Sonntag, 18. Januar 2009

China verschärft die Zensur und stellt fünf Milliarden Euro für Propaganda bereit

China verschärft die Zensur nach den Olympischen Spielen weiter. Nachdem — wie bereits von mir berichtet — westliche Websites, die während der Olympiade kurzfristig zugänglich waren, wieder zensiert werden, wurde nun auch eine liberale Blog-Plattform, bullog.cn, zusammen mit weiteren 90 Websites geschlossen.

Als Grund für die Schließung von bullog.cn wird die Charta 08 vermutet. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatten

am 9. Dezember [...] zunächst 303 chinesische Journalisten, Schriftsteller und andere Intellektuelle diesen programmatischen Aufruf für Demokratie veröffentlicht. [...] Inzwischen haben mindestens fünf der Stars von bullog.cn die Charta unterzeichnet, darunter der Künstler Ai Weiwei. “Die meisten Chinesen haben über bullog.cn von der Charta erfahren”, sagt An Ti [Medienforscher und Blogger auf bullog].

Die Kommunistische Partei Chinas, deren Entmachtung in der Charta 08 offen gefordert wird, hat einen der Initiatoren des Pamphlets ins Gefängnis werfen lassen. Liu Xiaobo ist kurz nach der Veröffentlichung spurlos verschwunden. Rund 100 weitere Unterzeichner sind verhört worden.

Die Süddeutsche stuft diese Maßnahmen als relativ mild ein, gemessen an den “üblichen” chinesischen Standards.
Offenbar sieht sich China einerseits stark unter Druck und andererseits stark unter Beobachtung. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich deutlich, die Finanzkrise hat es  nicht verschont und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Soziale Unruhen werden daher erwartet. Außerdem stehen der zwanzigste Jahrestag des Massakers auf dem “Platz des Himmlischen Friedens” bevor, sowie das fünfzigste Jubiläum der Machtübernahme Chinas in Tibet und das sechzigste Jubiläum der Partei.

Daher ist offenbar ein diskreteres Vorgehen gefragt, schreibt die Süddeutsche weiter:

“Die kommunistische Führung Chinas hat längst nicht mehr das Ziel, alle Informationen zu 100 Prozent zu kontrollieren. Dieses Ziel hat sie schon lange aufgegeben. Sie wollen die öffentliche Meinung lediglich steuern, beeinflussen. Ihr Ziel ist der Erhalt der eigenen Macht”, sagt Rebecca MacKinnon, Professorin für Neue Medien an der Hongkong-Universität.

Ein ausgeklügeltes System von Zensur, Gegenpropaganda und technischen Filtern auf mehreren Ebenen ist das Resultat dieser strategischen Grundsatzentscheidung. Lokalregierungen in Chinas Provinzen bezahlen sogar Tausende von Studenten dafür, dass sie im Internet regierungsfreundliche Propaganda verbreiten. Als “wumaodang”, die Fünf-Mao-Partei, werden diese Schreiberlinge von den anderen Internetbenutzern belächelt, weil sie angeblich für jeden liebedienerischen Blog-Eintrag fünf Mao bekommen, also einen halben Yuan oder umgerechnet fünf Euro-Cent.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, hat die Chinesische Regierung gerade fünf Milliarden Euro für Propaganda bereitgestellt. Damit reagiere die Regierung auf ein Jahr, in dem ihre nationale Imagepflege die Planvorgaben weit verfehlt habe:

Eigentlich wollte China die Olympischen Spiele zur glanzvollen Selbstinszenierung nutzen. Doch das Sportfest wurde überschattet von kritischen Meldungen über die Krawalle in Tibet und die Fackellaufproteste, über Pekings Menschenrechtspolitik und seine Rolle im Darfur-Konflikt, über Chinas Umweltprobleme und den Milchpulverskandal.

