face­book und Co. ganz groß im Geschäft. Davon leben sie näm­lich!
Daß ich Google durch­aus ambi­va­lent gegen­über­stehe, kann man daran sehen, daß ich sel­ber Google Ana­lytics für die­ses Blog nutze (s. meine Daten­schutz­er­klä­rung).

An Ana­tols Ker­nar­gu­ment, hier werde sym­bo­lisch die Sau Google durchs Dorf getrie­ben, um von wich­ti­ge­ren Pro­ble­men abzu­len­ken, ändert das natür­lich nichts.

Daran, daß neben der deut­schen Poli­tik auch Google, Face­book und Co. kri­tisch beob­ach­tet wer­den müs­sen, aber auch nichts.

Via rivva.de.

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