Freitag, 18. Januar 2008
Bald hat China mit seinen 210 Millionen Internetnutzern die USA eingeholt, die nur mit etwa 5 Millionen Internetnutzern mehr die Statistik anführen. In Kürze werden die USA überholt sein, denn in China wächst die Nutzung rapide: Im letzen halben Jahr sind etwa 48 Millionen Internetnutzer dazugekommen, das entspricht einem Wachstum von 30%. Betrachtet man das ganze vergangene Jahr, so waren es 73 Millionen neue Internetnutzer.
Die Nutzungsquote ist aber noch gering — das Potenzial also erheblich. Erst 16% der Chinesen nutzen das Internet (zum Vergleich: 63% der Deutschen). Dabei führen die Städte, dort leben 47% aller Internetnutzer. Umkehrt ist vor Allem in den Großstädten fast jeder zweite Städter auch im Internet, in Peking 47% und Shanghai 46%. In ländlichen Provinzen wie Guizhou oder Gansu sind es nicht mal 10% der Bevölkerung. Allerdings ist dort auch die Zuwachsrate mit 128% sehr viel höher als in den Städten mit 38%.
Die Mehrheit der chinesischen Internetnutzer ist männlich (57% gegenüber 43% Frauen).
78% der Internetnutzer haben einen Breitbandanschluß, 24% sind auch mobil im Netz.
Zugleich ist China eines der Länder mit der der strengsten Zensur von Medien und Internet. China betreibt die “Great Firewall” (in Anlehnung an die Chinesische Mauer, die “Great Wall”, so genannt). Übergriffe gegen Journalisten sind an der Tagesordnung, drakonische Strafen die Regel. Reporter ohne Grenzen nennt China zusammen mit Kuba” weiterhin eines der größten Gefängnisse für Journalisten”. Vor wenigen Tagen wurde von der lokalen Polizei der Blogger und Bürgerjournalist Wei Wenhua beim Filmen eines Polizeieinsatzes zu Tode geprügelt.
Auch wenn das mit dem jüngsten Fall nicht in Zusammenhang steht:
Die großen westlichen Internetkonzerne, allen voran Yahoo und Google, haben sich in der Vergangenheit als willige Erfüllungsgehilfen präsentiert. Unter dem Vorwand, man müsse ja schließlich mit der lokalen Regierung zu deren Bedingungen zusammenarbeiten, wurden Dossiers von Dissidenten zusammengestellt und den Regierungsbehörden übergeben. In Folge wurden die Betreffenden verhaftet und verurteilt.
Ihre Motivation ist eindeutig, sie möchten an dem riesigen Geschäft, das das Internet in China bietet, teilhaben. Im Moment kann Google erst in größeren Städten der größten chinesischen Suchmaschine Baidu signifikant Nutzerschaft abjagen: Googles Anteil an Suchanfragen beträgt in großen Städten 22%, in mittleren 15%, in kleinen 5%, weit entfernt von Baidu mit seinen 67%, 73% und 84%.
Moralische Aspekte — gerne tönt Google ja “Don’t Be Evil!” — bleiben offenbar auf der Strecke.
Geht man von einem ähnlichen Sättigungsgrad wie bei uns aus, so gibt es in China noch rund 825 Millionen potenzielle Internetnutzer. Um diesen gigantischen Markt geht es.
Trotz der massiven Restriktionen sind die Chinesen nämlich sehr aktiv im Internet. Nach Hochrechnung einer Umfrage haben dort 47 Millionen Internetnutzer schon einmal ein Blog ausprobiert (22%). Auch hier ist das Wachstum enorm, vor einem Jahr waren es erst 17,5 Millionen Blogger. Offenbar sind 30 Millionen nicht dabei geblieben, denn die aktiven Blogger sind etwa 17 Millionen mit etwa 29 Millionen aktiven Blogs (von insgesamt etwa 73 Millionen Blogs). Darüberhinaus wollen 11% der befragten Internetnutzer demnächst mit dem Bloggen beginnen.