Was aus westlicher Sicht als gebotene kritische Berichterstattung galt, sah die Pekinger Führung als antichinesische Verschwörung. Feindliche Mächte hätten Presseberichte benutzt, “um unsere Nation zu verteufeln und zu dämonisieren”, schrieb im November die Volkszeitung, das Leitmedium der Kommunistischen Partei, und kündigte an, die Regierung werde sich künftig verstärkt um die “internationale Vermittlung von Informationen und Ideen” bemühen, um Chinas “ideologische Sicherheit zu schützen, die Großartigkeit des chinesischen Volkes zu verdeutlichen und China zu einer echten Weltmacht zu machen”.

Auch wie dies geschehen soll, berichtet die FR:

Die Regierung will so weit wie möglich beeinflussen, welche Bilder international gesendet, welche Fakten berichtet und welche Meinungen zitiert werden. So soll Xinhua einen 24-stündigen Nachrichtensender einrichten. Auch das Staatsfernsehen CCTV, das international bereits in chinesischer, englischer, französischer und spanischer Sprache sendet, will sein Programm ausweiten und zusätzlich einen russischen und arabischen Kanal einrichten.

Gleichzeitig wird das englischsprachige Internet- und Printangebot ausgeweitet. Gleich mehrere Portale sollen Online-Nachrichten bereitstellen. Die als nationalistisch geltende Zeitung Huanqiu Shibao, ein Ableger der Volkszeitung, plant von Mai an eine englische Ausgabe, die eine Alternative zu anderen englischsprachigen Tagesmedien wie China Daily oder Shanghai Daily darstellen soll.

Auch Magazine wie China Newsweek sollen künftig international erscheinen und vertrieben werden.

Dabei seien die Vorbereitungen offenbar schon recht weit gediehen. Offizielle Presseorgane wie die Nachrichtenagentur Xinhua, der Fernsehsender CCTV und die Volkszeitung erarbeiteten derzeit zusammen mit internationalen Beratern Expansionskonzepte und rekrutierten bereits hunderte ausländische Journalisten. Mit Monatsgehältern von teilweise mehr als 3000 Euro — dem Zehnfachen chinesischer Löhne — wollten sie erfahrene Medienleute gewinnen, die Pekings staatlich sanktionierte Weltsicht für die globale Öffentlichkeit überzeugend aufbereiteten.

Via medienlese.com.

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Samstag, 18. Oktober 2008

Systems 2008: Akkreditierung als Blogger

Gerade habe ich von der Systems die Zusage zur Akkreditierung erhalten. Dies bedeutet, daß ich mich wie ein Pressevertreter auf der Systems bewegen kann. Außerdem gibt es in Halle B1 am Stand 139 eine Blogger-Lounge und ein dazu passendes Weblog.

Zustande kam der Kontakt letztes Wochenende auf dem Münchner Barcamp.

Ich wäre sowieso auf die Systems gegangen, Kontakte knüpfen und auffrischen, mich mal umsehen. Insofern paßt es ja. Außerdem gibt es auf der Systems neben einigen interessanten Fachvorträgen (u.a. zu Projekt- und Kundenmanagement) auch einige Angebote zum Thema Bewerbung, Weiterbildung und Personalentwicklung, das ja auch öfters Gegenstand dieses Weblogs ist. Die JobTown in Halle B2 ist ja einer der Schwerpunkte der Systems.

Ich finde es gut, daß sich die Systems in dieser Form mit der Bloggerei beschäftigt. Also ohne eher bodenständig und ohne gelecktes Premium-Blog. Die CeBIT hatte es ja im Sommer in anderer Form und insbesondere auch mit Anspruch versucht und ist gescheitert. Vor Allem auch aufgrund genau dieses Anspruchs, den alle Beteiligten nicht einlösen konnten und der auch mit dem wohlverdienten Schmäh kommentiert wurde.
Es wundert mich nur, daß  — wie man mir versichert hat — die PR-Abteilung der Messe nichts von diesem Mißerfolg der CeBIT weiß.

So oder so, ich bin gespannt, wie das Ganze ausgeht.

