Donnerstag, 29. März 2007
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. hat nun einen Leitfaden für Blogs veröffentlicht, der dem Corporate-Blogger die Orientierung im Dickicht von Urheberrechts- und Markenrechtsverletzungen, Beleidigungsklagen und ähnlichen Unannehmlichkeiten erleichtern soll.
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen beim Führen von Blogs zu beachten sind, soll der BVDW-Leitfaden anhand einiger Beispiele aufzeigen. Die Informationen, die als Präsentation aufbereitet sind, wurden in Zusammenarbeit mit Dr. Sabine Grapentin, Leiterin des Arbeitskreises Recht im BVDW, erstellt. Dabei wird besonders auf Meinungsäußerungen und Bewertungen eingegangen.
Der Leitfaden steht als PDF kostenlos zum Download zur Verfügung.
Via golem.de.
Samstag, 3. März 2007
Die Universität Leipzig hat 605 deutsche Nutzer der Suchmaschine Ask.com mit einer “selbstselektive[n] Online-Umfrage” “zur Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und Auffindbarkeit von Weblogs befragt”. Die Studie vergleicht die Motivation von Bloglesern und Blogschreibern miteinander (sehr interessant!) und typisiert die Blognutzer.
Das Ergebnis liegt nun als PDF vor (356 KB, 13 Seiten, 10 Abbildungen).
Eine Analyse der Teilnehmer, die sich entschieden haben, an der Umfrage teilzunehmen, ergab: “An der Umfrage beteiligten sich insbesondere Trendsetter und Heavy-User des Webs”, die zu “96% … (mehrmals) täglich im Internet sind”. Offensichtlich hat die Freiwilligkeit der Studie dazu geführt, daß vor allem diese Gruppe sich an der Studie beteiligt.
Die von mir besprochene Studie des Statistischen Bundesamtes zur Demographie der Internetnutzer verwendet anstelle von “mindestens täglich” den unschärferen Begriff “täglich oder fast täglich” und kommt dafür auf 56% der Internetnutzer.
Vorsichtig interpretiert erfaßt die nun vorliegende Blogstudie überwiegend diese “Heavy-User”, die aber mit 96% weit überrepräsentiert sind.
Ich spekuliere, daß sie sogar von diesen nur diejenigen erfaßt, die das Thema “Blogs” besonders polarisiert; diejenigen, die das Thema nicht interessiert, werden die Umfrage überwiegend abgelehnt haben. Ein weiterer möglicher Faktor wäre, daß die Suchmaschine Ask.com, mit deren Hilfe die Umfrage durchgeführt wurde, dem breiteren (d.h. unerfahrenerem) Publikum auch nicht bekannt ist.
Jedenfalls ist aufgrund der Zusammensetzung der Umfrageteilnehmer das erste Ergebnis zum Thema Blognutzung besonders mit Vorsicht zu genießen:
Nur 12,7% der Befragten konnte mit dem Begriff “Weblog” nichts anfangen, und nur 7,5% von denen, die Weblogs kannten, haben noch nie ein Blog genutzt. Letztere nannten als wichtigsten Grund (70%) für die Nichtnutzung, daß sie sich durch das herkömmliche Medienangebot bereits ausreichend informiert fühlen. Fast die Hälfte (48%) gab an, keinen Überblick über Blogs zu haben und jeder Dritte (32%) kann in Weblogs die ihn interessierenden Angebote nicht ausmachen.
Von den Blog-Nutzern verwendet der größere Teil (45%) Weblogs hauptsächlich als Informationsquelle: Etwa Dreiviertel dieser Gruppe liest in Blogs nur (33%), nur etwa ein Viertel (12%) kommentiert auch.
Die Gruppe der aktiven Blogger ist mit knapp 35% relativ hoch. Davon schreiben 6% ausschließlich im eigenen Blog, 28% schreiben und kommentieren auch in anderen Blogs.
Offenbar ist der Community-Ansatz unter den Bloggern relativ stark vertreten. Dazu paßt auch, daß die Blognutzer Blogs überwiegend zuffällig finden:

Es besteht offenbar Bedarf an Orientierung im Blog-”Urwald”. Daher wurden beide Benutzergruppen gefragt,
was sie dazu bewegen könnte, Blogs künftig (intensiver) zu nutzen. Ein großes Potenzial haben demnach Blogsuchmaschinen. Über zwei Drittel (68,3%) der […] erfahrenen Blognutzer und immerhin 41% der Nicht-Nutzer befürworten solche spezialisierten Dienste. Denkbar wäre für knapp 40% beider Gruppen auch ein Blogmagazin, das analog zum TV-Programmheft den Weg durch den Dschungel der interessanten und weniger aufregenden Blogs weisen könnte. Ein Manko ist für viele erfahrene Blognutzer (28,3%) die unzureichende Usability heutiger Weblogs. Sie fordern mehr Benutzerfreundlichkeit […].
Aufschlußreich auch die Assoziationen der Befragten zum Begriff “Weblog” (klicken zum Vergrößern):

