Unternehmen recherchieren Bewerber im Internet

Ich hatte über das Thema ja schon mehrfach berichtet, 01/2007 sogar mit einem konkreten Beispiel, was Unternehmen über unbedarfte Bewerber herausfinden können und wo es dann unter Umständen vorsichtshalber zu einer Absage kommt.

© Claudia Hautumm / Pixelio

Damals habe ich aus einer Studie des Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V. zitiert, die feststellte

28% der Personalexperten nutzen bereits heute das Internet, um an Informationen zur fachlichen und persönlichen Eignung oder zu Referenzen und Freizeitaktivitäten von Kandidaten zu gelangen. […] 26% der Personalberater äußerten, daß sie Kandidaten bislang schon – wenn auch selten – nach den Internet-Suchergebnissen im weiteren Auswahlprozeß nicht mehr berücksichtigt hätten.

Nun liegt eine weitere Umfrage vor: In jedem zweiten Unternehmen wird Bewerbern hinterherrecherchiert, so der IT-Branchenverband BITKOM in seiner Presseerklärung. Dabei wurden 1594 Geschäftsführer und Personalchefs befragt

  • 49% aller Unternehmen überprüfen Bewerber im Internet
  • 45%  verwenden dazu Google, Bing oder spezielle Personensuchmaschinen
  • 21% recherchiert in sozialen Online-Netzwerken, die einen beruflichen Schwerpunkt haben, zum Beispiel Xing oder LinkedIn
  • 17% recherchiert auch in sozialen Online-Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ, die einen eher privaten Charakter haben

Rechtlich gibt es bislang keine Schranken für derartige Recherchen. Das soll sich aber ändern. Ein neues Gesetz zum Arbeitnehmer-Datenschutz wird gerade entwickelt. Zwar rudert der Bundesrat gerade zurück, was seine weitergehenden Forderungen betrifft. Davon sind die geplanten Regelungen zum Bewerber-Datenschutz allerdings nicht betroffen.

Künftig soll ein Arbeitgeber nicht mehr in sozialen Netzwerken recherchieren dürfen, um sich über einen Bewerber zu informieren. Allerdings sind Internetdienste, die gerade der eigenen Präsentation des Bewerbers gegenüber möglichen Arbeitgebern dienen, explizit ausgenommen.

Die oben erwähnten, bedenkliche Recherche in sozialen Online-Netzwerken mit eher privatem Charakte wäre dann verboten.

Inwieweit ein solches Verbot aber greift, ist fraglich. „Die Recherche in privaten Online-Netzwerken durch Personaler ist in der Praxis kaum zu überprüfen, zumal sich der berufliche oder private Charakter vieler Netzwerke nicht klar abgrenzen lässt“, sagte der BITKOM-Präsident Scheer. Außerdem ist das Gesetz noch nicht in Kraft, dies soll im kommenden Jahr erfolgen.

Generell ist empfehlenswert, die im Internet vorhandenen Informationen aktiv zu steuern. Dies empfiehlt auch der BITKOM: „Bewerber sollten dafür sorgen, dass im Internet vorteilhafte Angaben, Äußerungen oder Fotos über sie zu finden sind“ und empfiehlt ein Bündel von vier Maßnahmen:

1. Sich selbst suchen: Wer seinen Namen in Suchmaschinen eingibt, bekommt schnell einen Überblick, was über ihn im Web zu finden ist. Neben Google, Bing und Yahoo gibt es dafür spezielle Personensuchmaschinen wie Yasni oder 123People.

2. Eigene Präsenz aufbauen: Profile in Online-Netzwerken oder eine eigene Website erscheinen in den Ergebnislisten der Suchmaschinen in der Regel oben und bestimmen damit die Außenwirkung. Für das Anlegen eines persönlichen Profils eignen sich berufliche Online-Netzwerke wie Xing und LinkedIn sowie Jobportale wie Stepstone oder Monster.

3. Meinungen kontrolliert äußern: Wer sich im Internet in Blogs oder Foren mit kompetenten Beiträgen äußert, wird positiv wahrgenommen. Beleidigende Äußerungen sind dagegen ein Tabu. Wer sich privat zu Hobbys oder auch Krankheiten austauschen will, muss nicht seinen echten Namen nennen. Ein beliebiger Benutzername ist in der Netzgemeinde weithin akzeptiert.

4. Unvorteilhafte Fotos entfernen: Jeder Mensch hat ein Recht am eigenen Bild. Sollten andere Privatpersonen oder Betreiber von Webseiten unvorteilhafte Fotos von einem selbst veröffentlich haben, kann man die Entfernung aus dem Internet verlangen.

Via gulli.de und heise.de.

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