Montag, 21. April 2008
Nach einer Umfrage des BITKOM-Verbandes (Forsa befragte dazu 1000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 14 Jahren in Privathaushalten) hängt die private E-Mail-Nutzung stark vom Bildungsgrad ab.

„Die digitale Kluft ist in Deutschland weiterhin erschreckend groß“, kommentierte BITKOM-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer die Zahlen. Bildungsferne Schichten verfügten seltener über einen Internet-Anschluß. Laut BITKOM wollen die Gerätehersteller entsprechend reagieren und auch in Deutschland vermehrt einfach ausgestattete und sehr preiswerte Geräte anbieten.
Scheer kritisierte die IT-Ausstattung deutscher Schulen, sie sei „so schlecht wie in kaum einem anderen europäischen Land“. Er fordert, Informatik als Pflichtfach an den Schulen einzuführen, schließlich handle es sich um eine Kulturtechnik „wie Lesen und Schreiben“.
Via golem.de.
Samstag, 20. Januar 2007
Die Forschungsgruppe Wahlen hat in ihrer Studie Internet-Strukturdaten IV. Quartal 2006 (für 40€ bestellbar, Zusammenfassung downloadbar 51 KB) folgende Zahlen über den Zugang der Erwachsenen in Deutschland zum Internet ermittelt:
- 68% der Erwachsenen haben einen Internetanschluß, das ist ein Zuwachs von 3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (”Δ +3″).
- Es gibt einen Unterschied nach Geschlecht: Männer 74% (Δ +1), Frauen 62% (Δ +5), d.h. die Frauen holen auf.
- Es gibt ein West-Ost-Gefälle: Westen 69%, Osten 62%. Dort beträgt der Zuwachs jeweils Δ +3 Prozentpunkte, d.h. die Differenz manifestiert sich.
- Auch die Altersgruppen unterscheiden sich: Mehr als 4/5 der Befragten unter 50 hat Internet-Zugang. Auch bei den 50- bis 59-Jährigen waren es bereits 76%. In dieser Gruppe fallen die Zuwachsraten mit Δ +8 besonders hoch aus.
Immer noch stark unterrepräsentiert ist die sehr große Gruppe der Menschen ab 60 Jahren, von denen erst 36% über einen Zugang verfügten. Die Zuwächse sind mit Δ +4 durchschnittlich.
- Auch der Bildungsgrad bleibt ein entscheidendes Merkmal für die Internet-Affinität der Deutschen:
Gerade bei Befragten mit geringerem Bildungsniveau sind die Zuwachsraten überdurchschnittlich, doch nach wie vor sind die absoluten Werte insbesondere derer mit Hauptschulabschluss ohne Lehre (26%), aber auch derer mit Lehre (48%) weit unterdurchschnittlich.
Durchschnittlich ist der Wert jener mit Mittlerer Reife (70%), aber deutlich überproportional jener mit Hochschulreife (85%).
- Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist die Berufsgruppenzugehörigkeit, auch wenn hier die Unterschiede nicht so stark wie bei der Bildung ausfallen: Mit Δ +8 ist der Zuwachs bei den Arbeitern besonders hoch, allerdings hat dort erst jeder Zweite einen Zugang.
Bei einfachen und mittleren Angestellten und Beamten sind es durchschnittliche 69%, bei leitenden Angestellten und höheren Beamten leicht überdurchschnittliche 74% sowie bei Selbstständigen deutlich überdurchschnittliche 83%.
Insgesamt wurden 3.780 Erwachsene “repräsentativ telefonisch durch die Forschungsgruppe Wahlen befragt”.
Via heise.de und golem.de.
[Update: Dieser Artikel ist auch in der Readers Edition erschienen.]
Donnerstag, 18. Januar 2007
Nielsen//NetRatings, das führenden Internet-Markt- und Medienforschungs-Unternehmen, hat die Leserschaft der Top-10 US-Online-Zeitungen untersucht und dabei besonders auf die Weblogs dieser Zeitungen geachtet.
Die Gesamt-Leserschaft der Online-Journale ist im vergangenen Jahr um 9% gestiegen, die ihrer Weblogs aber um 210%!
Interessant ist dabei auch, daß der Männeranteil bei den Zeitungsblogs etwas höher ist (66%), als bei den Zeitungen selbst (60%). Nielsen//NetRatings erklärt das aus der stärkeren Technikaffinität (”early adopters”) und dem größeren Nachrichteninteresse von Männern.
Noch ist die jährliche Wachstumsrate bei den weiblichen Zeitungsblog-Lesern geringer (183%), als bei den Männern (226%), aber die Medienforscher erwarten, daß sich das ändert.
