Montag, 21. April 2008
Nach einer Umfrage des BITKOM-Verbandes (Forsa befragte dazu 1000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten) hängt die private E-Mail-Nutzung stark vom Bildungsgrad ab.

„Die digitale Kluft ist in Deutschland weiterhin erschreckend groß“, kommentierte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer die Zahlen. Bildungsferne Schichten verfügten seltener über einen Internet-Anschluß. Laut BITKOM wollen die Gerätehersteller entsprechend reagieren und auch in Deutschland vermehrt einfach ausgestattete und sehr preiswerte Geräte anbieten.
Scheer kritisierte die IT-Ausstattung deutscher Schulen, sie sei „so schlecht wie in kaum einem anderen europäischen Land“. Er fordert, Informatik als Pflichtfach an den Schulen einzuführen, schließlich handle es sich um eine Kulturtechnik „wie Lesen und Schreiben“.
Via golem.de.
Sonntag, 13. April 2008
2005 startete das Portal iRights.info zum Thema “Urheberrecht in der digitalen Welt”. 2006 wurde es mit dem Grimme Online Award im Bereich Information ausgezeichnet.
Die wichtigsten Texte dieser Website sind nun in aktualisierter überarbeiteter Form als 385 Seiten umfassendes Buch erschienen:
Urheberrecht im Alltag. Kopieren, bearbeiten, selber machen
herausgegeben von Valie Djodjevic, Robert A. Gehring, Volker Grassmuck, Till Kreutzer und Matthias Spielkamp, Bonn 2008, 385 Seiten, Bereitstellungspauschale: 2 Euro
Das Buch kann über die Website der Bundeszentrale für Politische Bildung bestellt werden.
Alle Texte seien auf den neuesten Stand gebracht worden, so dass auch die Gesetzesänderungen durch die Urheberrechtsnovelle vom 1. Januar 2008 berücksichtigt sind. Es sei gelungen, die nichtlineare Struktur der Website in eine Form zu bringen, die die Nutzung des Buchs so einfach und übersichtlich wie möglich mache. Auch die Links, die in der Website auf andere Text verweisen, seien so umgesetzt worden, dass sie jetzt entweder auf bestimmte Buchtexte hinwiesen, oder auf Quellen in Webangeboten, Zeitschriften und Büchern. Die Literaturliste und das ausführliche Register machten das Buch zu einem einfach und zugleich zuverlässig nutzbaren Nachschlagewerk.
Der Preis von 2 Euro wird von der Bundeszentrale für politische Bildung, die das Buch in Auftrag gegeben hat, subventioniert.
Die Inhalte der Website iRights.info wurden übrigens unter einer Creative-Commons-Lizenz (”by-nd” = Namensnennung, keine Bearbeitung) veröffentlicht, vermutlich gilt das auch für das daraus entstandene Buch.
Donnerstag, 10. April 2008
Ein neuer alter Buchstabe ist nun auch seit 04.04.2008 genormt. Das Versal-Eszett, das seit einigen Jahren wieder in der Diskussion von Schriftgestaltern ist, spätestens seit dem Erscheinen der Zeitschrift SIGNA Nr. 9, 2006. Diese Zeitschrift belegt, daß es sich dabei nicht um eine neumodische Spinnerei geht, sondern das sich das Antiqua-ß bis auf 1667 zurückführen läßt und die früheste Versal-Eszett-Type auf 1879. Nun wurde das Unicode-Zeichen U+1E9E als “latin capital letter sharp s” im zweiten Anlauf mit Unterstützung des DIN genormt; der erste Anlauf des SIGNA-Herausgebers war fehlgeschlagen.
Der Wikipedia-Eintrag dazu führt auch Quellen für Tastaturtreiber und Schriften auf. Interessant finde ich auch den dort verlinkten Beitrag im Type-Forum, der einen Versuch des DDR-Duden-Verlags schildert, im Jahr 1965 ein solches Versal-Eszett einzuführen.
Update 25.06.2008:
Am 23.06.2008 wurde das Versal-Eszett auch in der Norm ISO/IEC 10646 genormt.
Via golem.de.
Samstag, 5. April 2008
Der Bürgerrechtler Hu Jia, aus dessen offenen Brief “The Real China and the Olympics” ich neulich Auszüge veröffentlicht habe, weil er seit Ende Dezember 2007 in Haft ist, wurde am Donnerstag zu 3½ Jahren Haft verurteilt.