Interessant Randnotiz: Obwohl bei den Internetnutzern 57% Männer sind, gegenüber 43% Frauen, verhält es sich bei den Bloggern genau umgekehrt: 57% Frauen und 43% Männer.
Bürgerjournalisten wie der totgeprügelte Wei Wenhua sind offenbar eher die Ausnahme, primär steht die Bloggerin bzw. der Blogger im Mittelpunkt des Blogs (bei fast der Hälfte der Blogs). Gelesen werden die Blogs vor Allem der Unterhaltung wegen.
Allerdings versucht die chinesische Regierung gerade verstärkt, die Blogger unter Kontrolle zu bekommen. Vergangenes Jahr kündigte sie an, Blogs stärker zu kontrollieren. Vor zwei Wochen wurde Privatpersonen verboten, ihre Videos über das Internet zu verbreiten. Bislang stellten sie bei weitem die Mehrheit der Beiträge.
Gut möglich, daß auch Wei Wenhuas Tod in diesem Zusammenhang gesehen werden muß.
Dieser Artikel basiert auf offiziellen Statistiken des China Network Information Center (CNNIC), veröffentlicht u.A. bei Golem hier und da.
Siehe zu chinesischen Bloggern auch meinen Artikel vor eineinviertel Jahren und zur Kritik an Unternehmen wie Google und Yahoo meinen Artikel dort.
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Donnerstag, 26. April 2007
Im Rahmen einer Diplomarbeit im Fachgebiet Medien- wissenschaft am Institut für Medien und Kommunikationswissenschaft (IfMK) der TU Ilmenau wird eine Umfrage zur Mediennutzung von Weblogs durchgeführt.
Ein bißchen peinlich finde ich, daß sie viele Fragen nochmals aufwirft, die bereits in der Blogstudie 2007 (s. meinen Artikel dazu) der Universität Leipzig beantwortet wurden. Für fragwürdig halte ich es außerdem, daß Zwischenergebnisse (hier, hier und hier) bei noch laufender Erhebung veröffentlicht werden. Der Ansatz, auf Mundpropaganda in der Blogosphäre zu setzen, gefällt mir ebenfalls nicht, da halte ich die Strategie der Blogstudie für besser, die mit Unterstützung eines Suchmaschinenbetreibers entstand.
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Samstag, 3. März 2007
Die Universität Leipzig hat 605 deutsche Nutzer der Suchmaschine Ask.com mit einer “selbstselektive[n] Online-Umfrage” “zur Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und Auffindbarkeit von Weblogs befragt”. Die Studie vergleicht die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern miteinander (sehr interessant!) und typisiert die Blognutzer.
Das Ergebnis liegt nun als PDF vor (356 KB, 13 Seiten, 10 Abbildungen).
Eine Analyse der Teilnehmer, die sich entschieden haben, an der Umfrage teilzunehmen, ergab: “An der Umfrage beteiligten sich insbesondere Trendsetter und Heavy-User des Webs”, die zu “96% … (mehrmals) täglich im Internet sind”. Offensichtlich hat die Freiwilligkeit der Studie dazu geführt, daß vor allem diese Gruppe sich an der Studie beteiligt.
Die von mir besprochene Studie des Statistischen Bundesamtes zur Demographie der Internetnutzer verwendet anstelle von “mindestens täglich” den unschärferen Begriff “täglich oder fast täglich” und kommt dafür auf 56% der Internetnutzer.
Vorsichtig interpretiert erfaßt die nun vorliegende Blogstudie überwiegend diese “Heavy-User”, die aber mit 96% weit überrepräsentiert sind.
Ich spekuliere, daß sie sogar von diesen nur diejenigen erfaßt, die das Thema “Blogs” besonders polarisiert; diejenigen, die das Thema nicht interessiert, werden die Umfrage überwiegend abgelehnt haben. Ein weiterer möglicher Faktor wäre, daß die Suchmaschine Ask.com, mit deren Hilfe die Umfrage durchgeführt wurde, dem breiteren (d.h. unerfahrenerem) Publikum auch nicht bekannt ist.