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Dienstag, 14. Oktober 2008

Was manch einem Blogger so passiert…

Zitat Paul Krugmann:

An interesting morning

A funny thing happened to me this morning …

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Freitag, 3. Oktober 2008

bcmuc08: Barcamp München

Am 11. und 12. Oktober findet in München das

Logo Barcamp München

statt.

Auch ich werde daran teilnehmen. Ich freue mich darauf, den einen oder anderen Blogger persönlich kennenzulernen.

Via Robert Basic.

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Dienstag, 23. September 2008

Auch Malaysia erträgt keine Kritik

Wappen Malaysia
Bildquelle: Wikipedia

Don Alphonso schreibt an der Blogbar:

In die Liste widerlicher Regime reiht sich auch Malaysia ein, formal eine Demokratie mit einigen Einschränkungen wie einer Staatsreligion, einer sehr lange herrschenden Clique und anderen unwestlichen Standards in der Behandlung Andersdenkender. Wie der Guardian berichtet, ist mit Raja Petra Raja Kamarudin einer der bekannteren politischen Blogger des Landes wegen seiner Kritik an der Regierung festgenommen worden:

The beleaguered government’s long-time critic was taken today to a high-security prison where he could be held indefinitely without trial as the detention order, signed by the home minister, Syed Hamid Albar, can be renewed.

FahneMalaysia
Bildquelle: Wikipedia

Wie schnell das in Malaysia gehen kann, sieht man auch an dessen Kollegen Syed Azidi Syed Aziz, der vier Tage im Gefängnis landete, weil er seinem Protest durch das Abbilden einer umgedrehten Fahne Malaysias in seinem Blog Ausdruck gegeben hatte.

Malaysia ist einer der sogenannten Tigerstaaten, auf deren wirtschaftliche Entwicklung hierzulande gern verwiesen wird, wenn es um Globalisierung, Neoliberalismus und das Schlechtmachen von Deutschland geht.

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Mittwoch, 10. September 2008

Makokko: Blogger zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt

Wappen Marokko
Bildquelle: Wikipedia

Der marokkanische Blogger Mohamed Erraji (auch als “Mohammed Raji” geschrieben) wurde zu zwei Jahren Gefängnis und einer Strafe von umgerechnet 430 € verurteilt.
Ein Gericht in Agadir hat den 32-Jährigen der “Respektlosigkeit gegenüber dem König” für schuldig befunden, weil er sich in seinem in seinem Artikel “Der König unterstützt Abhängigkeit von Almosen” auf der marokkanischen Nachrichtenseite Hespress kritisch über dessen Sozialpolitik geäußert hatte.

Reporter ohne Grenzen (ROG) bezeichnete das Urteil als unfair. Erraji wurde in einem Schnellverfahren verurteilt, ohne Rechtsbeistand. ROG fordert daher seine sofortige Freilassung.

Erraji ist der erste Blogger in Marokko, der für einen Internetartikel verurteilt worden ist. Im Februar war der Marokkaner Fouad Mourtada für ein satirisches Profil des Bruders von König Mohammed auf der Internetplattform Facebook verurteilt worden. ROG geht davon aus, daß mit Erraji ein Exempel für die marokkanische Bloggerszene statuiert werden soll: “[Sie] ist für ihre Dynamik bekannt. Dieses Urteil ist ein großer Rückschritt für das Königreich“.

Der Artikel von Mohamed Erraji kann im arabischen Original und englischer Übersetzung nachgelesen werden, Hintergrundinformationen liefert dieser Artikel.

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Mittwoch, 9. Juli 2008

Menschenrechtler protestieren: Russischer Blogger wegen polizeifeindlichen Kommentars verurteilt

Erstmals hat die russische Justiz einen polizeifeindlichen Internetkommentar als Verbrechen eingestuft und damit Proteste von Menschenrechtlern ausgelöst.

In der russischen Teilrepublik Komi in der Stadt Syktywkar verurteilte das Gericht den Blogger Savva Terentyev zu einem Jahr Haft auf Bewährung wegen “Schürens von Haß gegen die soziale Gruppe der Polizei”. Das berichtete die Zeitung Kommersant, eine russische Wirtschaftszeitung, die auch auf englisch erscheint:

The prosecutor argued that Terentyev was using his diary as a form of mass media and that he was motivated by intolerance for a specific group – policemen “with the goal of publicly urging citizens to fight against the given social group.”

