Bradley Manning zu seinen Haftbedingungen: Schlimmer, als die US-Army zugibt

Ich habe ja bereits in mei­nem Arti­kel “Brad­ley Man­ning — Mili­tär­haft für Zivil­cou­rage” berichtet, daß die US-​​Vorstellungen von einer kor­rek­ten und fai­ren Behand­lung Man­nings doch recht stark von denen zivilisierterer Länder abweichen.

Leider ist die Realität noch deutlich schlimmer: David House, einer der wenigen Freunde Bradley Mannings, die ihn besuchen dürfen, berichtet von erheblichen Unterschieden und Ungereimtheiten zur offiziellen US-Army-Berichterstattung über dessen Haftbedingungen:

Manning is held in “maximum custody,” the military’s most severe detention policy. Manning is also confined under a longstanding Prevention of Injury (POI) order which limits his social contact, news consumption, ability to exercise, and that places restrictions on his ability to sleep.

Manning has been living under the solitary restrictions of POI for five months despite being cleared by a military psychologist earlier this year, and despite repeated calls from his attorney David Coombs to lift the severely restrictive and isolating order. POI orders are short-term restrictions that are typically implemented when a detainee changes confinement facilities and these orders are lifted after the detainee passes psychological evaluation.

Am achtzehnten Dezember konnte House Manning erneut besuchen und Manning zu verschiedenen Haftbedingungen befragen.
In seinem Artikel nimmt House die einzelnen Punkte noch weiter auseinander, ich beschränke mich hier auf eine Aufzählung:

  • Manning bekommt keine Zeitungen oder Zeitschriften.
  • Sein Fernsehkonsum ist sehr wohl beschränkt, er darf keine internationalen Fernsehsender sehen. Seine Fernsehzeiten werden ihm typischerweise zu einem Zeitpunkt gewährt, an dem nicht einmal lokale Nachrichten laufen (7 – 8h abends).
  • Anders als behauptet, darf Manning keinen Sport treiben, sondern wird aktiv daran gehindert. Im Freien war er nur einige wenige Male, zuletzt vor über einem Monat.
  • Mannings Bett ist alles andere als adäquat, wie behauptet:

    Die beiden verfügbaren Decken („blankets“ = Decken, nicht Laken, wie ich fälschlich übersetzt hatte) sind offenbar so rauh und steif, daß Manning Wundstellen („carpet burn“) befürchtet.

    Außerdem scheint ständig Licht aus dem Gang durch ein Oberlicht in die Zelle, vermutlich damit die Wachen wie geschildert alle fünf Minuten prüfen können, ob er noch in Ordnung ist. Wie geschildert, wird er geweckt, wenn er Decken über seinen Kopf zieht oder sich zur Wand hin dreht, also versucht, der Dauerbeleuchtung zu entgehen.

Glenn Greenwald, von dem auch der bereits zitierte Artikel auf Salon.com stammt, wirft den USA zu Recht vor, sich in eine Reihe mit von den US-Offiziellen kritisierten Unrechtsstaaten zu stellen:

As is true for so much of what it does, the U.S. Government routinely condemns similar acts — the use of prolonged solitary confinement in its most extreme forms and lengthy pretrial detention — when used by other countries. See, for instance, the 2009 State Department Human Rights Report on Indonesia [… ,] Iran [… ,] Israel [… ,] Iraq [… ,] Yemen [… ,] Central African Republic [… and] Burundi.

 

Zuvor hatte er bereits darauf hingewiesen, daß die USA selbst einer schlimmsten Vertreter im Gebrauch von verlängerter Einzelhaft sind:

The U.S. is one of the world’s most prolific practitioners of prolonged solitary confinement: unsurprising given that it enjoys the distinction of being the world’s largest Prison State and the Western world’s most merciless one. As NPR noted in 2006, there are roughly 25,000 prisoners in the U.S. kept in those conditions. But the vast, vast majority of them — unlike Manning — have actually been convicted of crimes. It is very rare (though, when it comes to Muslims accused of Terrorism, by no means unheard of) for these conditions to be imposed on people who have yet to be convicted of anything and never posed any threat to prison security. Prolonged solitary confinement is inhumane, horrendous and gratuitous even when applied to those convicted of heinous crimes, but the fact that it’s being done to Manning here in order to „persuade“ him to offer incriminating statements against WikiLeaks and Julian Asange makes it particularly repellent.

Mit dem „Muslims accused of Terrorism“ meint er natürlich die Guan­tá­namo-Insassen, deren Haftverlängerung gerade von der Obama-Regierung vorbereitet wird, wie heute von mir berichtet.

Zurück zu Manning: House fordert seine Leser auf, eine Petition zu unterstützen, damit Manning endlich aus der „Prevention-of-Injury“-Haft entlassen wird. Dem kann ich mich nur anschließen!

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