Montag, 3. März 2008

Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte ist leer gefegt

In der jüngsten Branchenumfrage des BITKOM-Verbandes (Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) meldeten rund 60% der deutschen IT-Unternehmen offene Stellen. Das entspreche etwa 18.000 unbesetzten Positionen bei diesen Unternehmen, berichtet das Magazin „Handelsblatt Junge Karriere“ in seiner aktuellen Ausgabe. Weitere rund 25.000 Stellen seien bei den IT-Anwendern frei, dort vor Allem in Handel, Banken und Versicherungen.

Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, klagt Bikom-Präsident Scheer im Magazin.

Vor allem Akademiker würden knapp. Drei von vier ausgeschriebenen Stellen in der IT-Branche erforderten einen fachlich relevanten Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Doch ein Studium der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik könnten hierzulande gerade einmal zwei Promille der Beschäftigten aufweisen, berichtet das Magazin unter Berufung auf den OECD-Bildungsbericht.

Immer weniger Studenten würden sich für ein Infomatikstudium entscheiden: 2000 wären es in Deutschland rund 38.000 Studienanfänger gewesen, 2006 nur noch knapp 28.500, also ein Minus von 25 Prozent. Erwartet werde, dass künftig auch die Zahl der Absolventen falle – von 15.360 im Prüfungsjahr 2006 auf unter 14.000 in 2010.

Diese Vorhersage steht im Widerspruch zur bisherigen Entwicklung. Laut Statistischem Bundesamt haben 2006 15.400 Absolventen ihr Informatikstudium abgeschlossen, das ist ein Zuwachs von 13% gegenüber 2005 und 117% gegenüber 1997. Die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnts schwankten die Absoventenzahlen. Seit 2003 verzeichnet das Fach zweistellige jährliche Zuwachsraten - generell die höchsten im Fachgebiet Mathematik/Naturwissenschaften.
Nachdem 1997 der Frauenanteil bei Absolventinnen und Absolventen der Informatik 13% betragen hatte, ging er in den Jahren 2000 und 2002 auf 11% zurück und stieg seitdem nur in kleinen Schritten wieder an. 2006 lag er bei 17%, das ist immer noch deutlich weniger als im Vergleich zum Fachgebiet Mathematik/Naturwissenschaften mit 39% und zu den 50% über alle Studienfächer.
Die Zahl der sogenannten Bildungsausländer, die ihr Abitur o.ä. im Ausland erworben und dann erfolgreich ein Informatikstudium absolviert haben, hat sich in den vergangenen 10 Jahren auf 1.300 mehr als vervierfacht, ebenso die der Bildungsinländer (= Ausländer mit deutschem Abitur o.ä.) unter den Absolventen auf 500.

Diese Zahlen schlagen sich auch in der offiziellen Arbeitsmarktstatistik nieder, wie heise.de berichtet:

Arbeitslosenzahlen Informatik Januar 2006 2007 2008

Es sind so wenige Informatiker arbeitslos, wie schon lange nicht mehr. Von über 50.000 im Januar 2006 ist die Arbeitslosigkeit auf unter 30.000 im Januar 2008 zurückgegangen. Interessante Randnotiz: Wie obenstehende Grafik zeigt, kennt die Bundesagentur für Arbeit weniger als 7.000 offene Stellen, das sind weniger als 16% der vom BITKOM gemeldeten — offensichtlich findet der Arbeitsmarkt nahezu vollständig außerhalb des Wirkungsbereiches der Agentur statt. Aus meiner persönlichen Erfahrung sowohl als Arbeitssuchender als auch als Jobvermittler wundert mich das nicht. Alleine die mit mindestens 163 Millionen Euro subventionierte Software „virtueller Arbeitsmarkt“ ist eine Katastrophe, geschweige denn das A2LL-Debakel.

Die Nachfrage wirkt bereits auf die Gehälter. „Junge Karriere“ hebt da besonders SAP- und IT-Berater hervor, sie verdienten als Berufsanfänger mit bis zu zwei Jahren Erfahrung zwischen 38.000 und 48.000 Euro im Jahr. Das Durchschnittsgehalt eines entsprechenden Software-Entwicklers liege dagegen zwischen 35.000 und 42.000 Euro; Fachleute für IT-Sicherheit (vermutlich ebenso Berufsanfänger) verdienten zwischen 35.500 und 43.000 Euro.

