Donnerstag, 26. April 2007

Umfrage zur Mediennutzung von Weblogs

Im Rahmen einer Diplomarbeit im Fachgebiet Medien- wissenschaft am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft (IfMK) der TU Ilmenau wird eine Umfrage zur Mediennutzung von Weblogs durchgeführt.

Ein bißchen peinlich finde ich, daß sie viele Fragen nochmals aufwirft, die bereits in der Blogstudie 2007 (s. meinen Artikel dazu) der Universität Leipzig beantwortet wurden. Für fragwürdig halte ich es außerdem, daß Zwischenergebnisse (hier, hier und hier) bei noch laufender Erhebung veröffentlicht werden. Der Ansatz, auf Mundpropaganda in der Blogosphäre zu setzen, gefällt mir ebenfalls nicht, da halte ich die Strategie der Blogstudie für besser, die mit Unterstützung eines Suchmaschinenbetreibers entstand.

Samstag, 3. März 2007

Blogstudie 2007

Die Universität Leipzig hat 605 deutsche Nutzer der Suchmaschine Ask.com mit einer “selbstselektive[n] Online-Umfrage” “zur Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und Auffindbarkeit von Weblogs befragt”. Die Studie vergleicht die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern miteinander (sehr interessant!) und typisiert die Blognutzer.
Das Ergebnis liegt nun als PDF vor (356 KB, 13 Seiten, 10 Abbildungen).

Eine Analyse der Teilnehmer, die sich entschieden haben, an der Umfrage teilzunehmen, ergab: “An der Umfrage beteiligten sich insbesondere Trendsetter und Heavy-User des Webs”, die zu “96% … (mehrmals) täglich im Internet sind”. Offensichtlich hat die Freiwilligkeit der Studie dazu geführt, daß vor allem diese Gruppe sich an der Studie beteiligt.
Die von mir besprochene Studie des Statistischen Bundesamtes zur Demographie der Internetnutzer verwendet anstelle von “mindestens täglich” den unschärferen Begriff “täglich oder fast täglich” und kommt dafür auf 56% der Internetnutzer.
Vorsichtig interpretiert erfaßt die nun vorliegende Blogstudie überwiegend diese “Heavy-User”, die aber mit 96% weit überrepräsentiert sind.
Ich spekuliere, daß sie sogar von diesen nur diejenigen erfaßt, die das Thema “Blogs” besonders polarisiert; diejenigen, die das Thema nicht interessiert, werden die Umfrage überwiegend abgelehnt haben. Ein weiterer möglicher Faktor wäre, daß die Suchmaschine Ask.com, mit deren Hilfe die Umfrage durchgeführt wurde, dem breiteren (d.h. unerfahrenerem) Publikum auch nicht bekannt ist.

Jedenfalls ist aufgrund der Zusammensetzung der Umfrageteilnehmer das erste Ergebnis zum Thema Blognutzung besonders mit Vorsicht zu genießen:

Nur 12,7% der Befragten konnte mit dem Begriff “Weblog” nichts anfangen, und nur 7,5% von denen, die Weblogs kannten, haben noch nie ein Blog genutzt. Letztere nannten als wichtigsten Grund (70%) für die Nichtnutzung, daß sie sich durch das herkömmliche Medienangebot bereits ausreichend informiert fühlen. Fast die Hälfte (48%) gab an, keinen Überblick über Blogs zu haben und jeder Dritte (32%) kann in Weblogs die ihn interessierenden Angebote nicht ausmachen.

Von den Blog-Nutzern verwendet der größere Teil (45%) Weblogs hauptsächlich als Informationsquelle: Etwa Dreiviertel dieser Gruppe liest in Blogs nur (33%), nur etwa ein Viertel (12%) kommentiert auch.
Die Gruppe der aktiven Blogger ist mit knapp 35% relativ hoch. Davon schreiben 6% ausschließlich im eigenen Blog, 28% schreiben und kommentieren auch in anderen Blogs.