Jedenfalls ist aufgrund der Zusammensetzung der Umfrageteilnehmer das erste Ergebnis zum Thema Blognutzung besonders mit Vorsicht zu genießen:
Nur 12,7% der Befragten konnte mit dem Begriff “Weblog” nichts anfangen, und nur 7,5% von denen, die Weblogs kannten, haben noch nie ein Blog genutzt. Letztere nannten als wichtigsten Grund (70%) für die Nichtnutzung, daß sie sich durch das herkömmliche Medienangebot bereits ausreichend informiert fühlen. Fast die Hälfte (48%) gab an, keinen Überblick über Blogs zu haben und jeder Dritte (32%) kann in Weblogs die ihn interessierenden Angebote nicht ausmachen.
Von den Blog-Nutzern verwendet der größere Teil (45%) Weblogs hauptsächlich als Informationsquelle: Etwa Dreiviertel dieser Gruppe liest in Blogs nur (33%), nur etwa ein Viertel (12%) kommentiert auch.
Die Gruppe der aktiven Blogger ist mit knapp 35% relativ hoch. Davon schreiben 6% ausschließlich im eigenen Blog, 28% schreiben und kommentieren auch in anderen Blogs.
Offenbar ist der Community-Ansatz unter den Bloggern relativ stark vertreten. Dazu paßt auch, daß die Blognutzer Blogs überwiegend zuffällig finden:

Es besteht offenbar Bedarf an Orientierung im Blog-”Urwald”. Daher wurden beide Benutzergruppen gefragt,
was sie dazu bewegen könnte, Blogs künftig (intensiver) zu nutzen. Ein großes Potenzial haben demnach Blogsuchmaschinen. Über zwei Drittel (68,3%) der [...] erfahrenen Blognutzer und immerhin 41% der Nicht-Nutzer befürworten solche spezialisierten Dienste. Denkbar wäre für knapp 40% beider Gruppen auch ein Blogmagazin, das analog zum TV-Programmheft den Weg durch den Dschungel der interessanten und weniger aufregenden Blogs weisen könnte. Ein Manko ist für viele erfahrene Blognutzer (28,3%) die unzureichende Usability heutiger Weblogs. Sie fordern mehr Benutzerfreundlichkeit [...].
Aufschlußreich auch die Assoziationen der Befragten zum Begriff “Weblog” (klicken zum Vergrößern):

Besonders interessant finde ich den Vergleich der Motivationen von Bloglesern und Blogschreibern:

Der Mitteilungsdrang ist bei den Blogschreibern besonders hoch (67%), bei den Lesern sind es nur 8%. Fast jeder fünfte Blogger verfolgt einen aufklärerischen (19%) oder beeinflussenden (16%) Ansatz, 27% wollen Kritik und Ärger loswerden.
Die Studie hat daher untersucht, wie sich die Gruppe der Blognutzer zusammensetzt. Sie kommt zu dem Schluß
Blognutzer sind mehrheitlich „investigative Multiplikatoren“ — Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Die Bedeutung für die Wirtschaft liegt auf der Hand: Blognutzer sind interessante Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation sowie alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.
Insgesamt unterscheidet die Studie 5 verschiedene Typen von Nutzern. Die Schwäche in dieser Einteilung

sehe ich darin, daß die Typen exklusiv definiert werden — die Motivation der Nutzer dürfte normalerweise mehrere der genannten Typen umfassen.
Jeweils 18% machen die “Sozialen Netzwerker”, die mit Freunden in Kontakt bleiben wollen, und die “Selbstdarsteller”, die etwas zu sagen haben, aus. “Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an.”
Die größte Gruppe bilden allerdings mit die “Wissensdurstigen” mit 24%. Ihnen geht es primär um Hintergrundinformationen; zudem ist ihr Mißtrauen in klassische Medien überdurchschnittlich hoch. Die “Informationssucher” (19%) und die “Aktiven Konsumenten” suchen aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden letzteren Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.