Besonders interessant finde ich den Vergleich der Motivationen von Bloglesern und Blogschreibern:

Der Mitteilungsdrang ist bei den Blogschreibern besonders hoch (67%), bei den Lesern sind es nur 8%. Fast jeder fünfte Blogger verfolgt einen aufklärerischen (19%) oder beeinflussenden (16%) Ansatz, 27% wollen Kritik und Ärger loswerden.
Die Studie hat daher untersucht, wie sich die Gruppe der Blognutzer zusammensetzt. Sie kommt zu dem Schluß
Blognutzer sind mehrheitlich „investigative Multiplikatoren“ — Konsumenten, die mehr wissen wollen, Informationen aktiv weitergeben und gut vernetzt sind. Die Bedeutung für die Wirtschaft liegt auf der Hand: Blognutzer sind interessante Dialogpartner für Marketing und Unternehmenskommunikation sowie alle, die sich frühzeitig mit gesellschaftlichen Trends, neuen Ideen und kritischen Stimmen auseinandersetzen wollen.
Insgesamt unterscheidet die Studie 5 verschiedene Typen von Nutzern. Die Schwäche in dieser Einteilung

sehe ich darin, daß die Typen exklusiv definiert werden — die Motivation der Nutzer dürfte normalerweise mehrere der genannten Typen umfassen.
Jeweils 18% machen die “Sozialen Netzwerker”, die mit Freunden in Kontakt bleiben wollen, und die “Selbstdarsteller”, die etwas zu sagen haben, aus. “Aktive Blogger gehören eher einer dieser Gruppen an.”
Die größte Gruppe bilden allerdings mit die “Wissensdurstigen” mit 24%. Ihnen geht es primär um Hintergrundinformationen; zudem ist ihr Mißtrauen in klassische Medien überdurchschnittlich hoch. Die “Informationssucher” (19%) und die “Aktiven Konsumenten” suchen aktuellen Nachrichten bzw. Produktinformationen. Diese beiden letzteren Gruppen bestehen mehrheitlich aus Bloglesern und weniger aus Schreibern.
Außerdem wurde die Bedeutung von Blogs für die Meinungsbildung untersucht:

Aufschlußreich finde ich hier das niedrige Abschneiden der Corporate Blogs. Erstaunlich auch, daß journalistische Blogs knapp hinter Fachblogs landen.
Die Erklärung liefert das nächste Diagramm:

Corporate Blogs gelten als besonders unglaubwürdig.
Ein nettes Schmankerl liefert die Studie zum Schluß: Es wurde gefragt, von welcher Person die Umfrageteilnehmer besonders gerne oder besonders ungerne ein Blog lesen würden. In beiden Kategorien liegt Angela Merkel auf der Spitzenposition. Auf der Wunschliste stehen nach Merkel – in dieser Reihenfolge – Harald Schmidt, Papst Benedikt XVI., George W. Bush und Steve Jobs.
In der Negativ-Top-5 folgen auf Frau Merkel Dieter Bohlen, George W. Bush, Paris Hilton und Edmund Stoiber.
Gefunden bei f!xmbr.
Freitag, 26. Mai 2006
In dem im Nachtrag von mir bereits genannten Artikel in der Financial Times stehen ein paar interessante Zahlen:
UPS Europe Business Monitor vom Dezember 2005: 57 Prozent der deutschen Topmanager kennen den Begriff nicht. 29 Prozent haben zwar davon gehört, lesen oder schreiben aber selber keine. Als Informationsquelle ziehen gerade mal acht Prozent einen Blog heran.
In den Unternehmen gibt es momentan zwei Lager, wie die Studie “Euroblog 2006″ zeigt: überzeugte Nutzer und Skeptiker. 587 PR-Fachleute aus 33 Ländern gaben Auskunft, ob und wie sie Blogs nutzen. zur Nutzung von Weblogs in Public Relations und Kommunikationsmanagement. Ein Drittel betreibt ein Weblog oder verfasst regelmäßig Beiträge.
Ein Viertel ignoriert Weblogs noch komplett. 42 Prozent der Befragten, die derzeit noch keinen Blog betreiben, wollen dies in den nächsten zwölf Monate nachholen. Ein Drittel plant dies eher nicht - weil die Vorteile nicht klar auf der Hand liegen, die Inhalte nicht kontrollierbar sind oder es an Personalkapazitäten mangelt.
Immerhin beobachtet laut Euroblog-Studie knapp ein Drittel der befragten PR-Experten Weblogs. Fast 20 Prozent planen, ein solches Monitoring im Unternehmen einzuführen.
Bei BlogKnowHow wird auf einen weiteren Artikel der Financial Times Deutschland verwiesen:
Im Artikel “Boomlaune bewegt die Top Ten” schreibt Financial Times Deutschland über das Ranking der meistgenannten Businessbegriffe. Nach dem Spitzenreiter “Turnaround” folgt bereits “Blog”. Die reale Häufigkeit von Corporate Weblogs hinkt dieser Platzierung aber noch weit hinterher.