Wie westliche Medien berichten, sprach die Richterin Ljubow Sucharjewa bei der Urteilsbegründung am Montag von einem besonders verwerflichen Verbrechen, das eine erhöhte Gefahr für die Gesellschaft darstelle: Terentyev hatte in seinem Blog die Polizei wegen ihres brutalen Vorgehens gegen die Opposition im Februar 2007 unter anderem als “Viehzeug” beschimpft.

Menschenrechtler über das Urteil: “Dummheit”

Die Menschenrechtlerin Ljudmilla Alexejewa von der Moskauer Helsinki-Gruppe kritisierte das Urteil am Dienstag als “Dummheit”. Sie warnte angesichts dieses Präzedenzfalls vor neuen Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung in Russland. Das seien Methoden wie in Diktaturen, sagte Alexejewa laut der Agentur Interfax. In einem offenen Brief an Präsident Dmitri Medwedew protestierten Internetnutzer gegen “Gängelung und Bevormundung” durch die Behörden.

Neben dem gleichgeschalteten staatlichen Fernsehen galt das Internet in Russland bisher als Raum für die freie Meinungsäußerung. Nach einer Verschärfung der Extremismus-Gesetze in Russland hatten Menschenrechtler befürchtet, dass unter dem Vorwurf des Extremismus nun auch die Medienfreiheit stärker eingeschränkt werde.

Komersant wertet das Urteil so:

Russian authorities have attempted, unsuccessfully, to bring cases against Internet users before, particularly for posting nationalistic propaganda. In this case, the prosecutor has not filed charges of inciting ethnic enmity, but of belittling a social group. Experts question whether an Internet diary can be considered a form of mass media and whether the police can be considered a homogenous group.

Terentyev hat angekündigt, das Urteil anzufechten.

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Montag, 7. Juli 2008

Iran: Todesstrafe für Internetvergehen?

Der heise-Newsticker berichtet (Komplettzitat)

Im Iran wird über Todesstrafe für Internetvergehen diskutiert

Im Iran wird eine Gesetzesnovelle im Parlament diskutiert, nach der für Internetvergehen sogar die Todesstrafe verhängt werden könnte. Wer für schuldig befunden wird, für Korruption, Prostitution oder Gotteslästerung zu werben, könnte mit dem Tod bestraft werden, heißt es in Medienberichten. Die Gesetzesvorlage habe insgesamt das Ziel, die Strafen für die “Schädigung der geistigen Sicherheit in der Gesellschaft” zu verschärfen, wird ISNA (Iranian Student’s News Agency) zitiert. Wer Blogs oder Webseiten betreibt und für die genannten Vergehen wirbt, soll als “mohareb” (Gottesfeind) bestraft werden.

Iran sperrt den Zugang zu vielen Webseiten und hat, wie die OpenNet Initiative schreibt, eines der umfassendsten Filtersysteme auf der Welt. Internetaktivitäten werden streng reguliert und kontrolliert. In jüngster Zeit ging das Regime gegen feministische Webseiten vor, im Juni wurden neun Frauen, darunter fünf Online-Journalistinnen, verhaftet. Immer wieder werden Webseiten vom Netz genommen und Blogger oder Journalisten verhaftet. Auf der Rangliste von Reporter ohne Grenzen zur weltweiten Lage der Pressefreiheit nimmt Iran den viertletzten Platz ein. Die Zahl der verhängten Todesstrafen, auch gegen Minderjährige, nimmt laut Amnesty International zu. Es finden weiterhin Steinigungen statt. (fr/Telepolis)

    Update:

Global Voices hat einen Artikel dazu, in dem auch iranische Blogger zu Wort kommen. Von Balouch stammt der folgende Cartoon, in dem ein Kleriker zu einer Frau sagt: “Bleiben Sie ruhig, Ihre Hinrichtung ist ganz legal”.
hinrichtung.jpg

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Donnerstag, 26. April 2007

Umfrage zur Mediennutzung von Weblogs

Im Rahmen einer Diplomarbeit im Fachgebiet Medien- wissenschaft am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft (IfMK) der TU Ilmenau wird eine Umfrage zur Mediennutzung von Weblogs durchgeführt.