Offenbar ist der Community-Ansatz unter den Bloggern relativ stark vertreten. Dazu paßt auch, daß die Blognutzer Blogs überwiegend zuffällig finden:

Auffinden von Blogs

Es besteht offenbar Bedarf an Orientierung im Blog-”Urwald”. Daher wurden beide Benutzergruppen gefragt,

was sie dazu bewegen könnte, Blogs künftig (intensiver) zu nutzen. Ein großes Potenzial haben demnach Blogsuchmaschinen. Über zwei Drittel (68,3%) der […] erfahrenen Blognutzer und immerhin 41% der Nicht-Nutzer befürworten solche spezialisierten Dienste. Denkbar wäre für knapp 40% beider Gruppen auch ein Blogmagazin, das analog zum TV-Programmheft den Weg durch den Dschungel der interessanten und weniger aufregenden Blogs weisen könnte. Ein Manko ist für viele erfahrene Blognutzer (28,3%) die unzureichende Usability heutiger Weblogs. Sie fordern mehr Benutzerfreundlichkeit […].

Aufschlußreich auch die Assoziationen der Befragten zum Begriff “Weblog” (klicken zum Vergrößern):

Assoziationen mit dem Begriff Blog

Besonders interessant finde ich den Vergleich der Motivationen von Bloglesern und Blogschreibern:

Nutzungmotive

Der Mitteilungsdrang ist bei den Blogschreibern besonders hoch (67%), bei den Lesern sind es nur 8%. Fast jeder fünfte Blogger verfolgt einen aufklärerischen (19%) oder beeinflussenden (16%) Ansatz, 27% wollen Kritik und Ärger loswerden.

Die Studie hat daher untersucht, wie sich die Gruppe der Blognutzer zusammensetzt. Sie kommt zu dem Schluß

Blognutzer sind mehrheitlich „investigative Multiplikatoren“ — Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Die Bedeutung für die Wirtschaft liegt auf der Hand: Blognutzer sind interessante Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation sowie alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.

Insgesamt unterscheidet die Studie 5 verschiedene Typen von Nutzern. Die Schwäche in dieser Einteilung

Typologie der Blognutzer

sehe ich darin, daß die Typen exklusiv definiert werden — die Motivation der Nutzer dürfte normalerweise mehrere der genannten Typen umfassen.

Jeweils 18% machen die “Sozialen Netzwerker”, die mit Freunden in Kontakt bleiben wollen, und die “Selbstdarsteller”, die etwas zu sagen haben, aus. “Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an.”
Die größte Gruppe bilden allerdings mit die “Wissensdurstigen” mit 24%. Ihnen geht es primär um Hintergrundinformationen; zudem ist ihr Mißtrauen in klassische Medien überdurchschnittlich hoch. Die “Informationssucher” (19%) und die “Aktiven Konsumenten” suchen aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden letzteren Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.

Außerdem wurde die Bedeutung von Blogs für die Meinungsbildung untersucht:

Meinungsbildung durch Blogs

Aufschlußreich finde ich hier das niedrige Abschneiden der Corporate Blogs. Erstaunlich auch, daß journalistische Blogs knapp hinter Fachblogs landen.

Die Erklärung liefert das nächste Diagramm:

Glaubwürdigkeit von Blogs

Corporate Blogs gelten als besonders unglaubwürdig.

Ein nettes Schmankerl liefert die Studie zum Schluß: Es wurde gefragt, von welcher Person die Umfrageteilnehmer besonders gerne oder besonders ungerne ein Blog lesen würden. In beiden Kategorien liegt Angela Merkel auf der Spitzenposition. Auf der Wunschliste stehen nach Merkel – in dieser Reihenfolge – Harald Schmidt, Papst Benedikt XVI., George W. Bush und Steve Jobs.

In der Negativ-Top-5 folgen auf Frau Merkel Dieter Bohlen, George W. Bush, Paris Hilton und Edmund Stoiber.

Gefunden bei f!xmbr.

