“And now for something completely different” (Monty Python):
Seit Wochen schon lese ich mit zunehmender Begeisterung das Druckerey-Weblog von Martin Z. Schröder, Drucker in Berlin, das dieser unter dem schönen Leitsatz “Reden ist Silber, Schreiben ist Blei” führt.
Schröder wurde schon als Junge von der Faszination des Schriftsetzens gepackt und absolvierte sogar eine entsprechende Lehre. Nach einem längeren Exkurs in Digitalsatz und Journalismus ging er vor 19 Jahren zurück in den Buchdruck. Seit 14 Jahren betreibt er eine eigene Werkstatt. Außerdem unterrichtet er Studenten des Fachbereichs Design einer Fachhochschule im Bleisatz und schreibt in Tageszeitungen über Typographie.
Sein Weblog ist eine sehr interessante Sammlung von Texten über typographische Themen.
Meist sind diese aus dem Blickwinkel des Setzers geschrieben, der ja auch immer in einer jahrhundertealten Handwerkstradition steht.
Interessant sind sie, weil Schröder den Bogen oft weiter faßt und gut ausgewählte Quellen mit einbezieht.
Interessant für mich, weil auch ich schon als Kind von der “schwarzen Kunst” fasziniert war und sogar ein wenig mit dem Beruf des Schriftdesigners geliebäugelt habe, war doch der Vorläufer der HBK Saar direkt neben unserer Schule und konnte ich mir an den Tagen der offenen Tür einen kleinen Eindruck von deren Arbeit verschaffen.
In Schröders neuestem Beitrag geht es um Handschriften, ihre Entwicklung und ihre Überarbeitung.
Er schreibt über Florian Hardwig, der in seiner Arbeit über Dialekte der Handschriften untersucht hat, inwieweit in die der Grundschule erlernten Schreibweisen die Handschriften in den einzelnen Ländern und Regionen prägen (Weiteres Material: Artikel aus der PAGE 07/2007, 4.8 MB PDF, Bilder der Diplomarbeit, ein Vortrag Hardwigs, 3.5 MB PDF).
Besonders interessant finde ich — nicht nur weil S. dieses Jahr in die Schule kommt — die Versuche, die Schulschrift endlich mal schülergerecht zu überarbeiten. Da gibt es die Kritik von Gerrit Noordzij “Das Kind und die Schrift” (1,5 MB PDF) aber eben auch einen sehr gelungenen Gegenentwurf: Die schlüssige An- und Herleitung einer neuen Schulschrift des Schriftentwerfers Hans Eduard Meier (3,8 MB PDF), der mit seiner Schrift Syntax sehr bekannt wurde. Sein Buch ist alleine schon wegen des historischen Teils zur Entstehung unserer Schreibschrift lesenswert und führt auch Reaktionen aus der Praxis auf. Meier listet auch einige andere Schulschrift-Entwürfe auf, die parallel zu seinem entstanden sind.
Dem Artikel über Hardwig in der PAGE habe ich eine weitere Quelle (english) für eine Schulschrift entnommen: Dr. Rosemary Sassoon wollte ursprünglich eine Schrift zum Lesen lernen für Kinder entwickeln. Diese gleichte sie der Schreibschrift der Kinder so weit wie möglich an, um sie auch als Vorlage zum Schreiben lernen zu nutzen. Die Schrift Sassoon dient nun als Schreibmodell in Großbritannien und Teilen Skandinaviens.