Ein bißchen peinlich finde ich, daß sie viele Fragen nochmals aufwirft, die bereits in der Blogstudie 2007 (s. meinen Artikel dazu) der Universität Leipzig beantwortet wurden. Für fragwürdig halte ich es außerdem, daß Zwischenergebnisse (hier, hier und hier) bei noch laufender Erhebung veröffentlicht werden. Der Ansatz, auf Mundpropaganda in der Blogosphäre zu setzen, gefällt mir ebenfalls nicht, da halte ich die Strategie der Blogstudie für besser, die mit Unterstützung eines Suchmaschinenbetreibers entstand.

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Samstag, 3. März 2007

Blogstudie 2007

Die Universität Leipzig hat 605 deutsche Nutzer der Suchmaschine Ask.com mit einer “selbstselektive[n] Online-Umfrage” “zur Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und Auffindbarkeit von Weblogs befragt”. Die Studie vergleicht die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern miteinander (sehr interessant!) und typisiert die Blognutzer.
Das Ergebnis liegt nun als PDF vor (356 KB, 13 Seiten, 10 Abbildungen).

Eine Analyse der Teilnehmer, die sich entschieden haben, an der Umfrage teilzunehmen, ergab: “An der Umfrage beteiligten sich insbesondere Trendsetter und Heavy-User des Webs”, die zu “96% … (mehrmals) täglich im Internet sind”. Offensichtlich hat die Freiwilligkeit der Studie dazu geführt, daß vor allem diese Gruppe sich an der Studie beteiligt.
Die von mir besprochene Studie des Statistischen Bundesamtes zur Demographie der Internetnutzer verwendet anstelle von “mindestens täglich” den unschärferen Begriff “täglich oder fast täglich” und kommt dafür auf 56% der Internetnutzer.
Vorsichtig interpretiert erfaßt die nun vorliegende Blogstudie überwiegend diese “Heavy-User”, die aber mit 96% weit überrepräsentiert sind.
Ich spekuliere, daß sie sogar von diesen nur diejenigen erfaßt, die das Thema “Blogs” besonders polarisiert; diejenigen, die das Thema nicht interessiert, werden die Umfrage überwiegend abgelehnt haben. Ein weiterer möglicher Faktor wäre, daß die Suchmaschine Ask.com, mit deren Hilfe die Umfrage durchgeführt wurde, dem breiteren (d.h. unerfahrenerem) Publikum auch nicht bekannt ist.

Jedenfalls ist aufgrund der Zusammensetzung der Umfrageteilnehmer das erste Ergebnis zum Thema Blognutzung besonders mit Vorsicht zu genießen:

Nur 12,7% der Befragten konnte mit dem Begriff “Weblog” nichts anfangen, und nur 7,5% von denen, die Weblogs kannten, haben noch nie ein Blog genutzt. Letztere nannten als wichtigsten Grund (70%) für die Nichtnutzung, daß sie sich durch das herkömmliche Medienangebot bereits ausreichend informiert fühlen. Fast die Hälfte (48%) gab an, keinen Überblick über Blogs zu haben und jeder Dritte (32%) kann in Weblogs die ihn interessierenden Angebote nicht ausmachen.

Von den Blog-Nutzern verwendet der größere Teil (45%) Weblogs hauptsächlich als Informationsquelle: Etwa Dreiviertel dieser Gruppe liest in Blogs nur (33%), nur etwa ein Viertel (12%) kommentiert auch.
Die Gruppe der aktiven Blogger ist mit knapp 35% relativ hoch. Davon schreiben 6% ausschließlich im eigenen Blog, 28% schreiben und kommentieren auch in anderen Blogs.