Die von mir bereits mehrfach empfohlene Seite Gehaltsliste IT und Medizin — Gehaltscheck und umfassende Gehaltsübersicht für Professionals der Personalberatung HiTec Consult bleibt mit den dort genannten Einstiegsgehältern übrigens darunter.

Die Computerwoche, die noch im Herbst von steigenden IT-Manager-Gehältern berichtet hatte, meldet nun 4% Gehaltsteigerung bei IT-Führungskräften. Auch in den nächsten Jahren könnten sie mit steigenden Gehältern rechnen.
Ein überdurchschnittliches Plus von 8% könnten die Projektleiter verbuchen, die im Vorjahr „zu kurz gekommen“ seien. Mit Personalverantwortung stiege ihr Gehalt von 81.200 auf 88.000 Euro, ohne diese von 60.000 auf 65.000 Euro.
Insgesamt geht die Computerzeitung wegen der Personalknappheit von weiter steigenden Gehältern aus. Gleichzeitig gestalteten Unternehmen die Entgelte ihrer IT-Führungskräfte immer variabler und differenzierter. Größere Gehaltsunterschiede würden zugelassen.

Freitag, 18. Januar 2008

China beinahe größte Internet-Nation und “größtes Gefängnis für Journalisten”

Wappen Volksrepublik China (Wikipedia)Bald hat China mit seinen 210 Millionen Internetnutzern die USA eingeholt, die nur mit etwa 5 Millionen Internetnutzern mehr die Statistik anführen. In Kürze werden die USA überholt sein, denn in China wächst die Nutzung rapide: Im letzen halben Jahr sind etwa 48 Millionen Internetnutzer dazugekommen, das entspricht einem Wachstum von 30%. Betrachtet man das ganze vergangene Jahr, so waren es 73 Millionen neue Internetnutzer.

Die Nutzungsquote ist aber noch gering — das Potenzial also erheblich. Erst 16% der Chinesen nutzen das Internet (zum Vergleich: 63% der Deutschen). Dabei führen die Städte, dort leben 47% aller Internetnutzer. Umkehrt ist vor Allem in den Großstädten fast jeder zweite Städter auch im Internet, in Peking 47% und Shanghai 46%. In ländlichen Provinzen wie Guizhou oder Gansu sind es nicht mal 10% der Bevölkerung. Allerdings ist dort auch die Zuwachsrate mit 128% sehr viel höher als in den Städten mit 38%.

Die Mehrheit der chinesischen Internetnutzer ist männlich (57% gegenüber 43% Frauen).
78% der Internetnutzer haben einen Breitbandanschluß, 24% sind auch mobil im Netz.

Zugleich ist China eines der Länder mit der der strengsten Zensur von Medien und Internet. China betreibt die “Great Firewall” (in Anlehnung an die Chinesische Mauer, die “Great Wall”, so genannt). Übergriffe gegen Journalisten sind an der Tagesordnung, drakonische Strafen die Regel. Reporter ohne Grenzen nennt China zusammen mit Kuba” weiterhin eines der größten Gefängnisse für Journalisten”. Vor wenigen Tagen wurde von der lokalen Polizei der Blogger und Bürgerjournalist Wei Wenhua beim Filmen eines Polizeieinsatzes zu Tode geprügelt.

Auch wenn das mit dem jüngsten Fall nicht in Zusammenhang steht:
Die großen westlichen Internetkonzerne, allen voran Yahoo und Google, haben sich in der Vergangenheit als willige Erfüllungsgehilfen präsentiert. Unter dem Vorwand, man müsse ja schließlich mit der lokalen Regierung zu deren Bedingungen zusammenarbeiten, wurden Dossiers von Dissidenten zusammengestellt und den Regierungsbehörden übergeben. In Folge wurden die Betreffenden verhaftet und verurteilt.

Ihre Motivation ist eindeutig, sie möchten an dem riesigen Geschäft, das das Internet in China bietet, teilhaben. Im Moment kann Google erst in größeren Städten der größten chinesischen Suchmaschine Baidu signifikant Nutzerschaft abjagen: Googles Anteil an Suchanfragen beträgt in großen Städten 22%, in mittleren 15%, in kleinen 5%, weit entfernt von Baidu mit seinen 67%, 73% und 84%.

Moralische Aspekte — gerne tönt Google ja “Don’t Be Evil!” — bleiben offenbar auf der Strecke.