Außerdem wurde die Bedeutung von Blogs für die Meinungsbildung untersucht:

Aufschlußreich finde ich hier das niedrige Abschneiden der Corporate Blogs. Erstaunlich auch, daß journalistische Blogs knapp hinter Fachblogs landen.
Die Erklärung liefert das nächste Diagramm:

Corporate Blogs gelten als besonders unglaubwürdig.
Ein nettes Schmankerl liefert die Studie zum Schluß: Es wurde gefragt, von welcher Person die Umfrageteilnehmer besonders gerne oder besonders ungerne ein Blog lesen würden. In beiden Kategorien liegt Angela Merkel auf der Spitzenposition. Auf der Wunschliste stehen nach Merkel – in dieser Reihenfolge – Harald Schmidt, Papst Benedikt XVI., George W. Bush und Steve Jobs.
In der Negativ-Top-5 folgen auf Frau Merkel Dieter Bohlen, George W. Bush, Paris Hilton und Edmund Stoiber.
Gefunden bei f!xmbr.
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Mittwoch, 28. Februar 2007
Eine leicht überarbeitete Fassung des Arbeitspapiers 06-02 der Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” (FoNK) ist inzwischen in einer Aufsatzsammlung erschienen. Es geht darin vor allem um sogenannte “W-Blogger”, also Wissens-Blogger, die ihr Weblog zur Wissensvermittlung nutzen:
Schmidt, Jan / Florian L. Mayer (2007): “Wer nutzt Weblogs für kollaborative Lern- und Wissensprozesse? Ergebnisse der Befragung ‘Wie ich blogge?!’ 2005” In: Dittler, Ulrich / Michael Kindt / Christine Schwarz (Hrsg.): Online-Communities als soziale Systeme. Münster: Waxmann. S.61-80.
Das Buch ist Teil der Reihe “Medien in der Wissenschaft” und enthält eine ganze Reihe von sehr interessanten Texten zum Einsatz von Wikis, Weblogs und anderen Formen von Social Software im E-Learning.
Via FoNKblog.
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Donnerstag, 5. Oktober 2006
Heise Newsticker berichtet heute (Hervorhebungen von mir):
[...] In kurzer Zeit hat sich im Reich der Mitte die lebendigste und größte Szene mit Internet-Tagebüchern weltweit entwickelt. 34 Millionen dieser Tagebücher gibt es derzeit laut einer neuen Untersuchung des chinesischen Internet-Informationszentrums. Das sind rund dreißig Mal so viele wie noch vor vier Jahren. Dabei haben die Blogger mit einer harten Zensur zu kämpfen. Viele Adressen im Internet sind in China nicht zugänglich oder werden blockiert, wenn sie sensible politische Themen ansprechen. Bei anderen werden einzelne heikle Einträge gelöscht.
Doch die Popularität der Internet-Tagebücher wächst rasant. Allein das Blog der jungen chinesischen Schauspielerin und Regisseurin Xu Jinglei wurde innerhalb eines Jahres schon mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. [...] Dabei schreibt der Star [...] von banalen Dingen wie einem Treffen mit Freunden, vom Schwimmtraining und Problemen mit dem Computer.
Das leichte Alltagsgeplauder kommt an. [...] Das Internet untergräbt das Medienmonopol der Kommunistischen Partei, auch wenn die meisten Nutzer Unkritisches berichten. 7,7 Millionen chinesische Blogger gelten als “aktiv”, weil sie mindestens einmal im Monat in ihr Internet-Tagebuch eintragen. 75 Millionen der 111 Millionen chinesischen Internetnutzer verfolgen diese Seiten.