Diesen Brief und ähnliche Aktivitäten wertet das Erste Mittlere Volksgericht in Peking als des “Aufruf zur Untergrabung der Staatsgewalt”.
Jia war Ende Dezember festgenommen worden und hatte zuvor zwei Jahre unter Hausarrest gestanden, weil er sich für Menschenrechte, Umweltschutz und HIV-Infizierte engagiert hatte. Seine Verhaftung war weltweit von Politikern und Menschenrechtsgruppen kritisiert worden.
Zuvor hatte sich sich Hu Jia bei einer Anhörung des Europaparlaments über die Menschenrechtslage in China, über das Internet auch kritisch über die Olympischen Spiele in Peking geäußert.
Daher forderte dann auch bei seiner Verhaftung der deutsche Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), seine sofortige Freilassung.
Der Verdacht liegt nahe, daß außer Ha Jiu auch andere Dissidenten vor den Olympischen Spielen eingeschüchtert werden sollen. Gerade hatte Amnesty International die Menschenrechtssituation in China als “beschämend” kritisiert. Ihr vor den Olympischen Spielen gegebenes Versprechen, die Menschenrechte zu verbessern, habe die Regierung in Peking nicht eingehalten.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will sich aus der Diskussion heraushalten, mahnt aber eine Aufhebung aller Blockaden im Internet in China an. Die rund 30.000 Journalisten sollen so frei wie gewohnt arbeiten könnten. Schließlich geht es um ein Milliardengeschäft.
Mittwoch, 2. April 2008
Vier Monate vor Beginn der Olympischen Spiele hat Amnesty International (ai) die Menschenrechtssituation in China als “beschämend” kritisiert. Ihr Versprechen, die Menschenrechte zu verbessern, habe die chinesische Regierung nicht eingehalten. “Die Lage hat sich eher verschlechtert als verbessert”, sagte ai-Generalsekretärin Barbara Lochbihler am gestrigen Dienstag in Berlin. “Zur Zeit werden verstärkt Menschenrechtsaktivisten in und um Peking mundtot gemacht, in Tibet regieren Gewaltmissbrauch, mutmaßliche Folter und strikte Medienblockade.” Amnesty fordert eine unabhängige Untersuchung des Vorgehens der Sicherheitskräfte in Tibet.
Trotzdem hält sich das IOC weiter aus allen Diskussionen heraus und betreibt “Business as usual”, ja, wiegelt sogar ab: Die Olympiade sei “mehr als je zuvor in Fragen hineingezogen worden, die nicht unbedingt eine Verbindung zur Austragung der Spiele haben”, sagte der Chef der IOC- Koordinierungskommission, Hein Verbruggen, bei einer Sitzung mit den Olympia-Organisatoren in Peking.
Lediglich die Internet-Blockade wird vom IOC kritisiert: Der Vizevorsitzende des IOC forderte eine Aufhebung aller Blockaden im Internet in China, damit die rund 30.000 Medienvertreter so arbeiten könnten, wie sie es gewohnt seien. Die Vermutung liegt nahe, daß hier nur protestiert wird, weil das Geschäft betroffen werden könnte.
Vom chinesischen Außenministerium wurde diese Forderung zurückgewiesen: Die “Verwaltung des Internets” folge nur internationaler Praxis. Blockaden richteten sich gegen Informationen, die in China gesetzlich verboten seien. Das täten andere Staaten auch: “Das ist ganz normal.”
Amnesty warf China vor, seine Zusage der freien Berichterstattung nicht eingehalten zu haben. Vor allem müsse Journalisten auch ungehinderter Zugang nach Tibet gewährt werden. Lochbihler beklagte auch, daß chinesische Journalisten zensiert würden und für kritische Artikel Haftstrafen riskierten. “Es ist höchste Zeit, dass das IOC und die Regierungen dieser Welt, aber auch Sponsoren wie Adidas und Volkswagen, ihren Einfluß geltend machen und öffentlich einen Wandel fordern.” China müsse auch alle politischen Gefangenen sofort freilassen.