Geht man von einem ähnlichen Sättigungsgrad wie bei uns aus, so gibt es in China noch rund 825 Millionen potenzielle Internetnutzer. Um diesen gigantischen Markt geht es.

Trotz der massiven Restriktionen sind die Chinesen nämlich sehr aktiv im Internet. Nach Hochrechnung einer Umfrage haben dort 47 Millionen Internetnutzer schon einmal ein Blog ausprobiert (22%). Auch hier ist das Wachstum enorm, vor einem Jahr waren es erst 17,5 Millionen Blogger. Offenbar sind 30 Millionen nicht dabei geblieben, denn die aktiven Blogger sind etwa 17 Millionen mit etwa 29 Millionen aktiven Blogs (von insgesamt etwa 73 Millionen Blogs). Darüberhinaus wollen 11% der befragten Internetnutzer demnächst mit dem Bloggen beginnen.
Interessant Randnotiz: Obwohl bei den Internetnutzern 57% Männer sind, gegenüber 43% Frauen, verhält es sich bei den Bloggern genau umgekehrt: 57% Frauen und 43% Männer.

Bürgerjournalisten wie der totgeprügelte Wei Wenhua sind offenbar eher die Ausnahme, primär steht die Bloggerin bzw. der Blogger im Mittelpunkt des Blogs (bei fast der Hälfte der Blogs). Gelesen werden die Blogs vor Allem der Unterhaltung wegen.

Allerdings versucht die chinesische Regierung gerade verstärkt, die Blogger unter Kontrolle zu bekommen. Vergangenes Jahr kündigte sie an, Blogs stärker zu kontrollieren. Vor zwei Wochen wurde Privatpersonen verboten, ihre Videos über das Internet zu verbreiten. Bislang stellten sie bei weitem die Mehrheit der Beiträge.

Gut möglich, daß auch Wei Wenhuas Tod in diesem Zusammenhang gesehen werden muß.

Dieser Artikel basiert auf offiziellen Statistiken des China Network Information Center (CNNIC), veröffentlicht u.A. bei Golem hier und da.

Siehe zu chinesischen Bloggern auch meinen Artikel vor eineinviertel Jahren und zur Kritik an Unternehmen wie Google und Yahoo meinen Artikel dort.

Sonntag, 25. März 2007

Studie: Virtuelles Fremdgehen per SMS

Der Valentinstag liegt zwar schon länger zurück, aber ich finde die Meldung trotzdem recht interessant:

Laut einer Umfrage, die die Firma LogicaCMG in Auftrag gegeben hat, gibt es größere Unterschiede in der Nutzung von SMS zum Flirten. Dazu wurden im November 8.518 Verbraucher aus den Philippinen, Malaysia, Indonesien, Singapur, Russland, Italien, Großbritannien und Deutschland befragt.

Weil einige Nutzer das Mobiltelefon des Partners regelmäßig auf “verdächtige Nachrichten” überprüfen, empfiehlt die LogicaCMG „Safer Texten“ für den Valentinstag.

Dabei sind die Briten besonders aktiv:

Jeder siebte Handybenutzer in Großbritannien hat zugegeben, SMS für mehr oder weniger eindeutige Flirts abseits einer bestehenden Beziehung zu nutzen. Darin werden sie nur von den Malaysiern noch übertroffen. Zugleich sind die Briten sind auch die misstrauischsten unter den Befragten: Jeder sechste prüft das Mobiltelefon des Partners regelmäßig auf “verdächtige Nachrichten”.

Weitere Ergebnisse sind:

  • Die Malaysier sind die weltweit eifrigsten “Fremd-Flirter”: fast 40% versenden Flirt-Nachrichten hinter dem Rücken des Partners.
  • Die Deutschen sind Schlußlichter in puncto Eifersucht: Unter 7% forschen in den Handys ihrer Partner nach verdächtigen SMS.
  • Millionen italienischer “Latin Lover“sehen SMS als wichtigstes Instrument der Liebeswerbung. Eine von zehn Beziehungen nimmt in Italien mit einer SMS-Einladung zum ersten Date ihren Anfang und fast ein Drittel der Beziehungen hat mit SMS-Flirts begonnen.
  • Nahezu jeder zehnte Benutzer aus Singapur hat schon einmal per SMS mit jemand Schluss gemacht. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit, per SMS abserviert zu werden, dabei am geringsten. 3% der Briten mußten diese Erfahrung machen.
  • Philippinische Männer haben es am Valentinstag am einfachsten, denn ein Drittel der Frauen dort zieht eine liebevolle SMS-Botschaft der Schokolade oder den Grußkarten vor. Auch die als besonders leidenschaftlich geltenden Russen scheinen ihre Vorlieben im letzten Jahrhundert geändert zu haben, denn 40% der Russen begnügen sich mit einer Textnachricht zum Valentinstag.
Dienstag, 20. März 2007