Die Eintragungen spielen eine wichtige Rolle für den freien Austausch von Informationen und Meinungen. “Die Tatsache, dass die chinesische Regierung diese Entwicklung blockiert und zensiert, beweist, wie weit China noch davon entfernt ist, die freie Meinungsäußerung zu akzeptieren“, sagte der unter dem Namen “Michael Anti” bekannte Blogger Zhao Jing. Die Internet-Tagebücher stehen unter der “strikten Beaufsichtigung der Regierung”, wie Cai Wu, Direktor des offiziellen Informationsbüros, bestätigte. Aber die schiere Menge ist schwer zu kontrollieren. Viele Blogger verändern oder kodieren die Schriftzeichen sensibler Stichworte. Li Xinde etwa, der gegen Korruption kämpft, veröffentlicht seine Berichte gleichzeitig auf 50 verschiedenen Internetseiten.
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Dienstag, 6. Juni 2006
In der Reihe “Berichte der Forschungsstelle Neue Kommunikationsmedien” ist ein neues Working Paper erschienen:
Schmidt, Jan / Mayer, Florian (2006): Wer nutzt Weblogs für kollaborative Lern- und Wissensprozesse? Ergebnisse der Befragung ‘Wie ich blogge?!’ 2005. Berichte der Forschungsstelle „Neue Kommunikationsmedien“, Nr. 06-02. Bamberg. Online verfügbar.
In diesem Bericht wird ein Drittel der Weblog-Autoren näher untersucht: Die “W-Blogger” (abgeleitet von “Wissen“, im Englischen wird der Begriff “K-Blogger”, entsprechend “knowledge”, verwendet), “also diejenigen Personen, die ihr Weblog führen, um Wissen mit anderen zu teilen.”
Aus den Ergebnissen:
Die Gruppe der W-Blogger ähnelt in ihrer soziodemographischen Zusammensetzung dem Profil früher Übernehmer einer Technologie (männlich, hohe formale Bildung, 20 bis 40 Jahre). Sie erscheinen etwas technikaffiner, was sich nicht nur in der allgemeinen Internetnutzung, sondern auch in der Vertrautheit mit weblogspezifischen Technologien (Umgang mit RSS, Trackbacks, etc.) zeigt.
[...] Es zeigt sich, daß W-Blogger in stärkerem Maße als übrige Gruppen Hinweise auf ihre Identität geben und so eine Kontextualisierung der veröffentlichen Texte erleichtern.
[...] In Bezug auf das Informationsmanagement [lassen sich] deutlich stärkere Unterschiede zu den übrigen Bloggern finden [...]: W-Blogger lesen tendenziell mehr Weblogs und nutzen in stärkerem Maße die Möglichkeit, über RSS eine größere Anzahl von Quellen effizient auf Aktualisierungen zu überprüfen.
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Dienstag, 6. Juni 2006
Die Forschungsstelle Neue Kommunikationsmedien hat in einem Ihrer Berichte am 05. Januar 2006 ein Working Paper zum Einfluß von Weblogs auf Ankündigung und Rücklauf von onlinebasierten Befragungen veröffentlicht (PDF zum Download, 1,5 MB).
Der Bericht diskutiert auf der Grundlage von Daten zweier Projekte (“Weblogs im Bundestagswahlkampf 2005″ von Roland Abold/Sandra Huber sowie der “Wie ich blogge?!”-Umfrage von Jan Schmidt) einige methodische Aspekte der Ankündigung von Befragungen mit Hilfe von Weblogs.
Aufgrund der wenigen Umfragen, die als Grundlage des Berichtes dienen, sind die Autoren sehr vorsichtig, sehen aber doch “erste Indizien” für folgende Schlußfolgerungen (sie fordern weitere Untersuchungen, wahrscheinlich ist auch das ein wichtiger Zweck des Berichts):
- Weblogs haben aufgrund ihrer hochgradigen Vernetzung das Potenzial, online-basierte Umfragen bei großen Teilnehmergruppen bekannt zu machen. [...]
- Bei Online-Umfragen, die über Weblogs bekannt gegeben werden, dauert es gegenüber E-Mail-Ankündigungen länger, potenzielle Teilnehmer zu erreichen. [...]
- Für die Initiatoren einer Studie ist es besonders wichtig, Weblogs zu erreichen, die über eine hohe Zentralität verfügen, das heißt von möglichst vielen Personen gelesen und gegebenenfalls verlinkt werden. [...]