Human Rights Watch forderte die IOC-Ethik-Kommission auf, klare Menschenrechtsstandards für Gastgeber von Olympischen Spielen zu definieren. Das IOC arbeite in einer “moralischen Leere”. “Die Frage ist nicht, ob das IOC eine Menschenrechtsorganisation ist”, sagte Sophie Richardson, Asiendirektorin der Menschenrechtsgruppe. “Es geht darum, ob die Olympische Bewegung die Menschenrechte respektiert. Wenn das der Fall ist, ist es nicht akzeptabel, weiter über Chinas Verfolgung zu schweige”. Die Menschenrechtslage in China werder vom IOC untergraben und die Olympische Charta “verspottet” weil es sich nicht von den Verstößen in Verbindung mit den Spielen distanziere.
Bei einem Besuch in Peking forderte der Grünen-Politiker Jürgen Trittin, daß den Sportlern bei den Spielen “kein Maulkorb” verpaßt werden dürfe. “Die müssen sich genauso frei äußern dürfen wie unsereins auch.” Er forderte Wirtschaft und Sponsoren auf, klarer Position zu beziehen und auf chinesische Verantwortliche einzuwirken. Es dürfe “keine Leisetreterei” geben. Trittin lehnt Boykottmaßnahmen ab weil das nur nur zu einer “Verhärtung” führe. “Transparenz und Dialog müssen der Weg sein, um aus dieser Krise herauszukommen.”
China protestierte gegen die Einladung des Europa-Parlaments an den Dalai Lama und einen nur kurzen Zwischenstopp des religiösen Oberhauptes der Tibeter nächste Woche in Tokio auf seinem Weg in die USA.
Mittwoch, 19. März 2008
Die Ergebnisse der jährlichen Gehaltsumfrage der c’t aus Heft 06/2008 stehen nun auch online zur Verfügung.
Das ist DIE Quelle im deutschprachigen Raum für Gehaltsangaben.
Sonntag, 9. März 2008

Gestorben am 05.03.2008 im Alter von 85 Jahren, keine 2 Monate nach seinem Geburtstag.
Ich trauere um ihn.
Update:
Nachrufe auf
Sein entscheidender Artikel von 1972: “Unsere Zivilisation steht heute am Anfang einer schweren geistigen Krise. […]”.
Mittwoch, 5. März 2008
Die Computerwoche hat eine Gehaltsumfrage durchgeführt und daraus eine Studie erstellt, auf die ich mich bereits im Artikel “Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte ist leer gefegt” bezogen habe.
Generell sieht die Gehaltsentwicklung im Moment sehr gut aus. Das Fazit der Studie: “Die aktuelle Nachfrage auf dem IT-Markt gibt für gute Leute Spielraum, an der Gehaltsschraube zu drehen.” Die Firmen seien im harten Wettbewerb auf überdurchschnittlich tüchtige Mitarbeiter angewiesen und auch bereit, diese besser als andere zu entlohnen. Allerdings sei gute Vorbereitung Pflicht.
Eine Zusammenfassung des Artikels:
- IT-Führungskräfte erhalten dieses Jahr ~4% mehr Gehalt; generell konnten Positionen mit wesentlichem Einfluß auf die Unternehmensentwicklung 3 bis z.T. 5% Steigerung erzielen.
- Projektleiter, die in 2007 praktisch überhaupt nicht berücksichtigt wurden, können ihr Gehalt sogar um 8% steigern; mit Personalverantwortung beträgt das Durchschnittsgehalt 88.000 € (2007: 81.200 €), ohne diese bei rein fachlicher Verantwortung 65.000 € (2007: 60.000 €).
Dabei nähmen aber auch Druck und Verantwortung sowie die Anforderungen an Qualifikation und Leistungsbereitschaft zu:
“Kaum eine Berufsgruppe und Management-Ebene muß so fit und vielseitig sein wie die Projektleiter. Sie sind fachlich nahe am Tagesgeschäft, um mitzureden und die richtigen Entscheidungen zu treffen, müssen aber auch das Team wie ein guter Manager führen können und vor allem – aus Sicht der Unternehmensleitung ganz wichtig – gut rechnen und viel Erfahrung mitbringen, damit die Projekte nicht in Schieflage geraten, wie das nach wie vor noch immer in fast zwei Drittel der Fälle vorkommt.”