Studien und Statistiken zu Gehältern aktualisiert

Es gibt neue Zahlen zum Thema Gehälter, u.a. eine neue Umfrage zum Thema Gehaltsunterschiede bei Frauen und Männern.

Die in meinem Artikel “Konkrete Gehaltsangaben für die Bewerbung — Woher nehmen?” genannten Quellen wurden aktualisiert.
Die dort empfohlene Seite Gehaltsliste IT und Medizin — Gehaltscheck und umfassende Gehaltsübersicht für Professionals der Personalberatung HiTec Consult gibt es noch weiter [Änderung am 13.12.2007: Links aktualisiert].

Darüberhinaus wurden die übrigen Quellen aktualisiert:

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer

Nach einer Online-Umfrage der Internetseite www.frauenlohnspiegel.de, an der sich rund 68.000 Beschäftigte in Deutschland beteiligt haben, liegt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen rund 22 Prozent unter dem der Männer.

Die Gründe nennt die Umfrage “vielfältig”:

Zum Teil können häufigere Berufsunterbrechung, kürzere Berufserfahrung, die geringere Zahl von Führungspositionen für Frauen und die partiell noch geringere Qualifikation die Gehaltsunterschiede erklären.

Als Fazit führt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, das von der Hans-Böckler-Stiftung betreutwird, Dr. Reinhard Bispinck an: “Zahlreiche Studien zeigen jedoch: Es gibt immer noch eine Lohndiskriminierung. Nach wie vor bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer.”

Die Internetseite www.frauenlohnspiegel.de bietet einen Lohn- und Gehalts-Check zu über 130 Berufen.

Im Falle der IT-Berufe sind nur zwei Qualifikationen angegeben, Informatiker und Programmierer.
Bei den Informatikern beträgt das durchschnittliche monatliche Bruttoeinkommen (ohne Zulagen/Zuschläge und Sonderzahlungen) 3971 € für Männer und 3590 € für Frauen, das sind 90,4%.
Bei den Programmierern beträgt das Bruttomonatseinkommen im Schnitt 3204 € bei Männern und 2948 € bei Frauen, das sind 92,0%.

Zwar ist der Gehaltsunterschied mit 9,6% bzw 8% nicht so extrem wie der Gesamt-Durchschnitt von 22%, aber immer noch zu hoch.

c’t-Gehaltsumfrage 2006

Die c’t-Gehaltsumfrage 2006 ist erschienen und auch online verfügbar.

IG-Metall-Entgelt-Erhebung 2007 erschienen

Die neue Erhebung der IG-Metall ist erschienen, leider ohne die hervorragende CD-ROM. Trotzdem ist der Preis gleich geblieben, wie ich auf der CeBIT sehen konnte:

Entgelt in der ITK-Branche 2007.
Eine Erhebung in der Informationstechnologie- und Telekommunikationsbranche.
Herausgegeben von der IG Metall.
Kartoniert, 128 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, 21 cm, 245g, in deutscher Sprache.
2007 Bund-Verlag
ISBN 3-7663-3785-8
ISBN 978-3-7663-3785-6 | KNV-Titelnr.: 15869813

Nächsten Monat kann sie auch online im Shop “Buch & Mehr direkt” bestellt werden: Einfach nach “Entgelt ITK-Branche” suchen.

Gehaltsstudie der Computerwoche erschienen

Unter dem Titel “IT-Gehälter wachsen nicht in den Himmel” gibt die Computerwoche einen ersten Überblick über ihre Gehaltsstudie (erfahrungsgemäß werden weitere Artikel folgen). Die Gehälter steigen demnach trotz voller Auftragsbücher und fehlendem IT-Personal nur moderat. 2,5% Einkommenssteigerung wurde für IT-Führungskräfte errechnet.

