Ihr seid nicht die digitale Gesellschaft!

Frisch im Netz prä­sen­tiert sich seit weni­gen Tagen der Ver­ein “Digi­tale Gesell­schaft”. Dabei gibt es ihn — so Julia See­li­ger in der taz — bereits seit einem Drei­vier­tel­jahr.
Die Grün­dung ist offen­sicht­lich inhalt­lich, zeit­lich und räum­lich inspi­riert von der Enquète-​​Kommission “Inter­net und digi­tale Gesell­schaft”, die seit dem fünf­ten Mai ver­gan­ge­nen Jah­res im Auf­trag des Bun­des­tags die Aus­wir­kun­gen des Inter­nets auf Poli­tik und Gesell­schaft unter­sucht und der auch Ver­eins­spre­cher Mar­kus Becke­dahl als Sach­ver­stän­di­ger ange­hört.
Als The­men, die der Ver­ein bear­bei­ten will, wer­den auf der Web­site Lobby-​​Transparenz, Open Data, Daten­schutz, Vor­rats­da­ten, Urhe­ber­recht und Netz­neu­tra­li­tät genannt.

Alles The­men, die Becke­dahl und seine Kol­le­gen schon seit Jah­ren in sei­nem von mir regel­mä­ßig gele­se­nen Blog netzpolitik.org bearbeiten.

Und doch, bei aller inhalt­li­chen Sym­pa­thie, für das “Was”, auch das “Wer”:

Das “Wie” läßt arg zu wün­schen übrig!

Tritt doch Becke­dahls Ver­ein groß­kot­zig mit dem Slo­gan auf “Wir sind die digi­tale Gesellschaft!”.

Nein, seid Ihr nicht! Ihr seid viel­leicht eine digi­tale Gesell­schaft. Eine digi­tale geschlos­sene Gesell­schaft, die sich von der ein­zig ech­ten digi­ta­len Gesell­schaft bewußt abgrenzt, um ihre Geschlos­sen­heit zu bewahren.

Ich habe nichts dage­gen, daß Leute von dem, was sie gerne und gut machen, gut leben kön­nen. Dies schließt aus­drück­lich auch Becke­dahl oder /​/​padeluun mit ein.

Ich ver­wahre mich aber gegen den Anspruch, der Ver­ein sei “Die digi­tale Gesell­schaft”. Genau die­ser Punkt ist es, den Jörg-​​Olaf Schä­fers in sei­ner Stel­lung­nahme zu den Vor­wür­fen auf netzpolitik.de gerade eben nicht ein­geht. Was für eine Unver­fro­ren­heit, ein klei­nes eli­tä­res Häuf­lein als “Die digi­tale Gesell­schaft” zu präsentieren!

Der Allein­ver­tre­tungs­an­spruch, die Intrans­pa­renz über die Zusam­men­set­zung des Ver­eins und der Allein­ge­stal­tungs­an­spruch des Ver­eins sind es, die zum Him­mel stin­ken.

Ihr seid nicht die digi­tale Gesellschaft!

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2 Kommentare

  1. Am 2011-04-16 um 19:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Genau die­ser Punkt ist es, den Jörg-​​​​Olaf Schä­fers in sei­ner Stel­lung­nahme zu den Vor­wür­fen auf netzpolitik.de gerade eben nicht eingeht.

    Aus gutem Grund. Ich bin weder Mit­glied noch Spre­cher der “Digi­ta­len Gesell­schaft”. Dem­ent­spre­chend han­delt es sich auch nicht um eine Stel­lung­nahme zu irgend­wel­chen Vorwürfen.

  2. Am 2011-04-16 um 20:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Jörg-​​Olaf,
    danke für den Hin­weis — lei­der konnte ich das man­gels Trans­pa­renz bei den Gesell­schaf­tern ja lei­der nicht nach­prü­fen.
    Aus mei­ner Sicht ist der groß­kot­zige Name der Gesell­schaft und der damit impli­zit ver­bun­dene Ver­tre­tungs­an­spruch wirk­lich übel.
    Ansons­ten ist mir jeder Recht, der die The­men beackert.

Ein Trackback

  • Von Geschlossene Gesellschaft? » Der Freidenker am 2011-04-18 um 16:29 Uhr veröffentlicht

    […] spiel­ten, ent­geg­net Becke­dahl auf den Vor­wurf der Selbst­be­spie­ge­lung. Tat­säch­lich fällt auf, dass die Kri­tik – Geschlos­sene Gesell­schaft statt Digi­tale Gesell­schaft – an sei­nem neu­es­ten Projekt […]

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