- Die Grundgehälter der Manager – vor allem in den oberen Etagen – stagnieren oder gehen sogar zurück.
Dafür steigen die variablen Anteile.
- IT-Bereichsleiter im Bankenumfeld verdienen im Durchschnitt 165.000 € Fixum mit 58.800 € variablem Anteil (2007: 175.000 € fix mit 42.700 € variabel)
- IT-Bereichsleiter in der Automobilindustrie: 132.500 € fix mit 49.000 € variabel (2007: 147.500 € fix mit 38.900 variabel)
- IT-Bereichsleiter in der Telekommunikationsindustrie: 124.000 € fix mit 31.200 € variabel (2007: auch 124.000 € fix aber nur 18.600 € variabel)
- IT-Bereichsleiter in Systemhäusern: 108.000 € fix mit 19.800 € variabel (Grundgehalt gegenüber 2007 zurückgegangen, variabler Anteil geringfügig gestiegen)
- IT-Bereichsleiter in Softwarehäusern: 105.000 € fix mit 18.500 € variabel (Grundgehalt gegenüber 2007 zurückgegangen, variabler Anteil geringfügig gestiegen)
- System- und Softwarehäuser zahlen ihren Managern am Wenigsten und zugleich ist das Gehalt am Stärksten von der Unternehmensgröße abhängig
- Im Bankumfeld erhält ein IT-Abteilungsleiter 87.000 € Festgehalt, in der Softwareindustrie 76.400 €. Der variable Anteil liegt bei 15-20% des Fixum, 2007 waren es noch 10-15%
- IT-Gruppenleiter beziehen ein Festgehalt von 71.000 € bei Banken und Konsumgüterindustrie, von 57.000 € bei Softwarehäusern und 49.000 € im Dienstleistungssektor. Der variable Anteil beträgt etwa 10%.
- Vertriebsleiter erreichen im Durchschnitt 124.000 € Gesamtgehalt (2007: 121.000 €) inklusive eines variablen Anteils von 50%. Der Verdienst richtet sich sehr stark nach Unternehmensgröße, in Unternehmen unter 50 Mitarbeitern beträgt das Gesamtgehalt von 93.700 € (2007: 86.000 €) , in Unternehmen mit 1000 bis 5000 Mitarbeitern dagegen durchschnittlich 171.000 €.
- Einfache und weniger verantwortungsvolle Positionen haben in den letzten fünf Jahren kaum Gehaltszuwächse zu vermelden.
- Die IT-Branche ist mittelstandsorientiert, 1/3 der Studien-Teilnehmer arbeitet in Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern
- In kleinen Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind die Gesamtgehälter sehr viel kleiner: IT-Berater: 50.900 €, Projektleiter 52.100 € (2007: 45.000 €), Entwickler 41.680 €, Supporter 33.000 €, Systemadministratoren 32.950 €
- Die Gehälter werden sich nach Überzeugung der Ersteller der Studie nicht mehr ständig mit zunehmendem Alter erhöhen, sondern es wird eine Abflachung und je nach Qualifikation und Marktsituation sich sogar nach unten entwickeln. Als Beispiel werden Manager genannt: “Zwischen der Übernahme der ersten Führungsposition mit 30 legen Manager auf ihrem weiteren Werdegang bis 50 langsam zu. Ältere können mit keinen nennenswerten Zuwächsen mehr rechnen.”
- Die höchsten Gehälter werden in Frankfurt gezahlt (+19,3% über Durchschnitt), dann folgt München (+17,1%), Stuttgart (+14,7%), Düsseldorf (+12,2%), Köln und Hamburg. Dresden (-2,3%) liegt vor Berlin, in Ostdeutschland ist das Gehaltsniveau am Niedrigsten und beträgt 76,5% des Mittelwerts.
Zur Methodik der Studie:
“In die Datenbasis gingen in den letzten Wochen bis zum 15. Februar 2008 Informationen aus der Hightech-Branche ebenso ein wie die Auswertung der Führungskräfte-Einkommen aus Anwenderfirmen. In die Untersuchung wurden 19 486 Datensätze einbezogen, die zu 44,5 Prozent aus dem IT- und TK-Sektor und zu 55,5 Prozent aus dem Anwenderumfeld kommen. Die IT-Unternehmen unterteilt die Studie in die Branchen Telekommunikation, Halbleiterindustrie, Softwarehäuser und IT-Systemhäuser. Auf der Anwenderseite berücksichtigt die Studie vor allem Betriebe aus der Investitionsgüter- und Konsumgüterindustrie, Finanzdienstleister sowie Medien- und Dienstleistungsunternehmen. Ausgewertet wurden die Gehälter der IT-Manager vom Projektleiter bis zum Bereichsleiter sowie die der Vertriebsverantwortlichen.”