Das sind zunächst einmal tendenziell eher Binsenweisheiten. Der Wert des Berichts liegt aber darin, diese systematisch erfaßt und analysiert zu haben.
Ich bin gespannt auf die im Bericht genannte Dissertation von Cameron Marlow am MIT, die zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht veröffentlicht war. Am 19. Januar schien sie auch noch nicht fertig zu sein. Er muß ja “nur” etwa 35.000 Fragebögen auswerten.
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Freitag, 26. Mai 2006
In dem im Nachtrag von mir bereits genannten Artikel in der Financial Times stehen ein paar interessante Zahlen:
UPS Europe Business Monitor vom Dezember 2005: 57 Prozent der deutschen Topmanager kennen den Begriff nicht. 29 Prozent haben zwar davon gehört, lesen oder schreiben aber selber keine. Als Informationsquelle ziehen gerade mal acht Prozent einen Blog heran.
In den Unternehmen gibt es momentan zwei Lager, wie die Studie “Euroblog 2006″ zeigt: überzeugte Nutzer und Skeptiker. 587 PR-Fachleute aus 33 Ländern gaben Auskunft, ob und wie sie Blogs nutzen. zur Nutzung von Weblogs in Public Relations und Kommunikationsmanagement. Ein Drittel betreibt ein Weblog oder verfasst regelmäßig Beiträge.
Ein Viertel ignoriert Weblogs noch komplett. 42 Prozent der Befragten, die derzeit noch keinen Blog betreiben, wollen dies in den nächsten zwölf Monate nachholen. Ein Drittel plant dies eher nicht – weil die Vorteile nicht klar auf der Hand liegen, die Inhalte nicht kontrollierbar sind oder es an Personalkapazitäten mangelt.
Immerhin beobachtet laut Euroblog-Studie knapp ein Drittel der befragten PR-Experten Weblogs. Fast 20 Prozent planen, ein solches Monitoring im Unternehmen einzuführen.
Bei BlogKnowHow wird auf einen weiteren Artikel der Financial Times Deutschland verwiesen:
Im Artikel “Boomlaune bewegt die Top Ten” schreibt Financial Times Deutschland über das Ranking der meistgenannten Businessbegriffe. Nach dem Spitzenreiter “Turnaround” folgt bereits “Blog”. Die reale Häufigkeit von Corporate Weblogs hinkt dieser Platzierung aber noch weit hinterher.
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Donnerstag, 18. Mai 2006
Die PR-Firma Makovsky hat im Februar diesen Jahres unter 150 “Leading Executives” in “Fortune 1000 Companies” (in Wirklichkeit sind offensichtlich US-Firmen gemeint) zusammen mit Harris Interactive eine Telefonumfrage zu Business Weblogs durchgeführt.
Laut Makowsky stimme die Stichprobe theoretisch mit 95% Wahrscheinlichkeit auf ±8% mit der Wirklichkeit überein.
Im Folgenden sind mit “Weblogs” immer “Unternehmens/Business-Weblogs” gemeint. Die Grafiken sind der Makovsky-Website entnommen. Bis auf eine Beschreibung der Stichproben-Zusammensetzung besteht das Umfrage-PDF (s.u.) aus genau diesen Grafiken.
4% haben noch nie etwas von Blogs gehört, 15% haben davon gehört, ohne allzuviel verstanden zu haben, 51% haben eine vage Vorstellung davon, und 30% verstehen genau, was damit gemeint ist (Grafik).
Dabei lesen 40% Business-Blogs nie, 23% ein paarmal im Jahr und immerhin 21% wöchentlich (Grafik).
Interessanterweise ist die Zahl der Nie- und Gelegenheitsnutzer größer als die derer mit wenig oder vager Vorstellung von Blogs. Hmm.