IT-Einkommen 2007 von Monster

Für Deutschland wurden die Zahlen aktualisiert, Österreich und die Schweiz liegen noch nicht vor. Der Inhalt bleibt weiterhin eher spärlich.
IT-Gehälter: Von Flaute keine Spur mehr” vermeldet Monster weiter, im Vergleich die eigenen Zahlen und die der IG Metall.

“Alte Zahlen” noch bei Stepstone

Bei Stepstone liegen keine neuen Gehaltsdaten vor.

Dienstag, 27. Februar 2007

Umfrage: Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzt täglich oder fast täglich das Internet

Immer mehr Menschen nutzen das Internet täglich oder fast täglich. Generell sind es mit 65% fast zwei Drittel der Deutschen, davon 56%, die es täglich oder fast täglich benutzen. Das ergab eine Befragung privater Haushalte im ersten Quartal 2006, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Im Unterschied zur von mir bereits vorgestellten Studie der Forschungsgruppe Wahlen, die für das vierte Quartal 2006 auf ähnliche Zahlen für Erwachsene kommt, wurden hier Personen ab zehn Jahren im ersten Quartal 2006 und die private Internetnutzung betrachtet. Erstere verfügt durchgängig über Werte aus dem Vorjahr und betrachtet insbesondere auch Bildungsgrad und Berufsgruppenzugehörigkeit.

In der Übersicht (Kursiv die entsprechenden Ergebnisse der anderen Studie):

  • 63% der über 10-jährigen Deutschen nutzt das Internet, das ist ein Zuwachs von 4 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (”Δ +4″). “Täglich oder fast täglich” wird es von 56% genutzt (Δ +6).
    Bei der Forschungsgruppe Wahlen haben 68% der Erwachsenen (Δ +3) einen Internetanschluß.
  • 60% der Frauen und 71% der Männer greift auf das Internet zu, davon täglich oder fast täglich Frauen zu 49% und Männer zu 61%.
    Bei der Forschungsgruppe Wahlen sind es 62% Frauen (Δ +5) und 74% Männer (Δ +1), d.h. die Frauen holen auf.
  • Die Altersgruppen unterscheiden sich stark:
    Erwartungsgemäß sind die 10- bis 24-Jährigen mit 92% (davon 55% täglich oder fast täglich) besonders stark vertreten.
    Aber auch die 25- bis 54-Jährigen sind zu 80% online, davon 58% täglich oder fast täglich.
    Bei den über 54-Jährigen sind nur 30% Internetnutzer, allerdings ist auch hier mit 48% fast die Hälfte täglich oder fast täglich online.
    Die Forschungsgruppe Wahlen benutzt ein anderes Raster:
    Mehr als 4/5 der Befragten unter 50 hat Internet-Zugang. Auch bei den 50- bis 59-Jährigen waren es bereits 76%. In dieser Gruppe fallen die Zuwachsraten mit Δ +8 besonders hoch aus.
    Immer noch stark unterrepräsentiert ist die sehr große Gruppe der Menschen ab 60 Jahren, von denen erst 36% über einen Zugang verfügten. Die Zuwächse sind mit Δ +4 durchschnittlich.
  • 85% der Internetnutzer verschickten und empfingen E-Mails und 83% suchten nach Informationen zu Waren oder Dienstleistungen. Stark verbreitet war auch die Inanspruchnahme von Reisedienstleistungen (55%) sowie das Online-Banking (42%).

golem.de berichtet, macht aber keinen Unterschied zwischen “täglich” und “täglich oder fast täglich”. Die Readers Edition nimmts auch nicht so genau.
Robert Basic machts richtig, heise.de auch.

Mittwoch, 31. Januar 2007

Konkrete Gehaltsangaben für die Bewerbung — Woher nehmen?

Als Bewerber sieht man sich oft vor dem Problem, schon im Anschreiben konkrete Gehaltsangaben machen zu müssen: “Wir freuen uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung, bitte unter Angabe Ihres frühestmöglichen Eintrittstermins und Ihrer Gehaltsvorstellungen.” enden viele Anzeigen.

Woher soll man also diese Information nehmen?

Ich kenne eine einzige Stelle im Internet, die ganz konkret für eine Vielzahl von IT-Positionen aktuelle Gehälter nennt:

Die Seite Gehaltsliste IT und Medizin — Gehaltscheck und umfassende Gehaltsübersicht für Professionals der Personalberatung HiTec Consult[Änderung am 13.12.2007: Links aktualisiert].