Dienstag, 4. März 2008
Der chinesische Menschenrechtler Hu Jia sitzt seit dem Jahreswechsel wegen “Anstiftung zur Subversion” im Gefängnis. Sein offener Brief “The Real China and the Olympics” wurde bereits September 2007 veröffentlicht, aber bisher nicht übersetzt. Bis dahin deckte er mit Videos vom Hausarrest, Blogeinträgen und Podcasts Menschenrechtsverletzungen und Mißstände auf. Es gilt unverändert, dass China noch immer eine Diktatur ist.
Die Situation wird aktuell vom britischen Guardian dargestellt und die Übersetzung veröffentlicht:
When you come to the Olympic Games in Beijing, you will see skyscrapers, spacious streets, modern stadiums and enthusiastic people. You will see the truth, but not the whole truth, just as you see only the tip of an iceberg. You may not know that the flowers, smiles, harmony and prosperity are built on a base of grievances, tears, imprisonment, torture and blood.
We are going to tell you the truth about China. We believe that for anyone who wishes to avoid a disgraceful Olympics, knowing the truth is the first step.
Die Übersetzung ist bei Human Rights Watch nachzulesen, und für die blauäugigen Olympia-bringt-Glückseligkeit-Fraktion zu empfehlen.
“The longer Hu Jia is in detention, the worse China’s image will be,” said Sophie Richardson, Asia advocacy director at Human Rights Watch. “With fewer than six months to go before the Olympics, the Chinese government has everything to gain and nothing to lose by releasing him.”
Auch Anmesty International ist in diesem Fall mit einer Urgent Action bis zum 15. März aktiv und fordert “Gold für Menschenrechte”.
1:1 übernommen von netzpolitik.org, dort wird auf die China Digital Times verwiesen.
Dienstag, 4. März 2008
Jeder Euro, der zusätzlich in Weiterbildung investiert wird, erwirtschaftet 13 Euro für das Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Universität Linz im Auftrag der Arbeiterkammer durchgeführte Studie, die erstmals für Österreich untersucht, inwieweit sich Weiterbildung rentiert.
Investitionen in Weiterbildung bringen ~3% mehr Produktivität.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen, das die jährlichen Ausgaben für Weiterbildung pro Mitarbeiter von 145 auf 290 Euro verdoppelte, erhöhte seine Produktivität um durchschnittlich 1.900 Euro pro Mitarbeiter. Im Folgejahr konnte noch eine Produktivitätssteigerung von 2% festgestellt werden.
Die Arbeiterkammer zieht folgende Schlüsse aus der Studie:
Betriebe, die mehr in Weiterbildung investieren, zahlen auch höhere Löhne und Gehälter. Allerdings geben sie die höheren Erträge nur in einem geringen Ausmaß an die Beschäftigten weiter. Von jedem Euro, der erwirtschaftet wird, weil sich die Beschäftigten weiterbilden, sehen diese nur 15 Cent.
Vor allem Beschäftigte in Klein- und Mittelbetrieben haben kaum Chancen auf Weiterbildung. Jeder fünfte Klein- und Mittelbetrieb bildet sogar keinen einzigen seiner Arbeitnehmer weiter. Nur knapp ein Drittel der Beschäftigten werden überhaupt in die Weiterbildung einbezogen.
Die Autoren werten sie so:
Auffällig ist, dass die Weiterbildung persönlicher Fähigkeiten (Soft Skills) stärker positiv mit der Firmenproduktivität korreliert als etwa Sprach-, Marketing- oder IT-Kurse. Ebenso zeigen Weiterbildungsmaßnahmen, die innerhalb des Unternehmens organisiert werden, einen größeren positiven Zusammenhang mit der Produktivität als Kurse von externen Anbietern.