Offenbar ist der Community-Ansatz unter den Bloggern relativ stark vertreten. Dazu paßt auch, daß die Blognutzer Blogs überwiegend zuffällig finden:

Auffinden von Blogs

Es besteht offenbar Bedarf an Orientierung im Blog-”Urwald”. Daher wurden beide Benutzergruppen gefragt,

was sie dazu bewegen könnte, Blogs künftig (intensiver) zu nutzen. Ein großes Potenzial haben demnach Blogsuchmaschinen. Über zwei Drittel (68,3%) der [...] erfahrenen Blognutzer und immerhin 41% der Nicht-Nutzer befürworten solche spezialisierten Dienste. Denkbar wäre für knapp 40% beider Gruppen auch ein Blogmagazin, das analog zum TV-Programmheft den Weg durch den Dschungel der interessanten und weniger aufregenden Blogs weisen könnte. Ein Manko ist für viele erfahrene Blognutzer (28,3%) die unzureichende Usability heutiger Weblogs. Sie fordern mehr Benutzerfreundlichkeit [...].

Aufschlußreich auch die Assoziationen der Befragten zum Begriff “Weblog” (klicken zum Vergrößern):

Assoziationen mit dem Begriff Blog

Besonders interessant finde ich den Vergleich der Motivationen von Bloglesern und Blogschreibern:

Nutzungmotive

Der Mitteilungsdrang ist bei den Blogschreibern besonders hoch (67%), bei den Lesern sind es nur 8%. Fast jeder fünfte Blogger verfolgt einen aufklärerischen (19%) oder beeinflussenden (16%) Ansatz, 27% wollen Kritik und Ärger loswerden.

Die Studie hat daher untersucht, wie sich die Gruppe der Blognutzer zusammensetzt. Sie kommt zu dem Schluß

Blognutzer sind mehrheitlich „investigative Multiplikatoren“ — Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Die Bedeutung für die Wirtschaft liegt auf der Hand: Blognutzer sind interessante Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation sowie alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.

Insgesamt unterscheidet die Studie 5 verschiedene Typen von Nutzern. Die Schwäche in dieser Einteilung

Typologie der Blognutzer

sehe ich darin, daß die Typen exklusiv definiert werden — die Motivation der Nutzer dürfte normalerweise mehrere der genannten Typen umfassen.

Jeweils 18% machen die “Sozialen Netzwerker”, die mit Freunden in Kontakt bleiben wollen, und die “Selbstdarsteller”, die etwas zu sagen haben, aus. “Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an.”
Die größte Gruppe bilden allerdings mit die “Wissensdurstigen” mit 24%. Ihnen geht es primär um Hintergrundinformationen; zudem ist ihr Mißtrauen in klassische Medien überdurchschnittlich hoch. Die “Informationssucher” (19%) und die “Aktiven Konsumenten” suchen aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden letzteren Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.

Außerdem wurde die Bedeutung von Blogs für die Meinungsbildung untersucht:

Meinungsbildung durch Blogs

Aufschlußreich finde ich hier das niedrige Abschneiden der Corporate Blogs. Erstaunlich auch, daß journalistische Blogs knapp hinter Fachblogs landen.

Die Erklärung liefert das nächste Diagramm:

Glaubwürdigkeit von Blogs

Corporate Blogs gelten als besonders unglaubwürdig.

Ein nettes Schmankerl liefert die Studie zum Schluß: Es wurde gefragt, von welcher Person die Umfrageteilnehmer besonders gerne oder besonders ungerne ein Blog lesen würden. In beiden Kategorien liegt Angela Merkel auf der Spitzenposition. Auf der Wunschliste stehen nach Merkel – in dieser Reihenfolge – Harald Schmidt, Papst Benedikt XVI., George W. Bush und Steve Jobs.

In der Negativ-Top-5 folgen auf Frau Merkel Dieter Bohlen, George W. Bush, Paris Hilton und Edmund Stoiber.

Gefunden bei f!xmbr.

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