Daraufhin aber wie n-tv heute gleich zu jubeln, “Amerikaner glauben Blogs“, halte ich doch für übertrieben.
n-tv versucht zwar diese These mit einer Studie des Pew Internet & American Life Project zu stützen, nach der die Zahl der Amerikaner zunahm (auf 15%), die sich bei “mid-term elections campaigns” im August im Internet informiert haben.
Laut der Pew-Studie (nichts davon bei n-tv) haben davon 20% Weblogs genutzt, insbesondere Nutzer mit höherem Bildungsgrad, höherem Einkommen, oder Teilnehmer an den Internetkampagnen. Leider sagt die Studie nicht, wie hoch dieser Wert vorher war.
Keine der beiden Studien vergleicht die Glaubwürdigkeit der oder das Vertrauen in die unterschiedlichen Medien.
Schlimmer noch: Dies spielt darin überhaupt keine Rolle, beide Studien untersuchen nur das Nutzungsverhalten, letztere auch die Motive.
Ich hätte erwartet, daß n-tv das unterscheiden kann.
Das Einzige, was in puncto Glaubwürdigkeit übrig bleibt: Die Glaubwürdigkeit von n-tv hat gelitten.
[Update: Dieser Artikel ist auch am 19.01. in der Readers Edition erschienen.]
Dienstag, 7. November 2006
Heise Telepolis berichtet:
Nach einer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KNF) durchgeführten Studie Mediennutzung, Schulerfolg, Jugendgewalt und die Krise der Jungen könnten schlechte Schulleistungen auch mit extensiver Mediennutzung zu tun haben. Zumindest scheint es einen Zusammenhang zwischen der Schulleistung und dem Vorhandensein von Fernsehgeräten und Spielekonsolen in den Kinderzimmern zu geben.
[…] Die ungeklärte Frage ist, ob die Verbindung zwischen Medienausstattung, Medienkonsum, Gewaltdarstellungen und Schulleistung direkt gekoppelt [ist].
[…] Allerdings kommt noch ein weiteres, wichtiges Moment mit der Schulausbildung der Eltern hinzu. So könnte das in der PISA-Untersuchung festgestellte Nord/Süd-Gefälle bei den Schulnoten auch eine Folge der unterschiedlichen Einwohnerschichten sein.
[…] Ganztagsschulen, so die Autoren der Studie, könnten hier neben einer größeren Verantwortlichkeit der Eltern für die Medienkonsum, eine gewisse Korrektur im Hinblick auf größere Chancengleichheit schon deswegen mit sich bringen, weil dann die Kinder einige Stunden nachmittags weniger vor den Bildschirmen verbringen würden – falls der Umgang mit Medien nicht weiter in der Schule zunimmt, sollte man hinzufügen.
Mittwoch, 21. Juni 2006
Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften, hat eine Statistik über die “e-Gesellschaft im Jahr 2005” veröffentlicht. Demnach hatte in 2005 mehr als 1/3 der EU-Bevölkerung keine PC-Kenntnisse. Zudem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Mitgliedsländern, den Altersgruppen, den beruflichen Tätigkeiten und den verschiedenen Bildungsniveaus.
Die skandinavischen Länder Dänemark und Schweden liegen mit 10% bzw. 11% vorne. Dann kommen Luxemburg und Deutschland mit 20% und 21%. Ob es daran liegt, daß erstere als Bildungshochburgen gelten und letztere als e-Länder (e-Government, e-Commerce etc.)?
Ebenfalls erwartungsgemäß nimmt der Grad der Kenntnise mit dem Alter ab und mit dem Bildungsniveau zu.
Erfreulicherweise wird die Methodik ausfühlich spezifiziert. Nachzulesen hier:
Via golem.de.
Eine weitere Eurostat-Publikation, die offenbar auf derselben Befragung beruht, aber auch Unternehmen einbezieht, geht näher auf die Internetnutzung durch Privatpersonen und Unternehmen ein.
Ihre Kernaussagen sind:
- Der Prozentanteil der Haushalte mit Internetzugang ist 2005 weiter gestiegen und insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und die Haushalte verwenden vermehrt Breitbandanschlüsse.
- […]
- In den neuen Mitgliedstaaten ist der Anteil der Privatpersonen, die noch nie das Internet genutzt haben, größer als der Anteil der regelmäßigen Internetnutzer, außer in der Slowakei und in Estland.
- 36 % der Unternehmen benutzen das Internet, um Waren und Dienstleistungen einzukaufen.
- Fast 90 % der Unternehmen haben eine eigene Internetsite, über die sie ihre Produkte anbieten.
- Privatpersonen kaufen online am häufigsten Bücher und Reisen.
Download (PDF, 420KB, 8S mit Diagrammen/Tabellen)