Die Weiterbildungsmaßnahmen bringen nicht nur Vorteile für die Unternehmen, sondern auch für die ArbeitnehmerInnen: Firmen, die doppelt so viel in Weiterbildung investieren, zahlen um rund 14% höhere Löhne als vergleichbare Firmen, die das nicht tun.
Die Untersuchung basiert auf europäischen Statistiken von 1999 und 2005 und bezieht sich auf einen Querschnitt der österreichischen Wirtschaft mit Stundenlöhnen von Ø 21 ± 21,5€ und Weiterbildungskosten im Jahr Ø 193 ± 821,5€, die Dauer der Weiterbildung betrug Ø 5,5 ± 21 Tage im Jahr.
Offen bleibt, so die Autoren der Studie „ob die Produktivität durch die Weiterbildungen ansteigt oder ob produktivere Firmen mehr in ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen investieren“, also was wirklich Ursache und was Wirkung ist.
Quelle: Universität Linz / Arbeiterkammer Wien. Studie “Renditen betrieblicher Weiterbildung in Österreich”.
Die Studie ist hier downloadbar (0,3 MB PDF)
Montag, 3. März 2008
In der jüngsten Branchenumfrage des BITKOM-Verbandes (Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) meldeten rund 60% der deutschen IT-Unternehmen offene Stellen. Das entspreche etwa 18.000 unbesetzten Positionen bei diesen Unternehmen, berichtet das Magazin „Handelsblatt Junge Karriere“ in seiner aktuellen Ausgabe. Weitere rund 25.000 Stellen seien bei den IT-Anwendern frei, dort vor Allem in Handel, Banken und Versicherungen.
„Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, klagt Bikom-Präsident Scheer im Magazin.
Vor allem Akademiker würden knapp. Drei von vier ausgeschriebenen Stellen in der IT-Branche erforderten einen fachlich relevanten Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Doch ein Studium der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik könnten hierzulande gerade einmal zwei Promille der Beschäftigten aufweisen, berichtet das Magazin unter Berufung auf den OECD-Bildungsbericht.
Immer weniger Studenten würden sich für ein Infomatikstudium entscheiden: 2000 wären es in Deutschland rund 38.000 Studienanfänger gewesen, 2006 nur noch knapp 28.500, also ein Minus von 25 Prozent. Erwartet werde, dass künftig auch die Zahl der Absolventen falle – von 15.360 im Prüfungsjahr 2006 auf unter 14.000 in 2010.
Diese Vorhersage steht im Widerspruch zur bisherigen Entwicklung. Laut Statistischem Bundesamt haben 2006 15.400 Absolventen ihr Informatikstudium abgeschlossen, das ist ein Zuwachs von 13% gegenüber 2005 und 117% gegenüber 1997. Die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnts schwankten die Absoventenzahlen. Seit 2003 verzeichnet das Fach zweistellige jährliche Zuwachsraten - generell die höchsten im Fachgebiet Mathematik/Naturwissenschaften.
Nachdem 1997 der Frauenanteil bei Absolventinnen und Absolventen der Informatik 13% betragen hatte, ging er in den Jahren 2000 und 2002 auf 11% zurück und stieg seitdem nur in kleinen Schritten wieder an. 2006 lag er bei 17%, das ist immer noch deutlich weniger als im Vergleich zum Fachgebiet Mathematik/Naturwissenschaften mit 39% und zu den 50% über alle Studienfächer.
Die Zahl der sogenannten Bildungsausländer, die ihr Abitur o.ä. im Ausland erworben und dann erfolgreich ein Informatikstudium absolviert haben, hat sich in den vergangenen 10 Jahren auf 1.300 mehr als vervierfacht, ebenso die der Bildungsinländer (= Ausländer mit deutschem Abitur o.ä.) unter den Absolventen auf 500.
Diese Zahlen schlagen sich auch in der offiziellen Arbeitsmarktstatistik nieder, wie heise.de berichtet:

Es sind so wenige Informatiker arbeitslos, wie schon lange nicht mehr. Von über 50.000 im Januar 2006 ist die Arbeitslosigkeit auf unter 30.000 im Januar 2008 zurückgegangen. Interessante Randnotiz: Wie obenstehende Grafik zeigt, kennt die Bundesagentur für Arbeit weniger als 7.000 offene Stellen, das sind weniger als 16% der vom BITKOM gemeldeten — offensichtlich findet der Arbeitsmarkt nahezu vollständig außerhalb des Wirkungsbereiches der Agentur statt. Aus meiner persönlichen Erfahrung sowohl als Arbeitssuchender als auch als Jobvermittler wundert mich das nicht. Alleine die mit mindestens 163 Millionen Euro subventionierte Software „virtueller Arbeitsmarkt“ ist eine Katastrophe, geschweige denn das A2LL-Debakel.