Angesichts dieser Werte ist die Zustimmung zu den verschiedenen Definitionen von Weblogs interessant (s. Grafik): 83% halten es für Bürgerjournalismus, aber nur 76% meinen, daß dort “on a regular basis” publiziert wird; 53% haben die Bedeutung als “promotional online tool” erkannt. Ich erinnere nur an die o.g. 30% derjenigen mit einem genauen Verständnis von Weblogs.
77% verneinen, daß in ihrem Unternehmen ein Blog über das Unternehmen oder seine Aktivitäten geführt wird, 15% bejahen das (Grafik).
80% meinen, ihr Unternehmen sollte eine Policy zum Schreiben in Corporate Blogs haben, aber nur 47% haben auch wirklich eine (Grafik).
12% haben schon einmal rechtliche oder andere Schritte gegen Weblogs unternommen (Grafik), 20% betreiben Web Monitoring.
28% meinen, daß die Glaubwürdigkeit von Weblogs als Mittel, eine Marke aufzubauen und zu entwickeln, überhaupt nicht zugenommen hat. 45% sehen ein wenig, 19% moderat und nur 3% ein größeres Maß an Zunahme (Grafik).
18% meinen, daß die Glaubwürdigkeit von Weblogs als Mittel der Unternehmenskommunikation überhaupt nicht gewonnen hat, 44% sehen ein wenig, 27% moderat und nur 5% ein größeres Maß an Zunahme (Grafik).
40% meinen, daß die Glaubwürdigkeit von Weblogs als Mittel, um Verkäufe oder Kundenbeziehungen zu generieren, überhaupt nicht zugenommen hat. 31% sehen ein wenig, 22% moderat und keine signifikante Zahl ein größeres Maß an Zunahme (Grafik).
PDF-Download der Studie und der Presseerklärung dazu.
Aufgrund eines Berichts auf blogknowhow via ECIN recherchiert beim Blog von Makowsky.
Technorati Tags: Umfrage, Studie, State of Corporate Blogging, corporate blogging, business weblogs, blogging, Blogosphäre.
Nachtrag:
Es gibt einige wenige Artikel zum Thema aus deutscher Sicht. Robert Basic verweist in einem Beitrag “Firmen-Weblogs: Praktische Erfahrungen und Nutzen” auf einen Artikel in der Financial Times Deutschland über Firmenblogs, einen Beitrag im Blog Exciting Commerce über Shopblogger und zwei Interviews (Blogtalks) mit dem Betreiber des Frosta-Blogs hier und hier.
Nachtrag 26.05.:
PR-Blogger Klaus Eck hat die Studie am 23.05. ebenfalls kommentiert.
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Freitag, 5. Mai 2006
Golem Newsticker schreibt:
Menschen vertrauen Medien, nicht der Politik oder Blogs
Die Medien genießen größeres Vertrauen als Regierungen, vor allem in Entwicklungsländern. Dabei liegen landesweite TV-Programme vor anderen Nachrichtenquellen. Weblogs belegen den letzten Platz in der Rangliste, die von der BBC, Reuters und dem Media Center in Auftrag gegeben und beim WeMedia Global Forum in London vorgestellt wurde. Die Mediennutzung in Deutschland fiel dabei im internationalen Vergleich aus dem Rahmen.
[...] Nutzer wurden auch danach gefragt, was ihre wichtigste Nachrichtenquelle ist. Deutschland ist das einzige Land, in dem mehr Befragte die Zeitung als wichtigste Quelle nannten als das Fernsehen (45 zu 30 Prozent).
[...] Was das Vertrauen in die verschiedenen Medienformen angeht, liegen die Angaben für die öffentlich-rechtlichen Radiosender, landesweite Fernsehprogramme und Zeitungen (landesweit und überregional) in Deutschland sehr dicht beieinander (83/81/80 Prozent). Blogs folgten abgeschlagen mit 38 Prozent, aber noch weit vor “Freunden und Familie”, die nur 25 Prozent der Befragten als vertrauenswürdige Nachrichtenquelle nannten.
