Fragwürdiger Start der „Digitalen Gesellschaft“

Eigentlich sind mir die Inhalte, die die Digitale Gesellschaft bearbeiten möchte, sehr wichtig. Vielleicht ist das in meinem vorigen Artikel „Ihr seid nicht die digi­tale Gesellschaft!“ ein bißchen zu kurz gekommen.
Um so besser, daß sich mehr und mehr Interessenvertretungen, Vereine und Initiativen um Lobby-​​Transparenz, Open Data, Daten­schutz, Vor­rats­daten, Urhe­ber­recht und Netz­neu­tra­li­tät kümmern. Da ist mir jede Unterstützung willkommen. Um ‚mal Felix von Leitner (fefe) zu zitieren:

An ihren Taten soll man sie messen. Und Markus tut gute Dinge.
 
Ob dieser Verein auch gute Dinge tut, das werden wir sehen.

Ich traue es Beckedahl wirklich zu, daß er das schafft.

Allerdings muß sich auch ein Unterstützer an den eigenen Standpunkten messen lassen. Unter dem Menüpunkt „Lobby-Transparenz“ definiert die „Digitale Gesellschaft“ den ihren zu Transparenz und Lobbyismus:

„Wer spielt welches Spiel? Wir wollen Licht ins Dunkel bringen. […] Wir fordern: Lobbying darf nur transparent stattfinden. …“

Genau diese Transparenz bleiben sie über sich aber eben schuldig. Wer die Spieler hinter der „Digitalen Gesellschaft“ sind, bleibt im Dunkeln. Nur Ver­eins­spre­cher Mar­kus Becke­dahl tritt in die Öffentlichkeit. Jörg-​​Olaf Schä­fers gehört nicht dazu, scheut sich aber nicht, seinen netzpolitik.org-Kollegen für das ZDF zu interviewen, ohne auf die Beziehung hinzuweisen. Auch hier wäre mehr Transparenz besser gewesen.
Natürlich muß Kritik am Interview im Nachhinein spekulativ bleiben. Von einem Journalisten würde ich aber schon die Frage erwarten, wie es ein geschlossener Verein wagen kann, sich als „Die Digitale Gesellschaft“ (siehe „Wir sind die Digitale Gesellschaft!“ — Hervorhebung von mir) zu apostrophieren.

Und dieser Punkt stellt die immense Anmaßung des geschlossenen Vereines „Digitalen Gesellschaft“ dar. Diese enorme Provokation hat die Kritik verdient, die gerade über sie hereinbricht.
Hätte sich der Verein als „Digitale Gesellschafter“ bezeichnet und mit dem Slogan „Wir sind Teil der digitalen Gesellschaft!“ geworben, wäre das Auftreten ein ganz anderes, ein viel bescheideneres gewesen. So aber maßt sich der Verein einen Alleinvertretungsanspruch an, der ihm nicht zusteht.
Ich kann daher gut verstehen, wenn Jörg Tauss fordert, die „Digitale Gesellschaft“ auf Eis zu legen, das gehe so nicht!

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Ein Kommentar

  1. Am 2011-04-18 um 00:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Eine gute Analyse des Alleinvertretungsanspruchs der „Digitalen Gesellschaft“ anhand der eigenen Äußerungen gibt es von F!XMBR.

    Auch wenn ich die dort in einem anderen Artikel vorgetragene These, es handle sich dabei um ein U-Boot der Grünen für arg überzogen und arg paranoid halte.

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