Die Nachfrage wirkt bereits auf die Gehälter. „Junge Karriere“ hebt da besonders SAP- und IT-Berater hervor, sie verdienten als Berufsanfänger mit bis zu zwei Jahren Erfahrung zwischen 38.000 und 48.000 Euro im Jahr. Das Durchschnittsgehalt eines entsprechenden Software-Entwicklers liege dagegen zwischen 35.000 und 42.000 Euro; Fachleute für IT-Sicherheit (vermutlich ebenso Berufsanfänger) verdienten zwischen 35.500 und 43.000 Euro.
Die von mir bereits mehrfach empfohlene Seite Gehaltsliste IT und Medizin — Gehaltscheck und umfassende Gehaltsübersicht für Professionals der Personalberatung HiTec Consult bleibt mit den dort genannten Einstiegsgehältern übrigens darunter.
Die Computerwoche, die noch im Herbst von steigenden IT-Manager-Gehältern berichtet hatte, meldet nun 4% Gehaltsteigerung bei IT-Führungskräften. Auch in den nächsten Jahren könnten sie mit steigenden Gehältern rechnen.
Ein überdurchschnittliches Plus von 8% könnten die Projektleiter verbuchen, die im Vorjahr „zu kurz gekommen“ seien. Mit Personalverantwortung stiege ihr Gehalt von 81.200 auf 88.000 Euro, ohne diese von 60.000 auf 65.000 Euro.
Insgesamt geht die Computerzeitung wegen der Personalknappheit von weiter steigenden Gehältern aus. Gleichzeitig gestalteten Unternehmen die Entgelte ihrer IT-Führungskräfte immer variabler und differenzierter. Größere Gehaltsunterschiede würden zugelassen.
Donnerstag, 24. Januar 2008
Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen IDC erwartet in der deutschen IT-Branche für die nächsten drei Jahre ein kräftiges Wachstum. Der Umsatz soll von 52 Milliarden Euro vergangenes Jahr auf voraussichtlich 65 Milliarden Euro 2011 steigen, das sind 25%. Die Zahl der Stellen soll von 554.000 auf über 600.000 wachsen, ein Zuwachs von 9%.
Die Studie wurde von der Business Software Alliance (BSA) in Auftrag gegeben, einem internationalen Interessenverband von Software-Anbietern, der Lobbyarbeit gegen Raubkopien betreibt.
IDC schätzt, dass 28% der in Deutschland verwendeten Software unlizenziert ist. Dafür wird der durchschnittliche Software-Bedarf für verkaufte Computer geschätzt und mit der Anzahl der verkauften Computer und Software abgeglichen.
Dieser hohe Prozentsatz schade den Dienstleistern vor Ort, da für jeden investierten Euro zusätzliche Ausgaben von 1,25 Euro anfielen – etwa durch Dienstleistungen wie Installation, Schulung oder Wartung. Wenn der Anteil unlizenzierten Software um 10% sinken würde, entstünden mehr als 12.000 neue Stellen, der Umsatz stiege um 4,4 Milliarden Euro und die Steuereinnahmen um 1,3 Milliarden Euro, heißt es in der Studie.
Via heise.de.
Meine Meinung dazu:
Zur Argumentation der BSA, Raubkopien würden auch außerhalb der BSA Arbeitsplätze kosten:
- Die genannten Zusatzaufwände rund um die Software entstehen ja auch bei Raubkopien.
- Inwieweit die Schätzungen der IDC Eigenarten des deutschen Marktes berücksichtigen, bleibt offen. In Deutschland wird überdurchschnittlich viel Open Source eingesetzt. Beispielsweise wird bei weitem nicht jeder Computer, der mit Windows vorinstalliert ausgeliefert wird, auch wirklich unter Windows betrieben.
Ob also die 28% Raubkopien wirklich zuverlässig sind, darf bezweifelt werden.