[...] Allerdings ist Deutschland das einzige Land, in dem eine Mehrheit der Befragten (51 Prozent) nicht der Ansicht war, dass die Medien ausreichend über Themen berichten, die die Leser, Zuhörer und Zuschauer interessieren. Außerdem gaben 54 Prozent an, die Medien ließen nicht alle Seiten, die für eine Darstellung eine Rolle spielen, zu Wort kommen. Allerdings waren gleichzeitig 58 Prozent der Befragten der Meinung, daß die Medien korrekt berichten.
Wie Golem aber zu der Aussage “Blogs haben die Medienlandschaft vollständig verändert” (Untertitel des Artikels) kommt, gibt der Artikel nicht wirklich her. Ich vermute, sie beziehen sich auf die schiere Existenz der Blogs und die unerwartet hohe Nutzungs- und Vertrauensquote der Blogs.
Zwar bleiben kritische Aussagen nicht aus: “Es ist noch zu früh, um überhaupt etwas über Blogs zu sagen, denn viele Menschen haben bisher noch nicht einmal das Wort gehört” wird ein Podiumsteilnehmer zitiert. Wie hoch aber der Anteil der Konsumenten, die mit Weblogs etwas anfangen können, ist, bleibt offen, auch wie hoch dabei der Anteil der Blogschreiber unter den Bloglesern ist, und in welcher der beiden Gruppen das Vertrauen höher ist (ich vermute in letzterer).
Ein weiterer Podiumsteilnehmer
fügte an, daß es ohnehin wenig Sinn habe, von Weblogs in einem generellen Sinn zu sprechen, da es viele Millionen gebe. Er erwarte, dass es einen “Shakeout”, eine radikale Verringerung gibt. Die, denen Nutzer nicht trauen, würden nicht überleben.
Diese Aussage halte ich für zu extrem, insbesondere den letzten Satz. Die Überlebensfrage kann man meiner Meinung nach nicht so eng an das Vertrauen knüpfen. Unterhaltungswert und Charakter bestimmen auch entscheidend die Wertschätzung eines Blogs. Insbesondere spielt die Motivation des Bloggers eine Rolle und ist bei “Selbstverwirklichungsblogs” relativ unabhängig vom Vertrauen.
Wenn die Studie im Netz verfügbar ist, werde ich sie nachreichen.
Mobil gebloggt im Tambosi-Biergarten. So macht die Blognutzung Spaß!
Nachtrag: Noch ein Artikel und Quelle der Studie
Die Studie gibt es hier als Download-PDF. Der Telepolis-Artikel, aus dem ich diesen Link habe, wartet mit weiteren interessanten Details auf:
Während international 72 Prozent täglich die Nachrichten verfolgen würden, werden die Deutschen mit 80 Prozent, die sich täglich informieren, und 91 Prozent, die es bevorzugen, mehrere Quellen aufzusuchen, vom Bericht als “außergewöhnlich enthusiastische Nachrichtenkonsumenten” ausgezeichnet. Nur in Deutschland sprach sich eine leichte Mehrheit (51 %) dagegen aus, dass die Medienberichterstattung die Nachrichten abdeckt, die ihr wichtig ist.
[... International gilt: ...] Das Internet wurde von 9% als wichtigste News-Quelle angegeben. Nachrichten-Websites und Blogs liegen in der Vertrauensfrage auf den hintersten Plätzen. Während Online-Nachrichten für einen beträchtlichen Teil der Jungen zwischen 18 bis 24 Jahren erste Wahl sind, trifft dies nur für drei Prozent der Älteren zwischen 55 und 64 Jahren zu.
Das Vertrauen kann jedoch verloren gehen: Mehr als ein Viertel der Befragten haben aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit auf die weitere Nutzung einer News-Quelle verzichtet.
Nachtrag 2: Weiterführende Gedanken
Patrick Breitenbach entwickelt in “Blogdiplomatie” einige interessante Gedanken zu Blogs, u.a. daß die Spannbreite an Glaubwürdigkeit bei Weblogs sehr viel größer ist, als bei klassischen Medien.
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