



Summertime, and the livin’ ist easy — nicht wirklich, was die Jahreszeit betrifft, aber das Wetter ist so warm, daß ich im Halbschatten auf dem Balkon sitzen, einen schönen Weißwein trinken und die erste Havanna des Jahres rauchen kann.
Eine mörderische Arbeitswoche liegt hinter mir, der Kulminationspunkt eines sehr anstrengenden Arbeitsmonats. Das “nebenbei” erstellte Angebot wurde am Freitagmittag abgegeben — laut den Kollegen mit Bravour, der Druck hat nachgelassen und endlich ist auch einmal Zeit zum Nachdenken.
Genau richtig für einige Denkanstöße, wie sie der von mir sehr geschätzte Joseph Weizenbaum, dessen Todestag übermorgen vier Jahre her ist, immer noch zu liefern vermag.
In Kooperation mit Golem.de stellen die Dokumentarfilmer Silvia Holzinger und Peter Haas größtenteils unveröffentlichte Interviewsequenzen sowie Ausschnitte aus ihrem Film “Rebel at work” online.
Vor einem Monat ist der Artikel “Welche Rolle spielt Wissenschaft?” mit den drei Kurzvideos
erschienen. Heute wurde die Fortsetzung “Ohne Informatiker ist ein Krieg unmöglich” veröffentlicht, die die Denkanstöße
enthält. Den Dokumentarfilm “Weizenbaum. Rebel at work.”, bei dessen Erstellung die Vdeos gedreht wurden und den ich sehr empfehle, kann man direkt bei den Filmemachern auf DVD bestellen! Einen sehenswerten Trailer gibts da auch.
Ein Porträt der beiden Filmemacher, über die Schwierigkeiten, den Dokumentarfilm zu finanzieren und ihr E-Book darüber gibt es auch bei Golem.
Wer Gelegenheit hat, sollte auch unbedingt in den Kinofilm “Plug & Pray” gehen, das lohnt sich! Ergänzend dazu auch noch mal der Verweis auf den Blogartikel von Gunnar Eriksohn, in dem er anläßlich des Kinofilms über die Wirkung von Joseph Weizenbaums Kritik schreibt.
Der Rest Riesling ist getrunken, die Zigarre kalt, der Abend auch. Ich mochte den weisen alten Mann. T’aint nobody’s business if I do.
Auch am zweiten Tag bloggen Kevin Gosztola weiter für firedoglake vom Rande des Verfahrens und Annika Kremer weiter auf Gulli (über den ersten Tag habe ich ja bereits berichtet).
Bildquelle: Stringer/Reuters
Der Antrag von David E. Coombs, Mannings Verteidiger, der vorsitzende Ermittler Lieutenant Colonel Paul Almanza möge zurücktreten, wurde abgelehnt. Almanzas Rolle in der Voruntersuchung entspricht der eines Richters in einem nicht-militärischen Verfahren.
Coombs wirft Almanza aus mehreren Gründen Befangenheit vor, unter Anderem weil dieser alle 20 beantragten Zeugen der Anklage zugelassen hatte und von den 48 Zeugen der Verteidigung außer den 10 gemeinsamen Zeugen mit der Anklage nur zwei weitere, d.h. 36 Zeugen der Verteidigung (=3/4) wurden nicht zugelassen.
Seit anderthalb Jahren sitzt Bradley Manning mittlerweile in Untersuchungshaft, ohne auch nur einem Richter vorgeführt worden zu sein. Acht Monate davon mußte er in Einzelhaft verbringen — unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen (Stichworte “Sensorische Deprivation” und “Isolationsfolter”), die u.A. vom UN-Sonderberichterstatter über Folter und andere grausame, unmenschliche oder herabwürdigende Behandlungen oder Bestrafungen und vom Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages kritisiert worden sind.
Die US-Regierung will Manning den Prozeß machen, weil er schwerste Menschenrechtsverletzungen der USA offengelegt hat.

Mahnwache von Veterans For Peace, einer der Bradley Manning unterstützenden Organisationen, vor dem Weißen Haus
Als Mittel sollen verschiedene IT-Delikte, Verstöße gegen Militärvorschriften sowie als schwerstes Geschütz ein Verstoß gegen den “Espionage Act” dienen. Dieser sollte ursprünglich im ersten Weltkrieg eine Schwächung der US-Truppen verhindern — seine Anwendbarkeit in Friedenszeiten ist stark umstritten. Auch gegen Ellsberg und Russo im Falle der Watergate-Skandals hatte man versucht, den “Espionage Act” anzuwenden und in erster Instanz auch Recht bekommen. Erst der Oberste Gerichtshof hob diese Entscheidung auf.
Als Mitglied des Militärs ist Mannings Position vermutlich schlechter. Schlimmstenfalls droht ihm als “Unterstützer des Feindes” die Todesstrafe. Angeblich habe aber die Anklage signalisiert, eine lebenslange Haftstrafe fordern zu wollen.
Schon die übrigen Punkte reichten laut Anklage für eine 52jährige Haftstrafe.
Die nun ab dem 16. Dezember angesetzte überwiegend öffentliche, etwa fünf Tage dauernde Anhörung soll laut Mannings Verteidiger als erster Schritt in Richtung eines Prozesses Stärken und Schwächen der Vorwürfe der Regierung prüfen und der Verteidigung Gelegenheit bieten, den Fall auszuloten. Dafür kann sie eigene Zeugen aufrufen und die der Regierung ins Kreuzverhör nehmen.
Unterstützer Mannings haben für den 16. Dezember eine Mahnwache und für den 17. Dezember, Mannings 24. Geburtstag, eine Demonstration angekündigt.
… Hiroyuki Watanabe, ein Mitglied des Stadtrats von Iwaki, einer Kleinstadt an der Sperrzone, hat einige der Arbeiter befragt. Er sagt, viele wurden von Zeitarbeitsfirmen geschickt, die ihnen weder Arbeitslosen– noch Krankenversicherung bezahlen. Das sei illegal. …
Laut Watanabe sind Arbeiter völlig auf sich gestellt, sobald sie die maximal zulässige Strahlendosis abbekommen haben und nicht mehr in die Anlage dürfen. Sie bekämen anschließend keinerlei Unterstützung – weder von Tepco noch von der Regierung. …
Die ZEIT “Japan: In der Vorhölle zum AKW Fukushima” [Link leider nicht mehr verfügbar]
Ein Fußballtrainingscamp ist seit dem GAU in Japan Unterkunft Tausender Arbeiter, die versuchen, die Reaktorruinen zu sichern. Fotos zeigen ihren Alltag in J-Village.