Die Liste ist ziemlich umfangreich und unterscheidet Anfänger, Professionals und Topverdiener. Man beruft sich auf “auf mehrere Tausend Kandidatengespräche und auf unsere langjährige Expertise als Personalberater”. Die Datenbank werde ständig erweitert und aktualisiert. Mehr als diese relativ diffusen Angaben zur Methodik werden leider nicht gemacht.
Seriös auch die einleitenden Warnungen zur Interpretation der Tabelle: Befinde man sich mit seinem Gehalt zwischen zweier ihrer Angaben, so sei dies eine Bestätigung, daß man “auf dem richtigen Weg” sei. Persönliche Entwicklung, Alter und “die Komplexität des gesamten Leistungsvermögens” ließen “sich durch diese Angaben natürlich nur marginal erfassen”. Die Tabelle könne “letztlich nur eine kleine Unterstützung sein im Rahmen einer neutralen Evaluierung” des Gehalts.
Dies gilt natürlich für jede derartige Tabelle, ich finde es aber sehr gut, daß sie es so hinschreiben.

Alle weiteren mir bekannten Quellen sind Umfragen, die sich auf die Vergangenheit beziehen:

  • Jährliche Arbeitsmarktübersicht (”Gehaltsumfrage”) der Zeitschrift c’t. Sie wird Anfang jeden Jahres durchgeführt und erscheint dann Ende März, Anfang April. Die aktuelle Version ist die c’t-Gehaltsumfrage 2005 mit knapp 3400 Teilnehmern aus Deutschland, Schweiz und Österreich (letztere allerdings mit nur je etwa 100 Teilnehmern).Es handelt sich um das meiner Meinung nach genaueste Instrument, auch mit der größten Erhebungsbasis und den differenziertesten Auswertungen. Zudem ist es unter o.g. URL frei zugänglich. Ich empfehle trotzdem dringend den Kauf des entsprechenden Heftes, weil sich damit besser arbeiten läßt.
  • Die Studie “Entgelt in der ITK-Branche” der IG-Metall.
    Sie erscheint jährich im März. Die Studie ist im moment vergriffen, die Neuauflage ist in Arbeit.
    Sobald die Neuauflage verfügbar ist, kann sie entweder in jeder Buchhandlung oder im Shop “Buch & Mehr direkt” bestellt werden: Einfach nach “Entgelt ITK-Branche” suchen.Die Studie ist statistisch sehr gut aufbereitet, insbesondere auch in der interaktiven CD-ROM-Version (Flash) die man sich unbedingt ansehen sollte, da sie wesentlich mehr Aufbereitungen enthält.
    Die Erhebungsbasis ist kleiner als bei der c´t, und man hat sich vor allem auf größere Unternehmen konzentriert.
    Die 13 Euro ist sie allemal wert!
  • Im Karrierebereich der Computerwoche, in dem öfters Artikel zum Thema Gehalt erscheinen, wurde auch im März 2006 die Studie “IT-Vergütung 2006: Keiner kommt zu kurz veröffentlicht.
    Sie ist offenbar ähnlich differenziert und breit angelegt, wie die der c’t, aber das publizierte Material finde ich nicht so aussagekräftig.
    Die folgenden Artikel werten diese Studie weiter aus

    Weitere Computerwoche-Artikel zum Thema Gehalt:

  • IT-Einkommen 2006 von Monster, separat für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
    Insgesamt sind die Auswertungen knapp und es gibt keine Angaben zur Methodik und Probengröße. Die weiterführenden Artikel zum Thema

    sind auch eher spärlich.

    Offensichtlich sollen Bewerber für die kostenpflichtige Gehaltsanalyse geworben werden, die von Tochter jobpilot.de durchgeführt wird.

  • Beim Konkurrenten Stepstone sieht es ähnlich aus. Der Überblick “Gehalt im Bereich IT ist sehr knapp gehalten, verfügt aber über einen Link zur kostenpflichtigen Gehaltsanalyse. Immerhin ist ein grober Gehaltscheck auch kostenlos möglich — irgendwoher müssen die Zahlen für eine breite Vergleichsbasis ja kommen.

Der Karriere-Bereich der Systems-Website sammelt noch ein paar Artikel und Presseerklärungen zum Thema. Unter Anderem eine Presserklärung zur Kienbaum-Vergütungsstudie “Führungs- und Fachkräfte in der DV-Branche” aus dem November 2006.