Donnerstag, 5. Oktober 2006

China wird größte Blogger-Nation der Welt

Heise Newsticker berichtet heute (Hervorhebungen von mir):

[…] In kurzer Zeit hat sich im Reich der Mitte die lebendigste und größte Szene mit Internet-Tagebüchern weltweit entwickelt. 34 Millionen dieser Tagebücher gibt es derzeit laut einer neuen Untersuchung des chinesischen Internet-Informationszentrums. Das sind rund dreißig Mal so viele wie noch vor vier Jahren. Dabei haben die Blogger mit einer harten Zensur zu kämpfen. Viele Adressen im Internet sind in China nicht zugänglich oder werden blockiert, wenn sie sensible politische Themen ansprechen. Bei anderen werden einzelne heikle Einträge gelöscht.

Doch die Popularität der Internet-Tagebücher wächst rasant. Allein das Blog der jungen chinesischen Schauspielerin und Regisseurin Xu Jinglei wurde innerhalb eines Jahres schon mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. […] Dabei schreibt der Star […] von banalen Dingen wie einem Treffen mit Freunden, vom Schwimmtraining und Problemen mit dem Computer.

Das leichte Alltagsgeplauder kommt an. […] Das Internet untergräbt das Medienmonopol der Kommunistischen Partei, auch wenn die meisten Nutzer Unkritisches berichten. 7,7 Millionen chinesische Blogger gelten als “aktiv”, weil sie mindestens einmal im Monat in ihr Internet-Tagebuch eintragen. 75 Millionen der 111 Millionen chinesischen Internetnutzer verfolgen diese Seiten.

Die Eintragungen spielen eine wichtige Rolle für den freien Austausch von Informationen und Meinungen. “Die Tatsache, dass die chinesische Regierung diese Entwicklung blockiert und zensiert, beweist, wie weit China noch davon entfernt ist, die freie Meinungsäußerung zu akzeptieren“, sagte der unter dem Namen “Michael Anti” bekannte Blogger Zhao Jing. Die Internet-Tagebücher stehen unter der “strikten Beaufsichtigung der Regierung”, wie Cai Wu, Direktor des offiziellen Informationsbüros, bestätigte. Aber die schiere Menge ist schwer zu kontrollieren. Viele Blogger verändern oder kodieren die Schriftzeichen sensibler Stichworte. Li Xinde etwa, der gegen Korruption kämpft, veröffentlicht seine Berichte gleichzeitig auf 50 verschiedenen Internetseiten.

Donnerstag, 11. Mai 2006

Psychotests für Blogger

Es gibt für Blogger eine ganze Reihe von Psychotests. Manche sind eher witzig, manche versuchen etwas Ernstes auszusagen. Von letzteren gibt es sogar welche, die schön aussehen.

PersonalDNA, die Beispiele habe ich aus dem Web gefischt.

Das Problem dabei ist, daß das Testbildchen nicht nur beim Drübermausen Einiges über die Person aussagt, sondern auch ganz einfach in das komplette Testergebnis gewandelt werden kann. Aus der ursprünglichen URL wie http://personaldna.com/t?k=_CODE_&t=_Bezeichnung_
wird dann schnell und einfach http://www.personaldna.com/report.php?k=_CODE_, und schon ist das Testergebnis in voller Länge zugänglich. Dessen sollte sich jeder bewußt sein.

Im Übrigen enthält der vom Testveranstalter vorgegebene Code zum Nachschlagen des vollen Ergebnis’ eine Benutzernummer! Er lautet nämlich eigentlich http://www.personaldna.com/report.php?k=_CODE_&u=_USER_, ohne Parameter &u geht es aber auch.

Ich habe jetzt den Test ein paarmal gemacht, um die Streubreiten auszuprobieren. Je nach Geschmack bin ich dann advocating inventor oder free-wheeling inventor. Beides Ergebnisse, mit denen ich gut leben kann, und die — wie ich finde — sehr gut zu einem Unternehmensberater passen. Deswegen stehen sie hier. Mehr werden Sie aber über meine Testergebnisse nicht erfahren!