Druckkostenzuschüsse: Die Käuflichkeit der Holzmedien

In mei­nem Arti­kel “Stu­die: Jour­na­lis­ten schrei­ben von­ein­an­der ab” hatte ich zitiert:

“Jour­na­lis­ten haben einen schlech­ten Ruf: Zu dreist, zu unmo­ra­lisch, zu wenig Dis­tanz und zuviel PR in der Berichterstattung.”

Die­ser miese Ruf konnte wie­der mal bestä­tigt wer­den: Für die TAZ hat Sebas­tian Hei­ser geprüft, inwie­weit sich gerade nicht klar als Wer­bung gekenn­zeich­nete Schleichwerbe-​​Artikel bei ver­schie­de­nen Zei­tun­gen unter­brin­gen las­sen, sei es nun für groß­zü­gige “Druck­kos­ten­zu­schüsse” oder beglei­tende Anzeigen.

Das Ergeb­nis ist ziem­lich pein­lich für die Bran­che. Von den zehn ange­spro­che­nen Zei­tun­gen wie­sen nur das Han­dels­blatt und der Spie­gel das unsitt­li­che Ansin­nen klar zurück.

Auf den ers­ten Blick scheint auch die BILD-​​Zeitung seit den Zei­ten Hans Essers dazu­ge­lernt zu haben. Aller­dings hält man sich im Hause BILD eine kleine schmut­zige Schwes­ter: Den Schleich­wer­bern steht offen­bar die Bild am Sonn­tag weit offen.

“Im Prin­zip […] für alles offen” prä­sen­tie­ren sich auch die Frank­fur­ter Rund­schau und die Mär­ki­sche All­ge­meine Zei­tung.
Das Neue Deutsch­land geniert sich auch nicht, das Darm­städ­ter Echo ist eben­falls gegen Bezah­lung wil­lig.
Alle diese Blät­ter brin­gen Schleichwerbe-​​Artikel nach Hei­sers Recher­chen unge­niert unge­kenn­zeich­net im redak­tio­nel­len Teil unter, vor­aus­ge­setzt es wer­den “Pro­duk­ti­ons­kos­ten­zu­schüsse” gezahlt oder genü­gend Anzei­gen geschaltet.

Die etwas scham­haf­te­ren Zei­tun­gen nut­zen dafür Son­der­ver­öf­fent­li­chun­gen oder Beilagen.

Die ZEIT bet­tet ent­spre­chende Sei­ten­blö­cke in ihren redak­tio­nel­len Teil ein. Auf Nach­frage redet sich die Chef­re­dak­tion dar­auf her­aus, daß die Seite oben ja (klein) als “Anzei­gen­spe­zial des Zeit-​​Verlags” gekenn­zeich­net sei und sich im Lay­out deut­lich unter­scheide. Als Abon­nent und Leser weiß ich, daß das nicht immer auf­fällt. Dies scheint sehr wohl beab­sich­tigt, wirbt doch die Anzei­gen­ab­tei­lung ganz gezielt mit “Ihre Anzeige in redak­tio­nel­ler Anmutung”.

Die West­deut­sche All­ge­meine Zei­tung läßt sich über die WAZ-​​gruppenweiten Son­der­ver­öf­fent­li­chun­gen  kau­fen und hält extra für die­sen Zweck einen aus­führ­li­chen, 60-​​seitigen Schleich­wer­bungs­ka­ta­log bereit.

GEO Sai­son schreibt The­men­hefte zu bestell­ten The­men zwar sel­ber, gibt aber den Inhalt der pas­sen­den Bei­lage frei.

Mein Fazit aus Hei­sers Recher­che: Das Gros der geprüf­ten Zei­tun­gen hat sich mit der Schleich­wer­bung präch­tig arran­giert und lebt gut davon und damit.

Daß diese Wer­be­form der­art sys­te­ma­tisch inte­griert ist, zeugt von hoher kri­mi­nel­ler Ener­gie, geht es doch um viel Geld. Wie Hei­ser näm­lich dar­legt, ist die Wer­bung in der vor­lie­gen­den Form straf­bar. Dies gilt nicht nur für das unver­fro­rene Mischen von Schleichwerbungs-​​Artikeln unter redak­tio­nelle Inhalte. Auch die nicht aus­rei­chend gekenn­zeich­ne­ten Son­der­ver­öf­fent­li­chun­gen, Spe­cials und Bei­la­gen sind straf­bar, auch in der gezielt ver­wisch­ten Form bei der ZEIT.

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Ein Trackback

  • Von 23.09.2011; Rasthaus Blues am 2011-09-24 um 08:44 Uhr veröffentlicht

    […] Man hat nichts dar­aus gelernt. Bevor Ihr Euch also die nächste Auto­Bild Klas­sik, Oldtimer-​​Markt, Motor-​​Klassik und andere aus mei­ner Sicht kaum bes­sere Maga­zine kauft, soll­tet Ihr mal einen echt guten Blog­bei­trag  lesen, von Mar­tin Emme­rich über käuf­li­che Medien. […]

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