Die neuen Trends in Sachen Gehalt faßt Svenja Hofert in Ihrem Karriereblog im Artikel “Wie Aktien an der Börse” zusammen.

Andere Quellen sind mir nicht bekannt. Gerne können Sie in den Kommentaren Ihre Quellen dazu nennen. Ich nehme sie dann in den Artikel als Update auf.

Spätestens im März, wenn die diversen Studien/Umfragen/Statistiken neu aufgelegt wurden, werde ich den Artikel auf den neuesten Stand bringen.

Samstag, 20. Januar 2007

Studie: Über 2/3 aller Erwachsenen in Deutschland online

Die Forschungsgruppe Wahlen hat in ihrer Studie Internet-Strukturdaten IV. Quartal 2006 (für 40€ bestellbar, Zusammenfassung downloadbar 51 KB) folgende Zahlen über den Zugang der Erwachsenen in Deutschland zum Internet ermittelt:

  • 68% der Erwachsenen haben einen Internetanschluß, das ist ein Zuwachs von 3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (”Δ +3″).
  • Es gibt einen Unterschied nach Geschlecht: Männer 74% (Δ +1), Frauen 62% (Δ +5), d.h. die Frauen holen auf.
  • Es gibt ein West-Ost-Gefälle: Westen 69%, Osten 62%. Dort beträgt der Zuwachs jeweils Δ +3 Prozentpunkte, d.h. die Differenz manifestiert sich.
  • Auch die Altersgruppen unterscheiden sich: Mehr als 4/5 der Befragten unter 50 hat Internet-Zugang. Auch bei den 50- bis 59-Jährigen waren es bereits 76%. In dieser Gruppe fallen die Zuwachsraten mit Δ +8 besonders hoch aus.
    Immer noch stark unterrepräsentiert ist die sehr große Gruppe der Menschen ab 60 Jahren, von denen erst 36% über einen Zugang verfügten. Die Zuwächse sind mit Δ +4 durchschnittlich.
  • Auch der Bildungsgrad bleibt ein entscheidendes Merkmal für die Internet-Affinität der Deutschen:
    Gerade bei Befragten mit geringerem Bildungsniveau sind die Zuwachsraten überdurchschnittlich, doch nach wie vor sind die absoluten Werte insbesondere derer mit Hauptschulabschluss ohne Lehre (26%), aber auch derer mit Lehre (48%) weit unterdurchschnittlich.
    Durchschnittlich ist der Wert jener mit Mittlerer Reife (70%), aber deutlich überproportional jener mit Hochschulreife (85%).
  • Ein weiteres Differenzierungsmerkmal ist die Berufsgruppenzugehörigkeit, auch wenn hier die Unterschiede nicht so stark wie bei der Bildung ausfallen: Mit Δ +8 ist der Zuwachs bei den Arbeitern besonders hoch, allerdings hat dort erst jeder Zweite einen Zugang.
    Bei einfachen und mittleren Angestellten und Beamten sind es durchschnittliche 69%, bei leitenden Angestellten und höheren Beamten leicht überdurchschnittliche 74% sowie bei Selbstständigen deutlich überdurchschnittliche 83%.

Insgesamt wurden 3.780 Erwachsene “repräsentativ telefonisch durch die Forschungsgruppe Wahlen befragt”.

Via heise.de und golem.de.

[Update: Dieser Artikel ist auch in der Readers Edition erschienen.]

Donnerstag, 18. Januar 2007

Aktuelle Studien zur Blogs in den USA: Zeitungs-Weblogs legen stark zu, Blogs auch im Wahlkampf genutzt

Nielsen//NetRatings, das führenden Internet-Markt- und Medienforschungs-Unternehmen, hat die Leserschaft der Top-10 US-Online-Zeitungen untersucht und dabei besonders auf die Weblogs dieser Zeitungen geachtet.

Die Gesamt-Leserschaft der Online-Journale ist im vergangenen Jahr um 9% gestiegen, die ihrer Weblogs aber um 210%!

Interessant ist dabei auch, daß der Männeranteil bei den Zeitungsblogs etwas höher ist (66%), als bei den Zeitungen selbst (60%). Nielsen//NetRatings erklärt das aus der stärkeren Technikaffinität (”early adopters”) und dem größeren Nachrichteninteresse von Männern.

Noch ist die jährliche Wachstumsrate bei den weiblichen Zeitungsblog-Lesern geringer (183%), als bei den Männern (226%), aber die Medienforscher erwarten, daß sich das ändert.

Daraufhin aber wie n-tv heute gleich zu jubeln, “Amerikaner glauben Blogs“, halte ich doch für übertrieben.

n-tv versucht zwar diese These mit einer Studie des Pew Internet & American Life Project zu stützen, nach der die Zahl der Amerikaner zunahm (auf 15%), die sich bei “mid-term elections campaigns” im August im Internet informiert haben.
Laut der Pew-Studie (nichts davon bei n-tv) haben davon 20% Weblogs genutzt, insbesondere Nutzer mit höherem Bildungsgrad, höherem Einkommen, oder Teilnehmer an den Internetkampagnen. Leider sagt die Studie nicht, wie hoch dieser Wert vorher war.

Keine der beiden Studien vergleicht die Glaubwürdigkeit der oder das Vertrauen in die unterschiedlichen Medien.
Schlimmer noch: Dies spielt darin überhaupt keine Rolle, beide Studien untersuchen nur das Nutzungsverhalten, letztere auch die Motive.

Ich hätte erwartet, daß n-tv das unterscheiden kann.

Das Einzige, was in puncto Glaubwürdigkeit übrig bleibt: Die Glaubwürdigkeit von n-tv hat gelitten.

[Update: Dieser Artikel ist auch am 19.01. in der Readers Edition erschienen.]

Montag, 18. Dezember 2006

Erstmals die Hälfte der Frauen in Deutschland online

“Erstmals sind mit knapp 52 Prozent mehr als die Hälfte der Frauen in Deutschland online. […] Unter den Männern beträgt dieser Prozentsatz 64 Prozent.”

Quelle: gesonderte Auswertung des (N)Onliner-Atlas 2006, via heise online.

Sonntag, 16. Juli 2006

Studie zu Jobsuche im Internet

Im Rahmen einer Studie der Forschungsgruppe Wahlen Online zu den Internet-Strukturdaten in Deutschland im zweiten Quartal 2006 wurde auch die Arbeitssuche über das Internet untersucht.

Demnach nutzen 30% der Gesamtbevölkerung das Internet bei der Arbeitssuche – genauso viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.

Genauer betrachtet sind es

  • 25 % derer, die sich in einem gesicherten Arbeitsverhältnis wähnen
  • 45 % derer, die unsicher über ihren aktuellen Job sind
  • und 76 % der Arbeitslosen

Mit 31% sind es mehr Frauen als Männer (28%), obwohl weniger Frauen (60%) als Männer (73%) einen Internetzugang haben.

Die Studie gibt es zum PDF-Dowload.

Via heise.de .

Montag, 10. Juli 2006

“Der kleine Unterschied” — Frauen surfen anders

In einem zwei Monate alten Artikel faßt der Heise Newsticker verschiedene Studien zum Internet-Nutzerverhalten von Frauen zusammen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Wenn Frauen online gehen, dann suchen sie häufig nach Informationen über Reisen, Gesundheit, Kultur und Weiterbildung. Kommunikation beispielsweise per E-Mail hat Priorität, der technische Aspekt des Mediums steht bei vielen Nutzerinnen eher im Hintergrund. […]
Während Online-Shopping beliebt ist, halten sich Frauen beim Online-Banking im Vergleich zu den Männern eher zurück.

In Deutschland surfen knapp 48 Prozent aller Frauen regelmäßig im Internet, bei den Männern sind es gut 63 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Studie des Kompetenzzentrums, die auf dem (N)Onliner-Atlas basiert, […] eine[r] Studie über das Internetverhalten der Deutschen, […] [von] TNS Infratest und der Berliner Initiative D21 herausgegeben. Betrachtet man nur die Teenager, sieht die Statistik ganz anders aus. Im Alter von 14 bis 19 Jahren nutzen laut Kompetenzzentrum 84 Prozent der Mädchen das Internet, bei den Jungs sind es mit 85 Prozent nur unwesentlich mehr.

Laut einer “Umfrage des Verbands der PSD-Banken in Bonn […] wickeln 17,4 Prozent der Männer ihre Bankgeschäfte online ab, bei den Frauen […] nur 9,2 Prozent”.

Golem berichtet auch über die EIAA-Studie.

Quellen: